Jean Todt: Ferrari-Zusammenhalt zu Schumi-Zeiten besser als bei Vettel

Juliane Ziegengeist
motorsport.com

Auch wenn die Trennung von Sebastian Vettel und Ferrari in der vergangenen Woche kurz und schmerzlos wirkte, ließ sich zwischen den Zeilen lesen, dass es im Gebälk schon seit längerem ordentlich geknirscht haben muss. Auch wenn Team und Fahrer nach den Zwischenfällen 2019 stets das Gegenteil beschworen.

Doch sowohl die teaminternen Querelen zwischen Neuzugang Charles Leclerc und Vettel als auch das Ausbleiben der erhofften Ergebnisse hinterließen Spuren. Schließlich war der Deutsche 2015 zu Ferrari gewechselt, um dort an die einstigen Erfolge seines Landsmannes Michael Schumacher mit den Roten anzuknüpfen.

Doch anders als "Schumi", der seinerzeit fünf WM-Titel in Folge gewann, konnte Vettel mit Ferrari bisher kein Weltmeister werden. FIA-Präsident Jean Todt, der als früherer Ferrari-Teamchef die Siegesserie von Schumacher unmittelbar begleitete, glaubt einen Grund dafür zu kennen und zieht den Vergleich zu damals.

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Todt: Ein gutes Team zeigt sich erst in schwierigen Zeiten

"Das Ergebnis, ob gut oder schlecht, kann man immer klären", sagt der Franzose im Interview mit 'Sky Sports F1'. "Zusammen mit Michael, dem gesamten Team bei Ferrari, hatten wir so viel Erfolg, weil wir ein sehr geeintes, starkes Team hatten, das sich gegenseitig unterstützte, mehr noch in den schwierigen als in den guten Zeiten."

Es sei einfach, zusammenzuhalten, wenn alles gut läuft. Aber einen guten Segler erkenne man erst in rauer See, erklärt Todt: "Wenn wir uns in rauer See befanden, waren wir alle auf dem Boot, und ich denke, das machte den Unterschied aus." In diesem Punkt sieht er den Hauptunterschied zu Vettels Zeit bei Ferrari.

Auf die Frage, ob es ein großer Verlust für die Formel 1 wäre, wenn Vettel nach dieser Formel-1-Saison zurücktreten sollte, mahnt der FIA-Präsident zu etwas mehr Zuversicht. "Sebastian Vettel ist eines der größten Talente im Motorsport", lobt er den Deutschen. Noch stehe nicht fest, wohin ihn sein Weg nach 2020 führt.

Auch Schumacher gewann mit Ferrari nicht auf Anhieb

"Er wird nach 2020 nicht mehr für sein eigentliches Team fahren. Aber es gibt eine Menge anderer Möglichkeiten", so Todt. "Wir können ihm nur das Beste wünschen, und ich habe wirklich das Gefühl, dass derjenige, der ihn nehmen wird, sich glücklich schätzen kann." Denn im richtigen Auto sei Vettel ein klarer Titelkandidat.

So erinnert sich Todt: "Als Michael 1996 zu Ferrari kam, konnte er nur drei Rennen gewinnen - nicht, weil er nicht motiviert war, er hatte einfach nicht das Auto, mit dem er Weltmeister werden konnte. Langsam bauten wir das Auto und bauten das Team auf, das es möglich machte. Es kommt also immer auf Kombination an."

Genauso verhalte es sich bei Mercedes-Pilot Lewis Hamilton. "Wenn er nicht in der Position wäre, ein Siegerauto zu fahren, könnte er nicht Weltmeister werden", hält der FIA-Präsident und ehemalige Formel-1-Teamchef fest. "Das haben wir auch bei Alonso gesehen, das haben wir bei Vettel gesehen. Das ist ganz logisch."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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