Karl-Heinz Rummenigge im Interview: "Spiel hätte wieder 4:1 ausgehen können"

Der Bayern-Boss war nach der Niederlage gegen den BVB restlos bedient.

Nach der dramatischen 2:3-Niederlage der Bayern im Pokal-Halbfinale gegen Borussia Dortmund ist der Frust beim Rekordmeister groß. Im Interview spricht Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge über die Niederlage, Philipp Lahms Abschied und die Bewertung der Saison.

Herr Rummenigge, was waren für Sie die ausschlaggebenden Gründe für das Ausscheiden heute?

Karl-Heinz Rummenigge: Erstmal war es ein überragendes Fußballspiel. Wir haben es nach dem 2:1 verpasst das dritte Tor zu machen. Wenn uns das gelungen wäre, hätten wir es vielleicht gewonnen. Diese Niederlage daheim, da brauchen wir nicht groß drum rum reden, die tut weh. Was wir heute und auch letzte Woche in Madrid erlebt haben, das ist nicht einfach zu verkraften.

Am Ende steht ein Titel in dieser Saison…

Rummenigge: Auch den müssen wir erst einmal eintüten.

Haben Sie bedenken, dass das auf der Zielgerade noch schiefgehen könnte?

Rummenigge: Bedenken nicht! Aber wir müssen natürlich trotzdem erst mal mathematisch Meister werden, um den Titel feiern zu können.

Wenn es dazu kommt, haben Sie nur einen Titel in dieser Saison geholt. Das sind natürlich nicht die Ansprüche des Rekordmeisters. Was verändert sich jetzt mit Blick auf die nächste Saison?

Rummenigge: Dazu kann ich jetzt nichts sagen. Das ist kein guter Abend, um über die Zukunft nachzudenken. Zunächst einmal müssen wir die Wunden lecken, die heute dazugekommen sind. Wenn dann der rechte Zeitpunkt gekommen ist, wird man sich auch über die Zukunft Gedanken machen. Ich bin auf jeden Fall kein Freund davon. Nicht nach zwei solchen Niederlagen, die man durchaus auch als unglücklich bezeichnen kann.

Jubeln konnten am Ende nur die Borussen mit ihren mitgereisten Fans.

Sie waren in der Kabine, haben auch mit dem Trainer sprechen können. Wie ist die Stimmung innerhalb der Mannschaft?

Rummenigge: Das können Sie sich ja wohl vorstellen, wie die Stimmung ist. Wenn man solch ein Spiel verliert, das eigentlich ein super Spiel war, mit allen Möglichkeiten, um es zu gewinnen, dann ist die Stimmung dementsprechend schlecht.

Was werfen Sie der Mannschaft konkret vor?

Rummenigge: Wenn man ihr irgendetwas nach diesem guten Spiel vorwerfen kann, dann ist es die Chancenverwertung. Wir hatten einfach wahnsinnig viele Chancen, die wir heute liegengelassen haben. Denken Sie nur an diese eine Schlüsselszene in der 64. Minute: Da musst du das Tor machen, dann steht es 3:1 und dann weiß ich nicht, ob Dortmund noch mal zurückgekommen wäre. Aber das Tor haben wir halt nicht gemacht.

Uli Hoeneß hat sehr verärgert gewirkt. Können Sie kurz die Gemütslage bei Ihnen beschreiben?

Rummenigge: Er ist nicht verärgert, wir sind nur alle enttäuscht. Das ist doch völlig klar. Ich glaube die erste Halbzeit war mit das Beste, was ich je in dieser Saison gesehen habe und wenn man es dann trotzdem zum Schluss verliert, auf diese Art und Weise, dann ist man natürlich enttäuscht.

Wie haben Sie Dortmund gesehen im Gegensatz zum Spiel vor vier Wochen?

Rummenigge: Naja, wir haben 2:1 geführt zur Halbzeit und hatten ähnliche Gelegenheiten, die wir auch in der Bundesliga hatten. Das Spiel hätte auch wieder so ausgehen können. Aber das nützt uns nichts. Hätte, könnte, würde – das bringt dich im Fußball nicht weiter. Dortmund hat gewonnen, Glückwunsch, und jetzt werden sie wahrscheinlich DFB-Pokalsieger.

Der Bayernkapitän beendet seine Karriere nach der Saison ohne die erhofften Titel.

Philipp Lahm hat im Grunde den spielentscheidenden Fehler vor dem 3:2 für Borussia Dortmund gemacht.

Rummenigge: Also ich würde Philipp auf keinen Fall die Schuld geben. Er hat gut gespielt und kann mit seiner Leistung zufrieden sein. Aber: Insbesondere er wollte unbedingt noch mal nach Berlin und das Spiel als krönenden Abschluss erleben. Das klappt jetzt leider nicht.

Wie viel ist dieser eine Titel wert in dieser Saison?

Rummenigge: Jetzt warten wir erst mal den Saisonabschluss ab und dann können wir die Dinge in Ruhe betrachten.

Herr Rummenigge, haben Sie vielen Dank für das Gespräch.

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