"Zwei Menschen herausheben": Jatta bricht sein Schweigen

SPORT1
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Bakery Jatta vom Hamburger SV hat in den letzten Wochen das Geschehen in Fußball-Deutschland mitbestimmt. 

Die Sport Bild hatte berichtet, Jatta habe bei seiner Einreise als Flüchtling im Sommer 2015 falsche Angaben bezüglich seiner Identität gemacht. Jatta sei in Wahrheit der Gambier Daffeh und zwei Jahre älter als angegeben.


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Damals war Jatta als minderjähriger Flüchtling in Deutschland geduldet worden. Mit Erreichen der Volljährigkeit erhielt Jatta eine Aufenthaltsgenehmigung, weil er einen Profivertrag beim HSV unterzeichnet hatte und somit in einem gesicherten Arbeitsverhältnis mit entsprechendem Einkommen stand. 

Bezirksamt stellt Ermittlungen ein

Am 2. September stellte das Hamburger Bezirksamt-Mitte die Ermittlungen gegen Jatta ein. Nun hat er sich erstmals zu Wort gemeldet.


Die Jatta-Erklärung im Wortlaut (übersetzt aus dem Englischen):

Moin Moin, auch wenn ich jeden Tag Deutsch lerne, werde ich das, was ich jetzt sage, auf Englisch tun …

Mein Name ist Bakery Jatta!

Vor vier Jahren floh ich von Gambia nach Deutschland. Ohne meine Familie!

Heute kann ich sagen, dass ich die größte und fürsorglichste Familie habe, die ich mir jemals hätte erträumen können. Ihr, der HSV, wurdet meine Familie! Auf diesem Weg möchte ich meine Dankbarkeit ausdrücken gegenüber dem ganzen Präsidium, meinen Mannschaftskameraden, den Mitarbeitern, meinen Bodyguards Miro und Jürgen, den fantastischen Fans und meinem Anwalt, jedem einzelnen in diesem Klub, der mir bedingungslose Liebe entgegenbrachte.

Ich möchte mich auch bedanken bei allen Athleten, Trainern, Kollegen und Freunden, wie auch der ganzen Adidas-Familie für die Unterstützung, die sie mir von Anfang an jeden Tag entgegengebracht haben. Das werde ich nie vergessen! Zwei Menschen möchte ich gerne besonders herausheben: Jonas Boldt und Dieter Hecking. Sie haben mich bedingungslos unterstützt und an mich geglaubt.

Sie waren für mich da – in der schwersten Zeit meiner Karriere! Viele Menschen haben mich gefragt, ob ich etwas sage, um den Berichten, den Menschen und der Hexenjagd entgegenzuwirken. Meine einfache Antwort, warum ich die Attacken nicht kontere: Ich bin nicht wie diese Menschen! Ich bin gesegnet, dass ich die Möglichkeit bekam, hier zu sein. Ich lebe jetzt ein besseres Leben als vorher. Mit all euren freundlichen Reaktionen, euren Kommentaren und eurer bedingungslosen Unterstützung habt ihr die beste Antwort auf diese Beschmutzungs-Kampagne gegeben.

Wenn es eine Sache gibt, die ich all diesen Menschen wünsche, die mir schaden wollten, wäre es, dass sie den Schmerz spüren, den sie mir zugefügt haben. Nur einmal sollen sie das Leid erfahren, das ich ertragen musste. Zum Beispiel was ich in Karlsruhe erfahren habe: Ich kann euch sagen, dass das mit Abstand schlimmste Erlebnis war, das ich je hatte.

Ich weiß, dass ich nicht ein so guter Fußballer wie Aaron oder Sonny bin. Und ich weiß, dass es in diesem Spiel Spieler gibt, die talentierter sind als ich. Aber ich werde euch versprechen: Solange wie mich meine Beine durchs Leben tragen, solange wie es für beide Seiten funktioniert, werde ich für euch da sein. So lange, wie ich lebe, werde ich niemals vergessen, wie der HSV und ihr alle die ganze Zeit hinter mir standet.

Der Fakt, dass Stefan Kuntz, der Trainer der U21-Nationalmannschaft, für mich eingetreten ist, hat mich unglaublich stolz gemacht.

Ein besonderer Dank geht an meinen Agenten, Freund. Efe, was du für mich in den letzten Wochen getan hast, werde ich nie mehr vergessen.

Vor allem bin ich stolz darauf, dass unser größter Rivale, FC St. Pauli, meine Position gestärkt hat. Geteilt durch Farben, vereint in der Sache.

Trotz all dieser Dankbarkeit fühle ich, dass ich keine Zweifel daran habe, dass wir euch am Wochenende besiegen werde. Denn ein Derby wird immer ein Derby sein.

Abschließend möchte ich noch eines sagen: Da ihr alle die Wahrheit kennt darüber, wo ich geboren wurde, wo ich aufgewachsen bin, wo ich aß, schlief und mich zum ersten Mal in den Fußball verliebt habe … Ihr solltet alle kommen und meine Heimatstadt besuchen. Wo ich herkomme sind alle sehr aufgeschlossen, freundlich … und alle werden immer willkommen sein.

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