Kamala ist tot - Undertaker-Rivale hatte Corona

Martin Hoffmann
·Lesedauer: 4 Min.

WWE-Fans der Neunziger haben ihn im Gedächtnis als den Mann, der entscheidend dazu beitrug, den Undertaker als Publikumsliebling zu etablieren - und er hat in der Wrestling-Welt auch noch viele andere größere Spuren hinterlassen.

James Harris, im Ring bekannt geworden als Kamala, ist im Alter von 70 Jahren gestorben. Er ist der erste prominenten Wrestler aus Nordamerika, dessen Tod in Zusammenhang mit Corona steht.

Wie ESPN unter Berufung auf seine Ehefrau berichtet, war Harris am Mittwoch positiv auf das Coronavirus Covid-19 getestet worden. Am Sonntagnachmittag hätte er einen tödlichen Herzinfarkt erlitten.

Der "Ugandan Giant" war nicht nur wegen seines Alters Risikopatient: Er hatte schwere gesundheitliche Probleme, litt unter Diabetes und hohem Blutruck, musste sich in den vergangenen Jahren deswegen beide Beine amputieren lassen und sich wegen seiner geschädigten Niere mehrmals wöchentlich einer Dialyse unterziehen. Nach Einschätzung seiner Frau hat er sich das Virus wohl dabei eingefangen.

Erfolgreiche Karriere als Wrestling-Monster

Harris, geboren am 28. Mai 1950 in der Kleinstadt Senatobia in Mississippi, hatte sein Debüt 1978 als Sugar Bear Harris gefeiert und kämpfte mit verschiedenen Variationen seines bürgerlichen Namen vor allem in regionalen Südstaaten-Ligen. Als Manager agierte für ihn oft der 2013 verstorbene William Moody in der Rolle als blondierter Percy Pringle - den er später als Paul Bearer in der Ecke des Taker wiedersah.

Seinen Durchbruch feierte Harris, als ihm in der Showkampf-Hochburg Memphis der Charakter eines afrikanischen Kopfjägers verpasst wurde, der als arbeitslos gewordener Leibwächter des gestürzten ugandischen Schreckensherrschers Idi Amin verkauft wurde. Mit J.J. Dillon als Manager wurde er auf Jerry "The King" Lawler losgelassen, den großen Publikumsliebling seiner Heimatstadt.

Kamala etablierte sich als brutaler Monster-Charakter und wurde dann auch von anderen Ligen als Gegenpol zu ihren populären Stars geholt: Er bestritt Fehden mit Andre The Giant, dem Junkyard Dog, Sgt. Slaughter, der in tragischer Erinnerung gebliebenen Von-Erich-Familie, dem zum Mythos gewordenen Mordopfer Bruiser Brody und vielen anderen. Auch die damalige WWF engagierte ihn in den Achtzigern zweimal für Fehden gegen Megastar Hulk Hogan.

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Große WWE-Fehde mit dem Undertaker 1992

Am besten in Erinnerung blieb jedoch sein drittes WWF-Engagement ab 1992, mit Manager Harvey Wippleman und dem maskierten Mittelsmann Kimchee (gespielt von Steve Lombardi, besser bekannt als The Brooklyn Brawler) - und einer zur Karikatur gewandelten Rolle: Running Gag am Ende der Matches war, dass Kamala am Ende jedes Matches seinen Gegner auf den Bauch statt auf den Rücken drehte und seine Begleiter korrigierend eingreifen mussten.

Nachdem Kamala zunächst vor allem bei nicht ausgestrahlten Liveshows antrat und dort die damaligen Champions "Macho Man" Randy Savage und Bret "The Hitman" Hart herausforderte, zog die WWF ein großes Programm gegen den damals frisch zum Publikumsliebling gewordenen Undertaker auf.

Im Kontrast zu seinem vorherigen Ruf als unerschrockener Schläger zeigte sich Kamala nun schwer verängstigt vor dem "Phenom" und seinen übernatürlichen Kräften. Nach einem ersten Duell beim SummerSlam 1992 im Londoner Wembley-Stadion gipfelte die Fehde schließlich bei den Survivor Series im ersten fürs TV bestimmten "Sargmatch" des Undertaker, an dessen Ende Kamala in dem Holzbehältnis eingesperrt wurde. Der Kampf legte auch den Grundstein für die ähnlich konzipierte Taker-Fehde gegen den späteren WWF-Champion Yokozuna.

Kurz nach der verlorenen Fehde sagte sich Kamala von Wippleman und Kimchee los und wurde mit dem neuen Manager Reverend Slick selbst zum Publikumsliebling, bestritt seine letzten größeren Matches gegen Yokozuna und Bam Bam Bigelow.

Letztes WWE-Match 2006 gegen Umaga

Mit dem WWF-Abgang 1993 endete Kamalas große Zeit, der Rest seiner Karriere bestand aus Episoden: Bei WCW war er als Teil des Dungeon of Doom nochmal Hogan-Gegenspieler, WWE engagierte ihn noch ein paar Mal für Nostalgie-Matches gegen Randy Orton und den früh verstorbenen Umaga, der einen ähnlichen Charakter wie er verkörperte - und gegen den er 2006 sein letztes WWE-Match verlor.

Ein skurriler Teil seines Spätwerks war kurz darauf ein Match gegen den jungen Bryan Danielson (Daniel Bryan), in dem dieser den World Title seiner damaligen Liga ROH gegen die gealterte Legende aufs Spiel setzte.

2010 setzte sich Kamala endgültig zur Ruhe, sein Verhältnis zu WWE war am Ende zerrüttet, er war Teil der erfolglosen Sammelklage gegen die Liga, in der zahlreiche Ex-Wrestler ihr vorwarfen, keine ausreichende Fürsorge bei Kopfverletzungen geleistet zu haben.

Beide Beine amputiert

Abseits des Rings war das Leben Kamalas von Schicksalsschlägen durchzogen: Nach eigenen Angaben wuchs er in Armut auf, nachdem sein Vater bei einem Würfelspiel erschossen worden war, 1993 wurden eine jüngere Schwester und deren Stieftochter ebenfalls Opfer eines Mordes.

Harris' eigener Leidensweg begann 2011 mit der Amputation seines linken Beins, die des anderen folgte im Jahr darauf, 2017 war er nach einer missglückten Herz- und Lungen-OP schon einmal in akuter Lebensgefahr gewesen, die gesundheitlichen Probleme stürzten ihn auch finanziell in schwere Nöte.

Eine zweite Passion, die er nach dem Höhepunkt seiner Ringkarriere entwickelt hatte, war das Singen: Über seine Website hatte er ein Album veröffentlicht, er hinterließ um die 100 selbst geschriebene und produzierte Lieder.