Jonas Kronwitter: „Ich bin wieder da!“

Jonas Kronwitter: „Ich bin wieder da!“
Jonas Kronwitter: „Ich bin wieder da!“

SPORT1: Du hast bei der WSOPE das Main Event gespielt. Also No-Limit Holdem. Dabei bist Du Pot-Limit Omaha Spezialist.

Jonas Kronwitter: Ja, okay, es stimmt, ich spiele seit mittlerweile fast fünf Jahren eigentlich ausschließlich PLO. Einfach, weil sich vor allem die Cash Game Landschaft dahin bewegt hat und man kaum mehr höhere Holdem-Partien findet.

Auch weil das Spiel viel mehr Spaß macht als das mit zwei Karten. Ich habe tatsächlich erst zwei Mal Holdem gespielt in den letzten fünf Jahren. Eins davon war das Main Event in Vegas, wo ich einen glücklichen Lauf hatte. An Tag 5 als 195. raus. Lustigerweise mit der gleichen Hand wie bei der WSOPE, also Könige. Nicht so gut für mich in meiner Welt.

Aber warum habe ich das gespielt? Ich hatte irgendwie einfach Bock drauf. Ich hatte mal wieder Lust auf ein Holdem-Turnier und das Feld war groß, war ja Rekordfeld. Und ich bin einfach reingesprungen. Hat dann auch zum Schluss hin Spaß gemacht, nachdem man weit gekommen war. Hinten raus juckt es dann schon. Immer wieder eine tolle Erfahrung.

SPORT1: Ein bitteres Ausscheiden auf Platz 16 mit Königen gegen Ass/König.

Kronwitter: Ja, da hat man kurz das Gefühl, okay, da geht was mit den letzten 16 und dann soll es doch nicht sein. Eiskalt erwischt.

SPORT1: So ein unglückliches Ausscheiden wie jetzt bei der WSOPE, wie lange nagt das noch an Dir?

Kronwitter: Es ist immer enttäuschend, aus einem Turnier auszuscheiden. Wer professionell Turnierpoker spielt, der muss ein bisschen auf Schmerzen stehen. Ich könnte das nicht, weil du ja in 99 von 100 Fällen enttäuscht bist, selbst wenn du Zweiter wirst. Und von daher ist die Enttäuschung auch immer da, aber dann zwei Bierchen hat man es doch wieder verdaut. Witzigerweise schläft man danach, wenn die Anspannung abfällt eigentlich ganz gut.

Wo ich immer schlecht schlafe, wenn man noch drin ist, nach dem zweiten, dritten Tag. Vor dem vierten, fünften Tag bei der WSOP in Las Vegas. Du weisst, jetzt wird es echt interessant und morgen gehts weiter.

SPORT1: Shaun Deeb hatte bei der WSOPE auch wieder einen irren Lauf. Wie siehst Du ihn?

Kronwitter: Ja, er hat einen guten Lauf. Viele GTO-Wizards (Anm.: GTO = Game Theorie Optimal; der Versuch, perfekt zu spielen) halten ja nicht so viel von seinem Spiel. Wobei ich sagen muss , ich habe sehr viel Respekt vor ihm. Auch wenn er jetzt technisch nicht 100% perfekt spielt, hat er eine unglaubliche Präsenz am Tisch und sehr gute Live Reads. Gerade in den großen Liveturnieren in den späten Phasen finde ich, dass er sehr viel gut macht. Es ist kein Zufall, dass er erfolgreich ist.

SPORT1: Du hast die Game-Optimal Theory angesprochen. Das Spiel ist durch neue Konzepte und Lösungssysteme anders geworden in den letzten Jahren. Kann man das so sagen?

Kronwitter: Absolut. Das Spiel entwickelt sich ja ständig weiter und man kann Poker nicht mehr mit Poker vor zehn oder 15 Jahren vergleichen. Das ist eine komplett andere Nummer. Wenn du nur mit Deinen Freunden in Homegame Runden spielst, dann musst du dich nicht tiefgründig mit den modernen Themen beschäftigen und wirst immer noch Spaß am Spiel haben und möglicherweise gegen die Gegner auch erfolgreich sein. Aber wenn du auf dem Elitelevel Poker spielen möchtest und das auch erfolgreich, dann ist es unabdingbar, sich mit der heutigen Pokertheorie auseinanderzusetzen.

SPORT1: Spieler wie Daniel Negreanu und Shaun Deeb sind zur WSOPE zu kommen, um Bracelets zu gewinnen, sie legen ihre gesamte Planung nach den WSOP-Events aus. Wie gefällt Dir dieser enorme Wunsch, ein Bracelet zu gewinnen?

Kronwitter: Ich glaube für gewisse Spieler, wie eben Negreanu und Deeb macht es Sinn, WSOP-Turniere zu gewinnen, weil sie durch ihre riesigen Sponsorenverträge und ihre Präsenz in der Öffentlichkeit so ein Bracelet viel mehr Wert hat. Negreanu bekommt unglaublich gute Sponsorenverträge, wenn er gewinnt.

Deeb hat ebenfalls finanziell ausgesorgt, er mag diesen Wettkampfgedanken. Und wenn es bei dir um den Wettkampf geht, dann bekommst du das bei den Turnieren am besten.

Turniere zu gewinnen gehört immer noch zu den schönsten Gefühlen. Das hat dann einfach auch sentimentalen Wert für jemanden.

SPORT1: Zufälligerweise beharken sich die Beiden auch ständig und scheinen sich nicht wirklich zu mögen.

Kronwitter: Das ist natürlich von Seiten Negreanus auch viel Show, um im Rampenlicht zu stehen. Auch ist Drama immer gut für Presse und Aufmerksamkeit. Ich kann das schon nachvollziehen. Ich habe ja früher keine Turniere gespielt, also wirklich gar nicht. Und nun bin ich auf den Geschmack gekommen, vor allem PLO-Turniere zu spielen. Dieser Wettkampf ist einfach nochmal was anderes. Und wenn du weit kommst oder sogar eins gewinnst, dann ist es immer noch eins der besten Gefühle beim Poker.

SPORT1: Du hattest vor einigen Jahren in Start-Ups investiert, u.a. in ein Buchungsportal für Bergsport-Touren.

Kronwitter: Aus dem Start-Up ist leider nichts geworden. Deswegen bin ich auch nach Österreich gezogen, um mich wieder vollkommen auf Poker zu konzentrieren. Da habe ich wieder frischen Wind und neue Energie gefunden. Meine Leidenschaft ist neu entfacht. Ich habe mich neu in die Pokertheorie reingefuchst und wieder die Liebe und Passion gefunden. Ich bin wieder da!