Nübel und Co. zeigen ein massives DFB-Problem

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Nübel und Co. zeigen ein massives DFB-Problem
Nübel und Co. zeigen ein massives DFB-Problem

Deutschland, Land der Torhüter.

Toni Turek, Sepp Maier, Toni Schumacher, Bodo Illgner, Andreas Köpke, Oliver Kahn, Manuel Neuer - der deutsche Fußball hat stets Weltklasse-Keeper hervorgebracht. Doch die Zeit neigt sich ihrem Ende. Der DFB hat mit Blick auf die Zukunft Sorge. (NEWS: Alles zur EM)

Gianluigi Donnraumma, der 22 Jahre alte Nationaltorwart von Italien und Nachfolger von Gianluigi Buffon, kommt auf 215 Spiele für den AC Mailand in der Serie A. Damit hat das Torwart-Talent fast doppelt so viele Profi-Spiele auf Top-Niveau bestritten wie alle deutsche Top-Nachwuchs-Keeper zusammen. Alexander Nübel (24/47 Bundesligaspiele), Florian Müller (23/73), Finn Dahmen (23/3), Lennart Grill (22/4) und Markus Schubert (22/9) kommen zusammen auf gerade einmal 136 Bundesliga-Spiele. (Löws Plan mit den Bayern: Wer muss zittern?)

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Köpke bestätigt Torwart-Problem beim DFB

Der DFB hat ein Torwart-Problem! Das weiß auch Andreas Köpke. Der Torwart-Trainer der deutschen Nationalmannschaft schlägt auf SPORT1-Nachfrage Alarm: "Wir haben schon das eine oder andere Torwart-Talent. Ich habe aber Bauchschmerzen, weil die Jungs zu wenig spielen. Wir müssen aufpassen!" Aktuell habe man "nicht die Nachwuchs-Torhüter, die auch in der Bundesliga spielen". (Pressekonferenz mit Andreas Köpke)

Das stimmt. Ein Blick zwischen die Pfosten der Top-Klubs in der Bundesliga unterstreicht das. Dort sind momentan überwiegend ausländische Keeper gesetzt. Der Ungar Péter Gulácsi hütet bei RB Leipzig das Tor, der Finne Lukas Hradecky in Leverkusen, der Belgier Koen Casteels in Wolfsburg und die Schweizer Yann Sommer und Gregor Kobel in Gladbach respektive Dortmund.

Dem DFB ist diese Problematik freilich nicht entgangen. Aus diesem Grund haben sie in den Direktionen unter der Führung von Akademie-Leiter Tobias Haupt, einem früheren Bayernliga-Torwart, das Projekt "N28" ins Leben gerufen.

So will der DFB die Torwart-Zukunft retten!

Die Kernfrage, die in dem Projekt behandelt wird: Wer steht 2028 im deutschen Nationaltor?

Mit anderen Worten: Der deutsche Fußball-Bund sucht den neuen Manuel Neuer. Der 34 Jahre alte Welt-Torwart hat jüngst klargemacht, dass er auch nach der EM im Sommer noch weitermachen will. Die WM 2022 in Katar und selbst die Heim-EM 2024 scheinen für den Bayern-Star möglich. Und dann?

Marc-André ter Stegen und Bernd Leno wären 2024 32 Jahre alt, Kevin Trapp gar 33. Hinter dem Ersatz-Trio kommt nicht viel nach. Florian Müller, zuletzt vom FSV Mainz 05 and den SC Freiburg verliehen, war in der vergangenen Saison der einzige deutsche Stammtorwart unter 26 Jahren in einer europäischen Topliga.

Das Hauptproblem: Es gibt einige Nachwuchskräfte mit Top-Potenzial. Sie setzen sich allerdings lieber in der Bundesliga auf die Bank – siehe Nübel (Leihe zum FC Bayern) oder Schubert (Leihe nach Frankfurt, jetzt wieder Schalke) - anstatt in der 2. oder 3. Liga dauerhaft zu spielen.

"Alexander Nübel würde ich zum Beispiel wünschen, dass er mehr spielt", sagt Köpke. "Die Jungs spielen aktuell wenig und können sich nicht so weiterentwickeln wie gewünscht."

DFB will intensivere Gespräche mit Spielern

Ein weiteres Grundsatz-Problem: Im deutschen Fußball-Nachwuchs wird zu sehr selektiert, statt entwickelt. Deshalb soll der Fokus künftig noch mehr auf die Ausbildung gehen.

Der DFB sieht sich indes in der beratenden Rolle und will noch intensivere Gespräche mit Spielern, deren Agenten und den Vereinen führen. Einfluss auf die Karriereplanung der Nachwuchsspieler können und wollen sie beim Verband aber nicht nehmen.

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Dass der Torwart-Job indes an Attraktivität verloren hat, das glaubt Köpke nicht. Der 59-Jährige findet sogar, dass die Torwart-Position insgesamt sogar attraktiver geworden ist, "weil man auch mehr mitspielen und mehr am Spiel teilnehmen" kann.

Dennoch, der nächste Neuer ist nicht in Sicht. Der DFB will aus diesem Grund mit dem Projekt "N28" dafür sorgen, dass Deutschland eine Torhüter-Nation bleibt.