Julian Jakobi: Ayrton Senna hatte keine Zweifel an Rennstart in Imola 1994

Ruben Zimmermann
motorsport.com

In den Jahren nach Ayrton Sennas Tod haben sich zahlreiche Mythen rund um das schwarze Wochenende in Imola 1994 aufgebaut. So hält sich beispielsweise die Behauptung, dass Senna damals ernsthaft überlegte, gar nicht am Rennen teilzunehmen, nachdem es am Freitag und Samstag bereits die schweren Unfälle von Rubens Barrichello und Roland Ratzenberger gegeben hatte.

Sennas langjähriger Manager Julian Jakobi betont im Podcast 'Beyond The Grid' allerdings, dass sich Senna damals "nicht wirklich" Gedanken über das Risiko gemacht habe. "Alle sagen, dass er das getan hat. Und natürlich war er sauer darüber, was mit Rubens' Unfall am Freitag und dann mit Ratzenbergers tödlichem Unfall am Samstag passiert war", erinnert sich Jakobi.

"Aber ich denke nicht, dass irgendein Zweifel daran bestand, dass er am Sonntag fahren würde. Die Leute sagen, dass es die gab. Aber so war es nicht", erklärt Jakobi, der laut eigener Aussage am Samstagabend dabei war, als Senna mit Teamchef Frank Williams gesprochen hat. "Frank sagte ihm, dass er nicht fahren muss, wenn er nicht möchte. Aber er tat es", so Jakobi.

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"Es ist etwas, mit dem man niemals rechnet"

An das Imola-Wochenende kann sich der Fahrermanager noch gut erinnern. "Es ist schwer, das in Worte zu fassen. Es ist etwas, mit dem man niemals rechnet. Wir alle wussten natürlich, dass Motorsport gefährlich ist", erklärt er. Allerdings erinnert er daran, dass die Formel 1 damals bereits deutlich sicherer wirkte als noch in den Jahrzehnten zuvor.

Seit den 1980er-Jahren hatte es keinen Todesfall in der Königsklasse mehr gegeben - bis Imola. "Es war ein Schock für die Formel 1. Erst passierte das mit Ratzenberger und Senna, und dann hatte [Karl] Wendlinger danach in Monaco einen Unfall. Es war ein Weckruf", erinnert sich Jakobi, der die "großartige Arbeit" von Max Mosley, Bernie Ecclestone und Co. lobt.

Die damalige Führungsetage der Formel 1 habe dafür gesorgt, dass die Königsklasse in den folgenden Jahren deutlich sicherer wurde. Für Jakobi persönlich war Senna trotzdem nicht der letzte Verlust. 2011 starb Dan Wheldon bei einem IndyCar-Rennen, 2005 verlor Ex-Rallye-Weltmeister Richard Burns den Kampf gegen den Krebs. Beide wurden von Jakobi gemanagt.

"Senna vertrat Brasilien auf der Weltbühne"

"Es ist eines der Risiken in diesem Sport. Es kann passieren. Leider ist es für mich dreimal zu oft passiert", so der Fahrermanager. Auch deshalb hat vor allem Sennas Tod Spuren hinterlassen. "Es war das erste - und ich hoffe einzige - Mal, dass ich auf einem Staatsbegräbnis war. Es war sehr beeindruckend", erinnert sich Jakobi an Sennas Beerdigung zurück.

"Bis dahin wusste ich nicht, dass er im Prinzip das Staatsidol in Brasilien war - vielleicht sogar größer als [Fußballlegende] Pele", so Jakobi. Denn während Pele damals bereits lange zurückgetreten war, war Senna noch aktiv. "Er vertrat Brasilien auf der Weltbühne. Das realisierte man gar nicht, bis man dort war und es erlebte", erklärt Jakobi.

Sennas Ex-Teamkollege Gerhard Berger erklärte im 'kicker' jüngst sogar, dass Senna nach der aktiven Karriere seiner Meinung nach Staatspräsident von Brasilien geworden wäre. Das schwarze Imola-Wochenende verhinderte das.

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.

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