Job-Endspiel bei PSG: Tuchel-Zukunft hängt wieder am BVB

Patrick Berger
Sport1

Mit großen Sorgen ist Paris St. Germain in die Vorbereitung auf das Achtelfinal-Rückspiel in der Champions League gegen den BVB gegangen (Champions League: Paris Saint-Germain - Borussia Dortmund, Mi. ab 21 Uhr im Liveticker).

Superstar Kylian Mbappe fehlte auch am Dienstvormittag wegen Halsschmerzen im Abschlusstraining und treibt Thomas Tuchel Sorgenfalten auf die Stirn: "Wir versuchen, ihn spielfähig zu bekommen. Eine Entscheidung fällt erst am Mittwochabend", sagte der PSG-Trainer.

Der Einsatz des 21-jährigen Weltmeisters steht gegen den BVB auf der Kippe, zumindest der Test auf das Coronavirus am Dienstag fiel negativ aus. Doch nicht nur das: Thomas Meunier, der weiterhin vom BVB umworben wird, und Marco Verratti fehlen gelbgesperrt, Abwehrchef Thiago Silva ist jüngst von einer Oberschenkelverletzung zurückgekehrt und wird laut Tuchel zumindest "zum Kader gehören".

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Das alles macht die Aufgabe für Tuchel noch schwerer als ohnehin schon. Französischen Medienberichten zufolge steht der Deutsche vor einem Job-Endspiel. Die größte Pariser Zeitung Le Parisien schreibt, dass die Arbeit des deutschen Taktikers am Mittwoch von den PSG-Chefs genauer unter die Lupe genommen wird. "Seine Zukunft hängt von diesem Spiel ab", schreibt das Medium. "Scheitert PSG am Mittwoch, war es das fast sicher zum Saisonende", schreibt wiederum die Sportzeitschrift L’Équipe.

PSG droht nächstes Achtelfinal-Aus

Tuchel steht vor dem Rückspiel gegen seinen Ex-Klub (2015 bis 2017) unter einem enormen Druck. Seit 2018 ist der Ex-Mainzer in Paris Trainer und holte mit dem Star-Ensemble im vergangenen Jahr die Meisterschaft. Auch in diesem Jahr ist Tuchel der Liga-Titel  kaum mehr zu nehmen, zudem steht er mit dem Scheich-Klub im Pokal-Finale - den Eignern aus Katar um Präsident Nasser Al-Khelaifi ist das allerdings zu wenig. Was sie wollen: Erfolge in der glitzernden "Königsklasse".

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Im August feiert PSG nämlich 50-jähriges Vereinsjubiläum - und ein erneutes Achtelfinal-Aus würde einer Schmach nachkommen. Dreimal war zuletzt für den Scheich-Klub in der ersten K.o.-Runde Schluss: Barca 2017 (1:6 nach 4:0 im Hinspiel), Real 2018 (1:3 und 1:2), Manchester United 2019 (1:3 nach 2:0 im Hinspiel) - und auch diesmal steht PSG nach dem 1:2 in Dortmund mit dem Rücken zur Wand.


Sportchef Leonardo rätselt

Sportchef Leonardo, der Tuchel ohnehin kritisch gegenübersteht, rätselte zuletzt: "Ich verstehe nicht, warum wir immer so ängstlich auftreten vor dem Achtelfinale."

Bereits vor dem Hinspiel in Dortmund erklärte der Sportreporter und Frankreich-Experte Raphael Domenach bei SPORT1, dass das Achtelfinale für PSG wie eine Art Trauma geworden sei. "Deshalb ist die Erwartungshaltung rund um den Verein riesig - und der Trainer am Ende oft derjenige, der zur Verantwortung gezogen wird."

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1016 Tage nach seiner Entlassung im Ruhrpott hat Tuchel nun ein Schicksalsspiel - und wieder hat der BVB maßgeblichen Einfluss auf seine Zukunft. Dortmund-Boss Hans Joachim Watzke weiß: "Für sie (Paris; Anm. d. Red.) bricht die Welt zusammen, wenn sie ausscheiden."

Tuchel kämpft an verschiedenen Fronten

Tuchel, der in den nationalen Wettbewerben mit seiner Mannschaft fast nach Belieben dominiert, spricht indes zurückhaltend von einem "großen Spiel". Als hätte er nicht ohnehin schon genügend zu tun, kämpft der frühere Bundesliga-Trainer auch gegen PSG-Diven wie Neymar oder Mbappé.

Neymar griff nach der Hinspiel-Pleite den Klub öffentlich an, weil man ihn in den Spielen zuvor wegen einer Rippenprellung geschont hatte, Mbappé ignorierte Tuchel zuletzt nach einer vorzeitigen Auswechslung und der Bruder von Presnel Kimpembe beschimpfte den Trainer in einem Video auf Instagram.


Dass kürzlich Party-Videos der Spieler auftauchten, ist dabei noch das geringste Problem. Aus dem Pariser Umfeld ist überdies zu hören, dass die Mannschaft Tuchels Plan, sich im Kurztrainingslager in Südspanien auf das BVB-Rückspiel vorzubereiten, abgelehnt hatte. 

Schlechte Vorzeichen für Tuchel und PSG, das die Generalprobe in Straßburg wegen des Coronavirus nicht spielen konnte. Vor seinem Jobendspiel, das bekanntlich ohne Fans ausgetragen wird, sagt Tuchel: "Es wird ein bisschen bizarr ohne unsere Fans."

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