Ist Jovic der Alte? So schlugen sich seine Vorgänger

Christopher Michel
·Lesedauer: 4 Min.

Rückkehr-Modelle (ausgeklammert sind Transfers, bei denen Spieler bewusst für ein Jahr ausgeliehen wurden und die Rückkehr von Beginn an geplant ist) müssen stets von zwei Seiten betrachtet werden. Da ist vor allem bei ehemaligen Publikumslieblingen die emotionale Komponente im Umfeld, wenn ein "verlorener Sohn" wieder da ist.

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Andererseits wird schnell die Schlüsselfrage gestellt: Können die Spieler wieder an die Leistungen anknüpfen, die sie vor ihrem Abschied gezeigt haben? Eintracht Frankfurt hat damit allerdings sehr gute Erfahrungen gesammelt. In diesem Jahrtausend haben die Hessen in unregelmäßigen Abständen Profis an den Main zurückgeholt und damit viele Volltreffer gelandet.

Eintracht setzt seit vielen Jahren auf Rückkehrer-Modell

Begonnen hat alles mit Thomas Sobotzik. Der frühere Profi kam nach nur einem halben Jahr beim 1. FC Kaiserslautern im Winter 2000 zurück zur Eintracht. Nach elf Hinrundenpunkten wurde der heutige Manager des Regionalligisten aus Offenbach für drei Millionen geholt. Mit drei Treffern und einer Vorlage hatte der Ex-Profi einen wichtigen Anteil am sensationellen und kaum noch für möglich gehaltenen Klassenerhalt der Eintracht.

Christoph Preuß ist zweimal zu seinem Heimatklub zurückgekehrt. Der heutige Eintracht-Teammanager wechselte zwischenzeitlich nach Leverkusen und Bochum. Das Verletzungspech zog ihm insgesamt einen Strich durch einen erfolgreicheren Karriereverlauf. Unvergessen blieb allerdings sein Fallrückzieher gegen Bayern-Torhüter Oliver Kahn.

Jones: Sportlich wertvoll – aber emotional schwierig für die Fans

Als Jermaine Jones die Eintracht 2007 in Richtung FC Schalke 04 verließ, war die Wut der Fans gewaltig. Der gebürtige Frankfurter ließ die Emotionen stets hochkochen. Nach seiner Rückkehr aus Leverkusen musste er zunächst die Anhänger mit starken Leistungen beruhigen, in den ersten Partien gab es laute Pfeifkonzerte.

Trotz toller Tore und oftmals sehr guter Performance blieb der vom Stürmer zum Mittelfeldspieler umfunktionierte Jones stets eine Reizfigur für die Fans. Aufstieg und Einzug ins DFB-Pokal-Finale konnten das schwierige Verhältnis nicht verbessern. Dennoch war die Jones-Rückkehr rein sportlich gesehen äußerst wertvoll für die Eintracht.

Ein gutes Händchen hatte der Klub auch bei Ioannis Amanatidis (2005 – 2011/kam aus Lautern), Albert Streit (2006 – 2008/Köln), Timothy Chandler (2014/Nürnberg) oder Marco Russ (2013 – 2020/Wolfsburg). Jeder von ihnen brachte die Eintracht weiter, sie alle konnten anfängliche Zweifel beseitigen und waren phasenweise Stammspieler.

Vor allem die Geschichte von Russ, der sich trotz der Diagnose Hodenkrebs in das Relegationsspiel gegen Nürnberg stürzte und alles für die Rettung gab, glich einer Heldenreise. Der heutige Spielanalyst ist nicht mehr aus der Historie des Klubs wegzudenken.

Bobic setzt ebenfalls auf Rückkehrer

Unter Sportvorstand Fredi Bobic hat das Rückkehrer-Modell weiterhin Tradition. Als sich die Tür in Paris öffnete, wurde Kevin Trapp erst ausgeliehen und 2019 dann fest verpflichtet. Auch bei Sebastian Rode war Bobic zum richtigen Zeitpunkt da, der gebürtige Hesse kam nach viereinhalb Jahren beim FC Bayern München und Borussia Dortmund zurück in die Heimat. Der größte Coup gelang Bobic aber in der aktuell laufenden Transferperiode: Luka Jovic!

Die Jovic-Rückkehr ist ein echter Coup

Der im Sommer 2019 für rund 60 Millionen Euro zu Real Madrid gewechselte Serbe kehrt 18 Monate später auf Leihbasis zurück. Das Umfeld ist in schwierigen Coronazeiten seitdem euphorisiert, in zwei Jahren bei der Eintracht hatte der Stürmer in 75 Pflichtspielen 36 Treffer erzielt und neun vorbereitet.

Obwohl Manchester United und weitere Klubs aus England und Italien angeklopft hatten, wollte der 23-Jährige schon seit Sommer (SPORT1 berichtete zuerst) nur zurück nach Frankfurt. Dort trifft Jovic auf seinen größten Förderer Adi Hütter. Eintracht-Legende Dragoslav Stepanovic sagte bereits im Herbst bei SPORT1: "Luka hat bei Lissabon nicht viel gespielt, auch bei Niko Kovac kam er nicht häufig zum Einsatz. Erst bei Adi Hütter hat Jovic wunderbar gezeigt, was er kann."

Möller und Veh: Nur zwei Rückkehrer wurden zu Flops

Negativbeispiele bei Rückkehrern gab es wenige in Frankfurt. Felix Wiedwald wurde als zweiter Mann geholt (2018/Leeds United) und konnte nicht mehr ganz an seine starke Phase im Herbst 2014 anknüpfen. Ein Flop war der Schlussmann allerdings nicht.

Zu diesem wurde hingegen die charmante Idee mit Andreas Möller, der im August 2003 zurückkam und das Team zum Klassenerhalt führen sollte. Dieser Plan ging völlig schief und endete acht Monate später mit dem Karriereende des damals 36-Jährigen.

Zum Debakel wurde der Schritt zurück an den Main auch für Trainer Armin Veh. Nach drei erfolgreichen Jahren mit Aufstieg und Europapokal ging er 2014 nach Stuttgart und kehrte ein Jahr später zurück zur Eintracht.

Anfang März 2016 war im tiefsten Abstiegskampf dann aber Schluss. Niko Kovac kam, führte das Team über die Relegation zum Ligaverbleib – und insgesamt in eine neue Dimension, wie unter anderem die vielumjubelte Rückkehr von Jovic aufzeigt.