Wie ein Straßenverkäufer zum größten NBA-Deal kam

Franziska Wendler
·Lesedauer: 4 Min.

Auf diese Nachricht hatten die Fans der Milwaukee Bucks lange gewartet.

Am Dienstag verkündete Superstar Giannis Antetokounmpo, dass er der Franchise auch über 2021 hinaus erhalten bleibt.

"Dies ist meine Heimat, dies ist meine Stadt. Ich fühle mich geehrt, für die nächsten fünf Jahre ein Teil der Milwaukee Bucks zu sein. Lasst uns diese Jahre nutzen. Die Show geht weiter, legen wir los", schrieb er in den Sozialen Netzwerken.

Die Zukunft des Greek Freak hatte die beste Basketball-Liga der Welt wochenlang in Atem gehalten. Weil der Grieche seinen bis 2021 laufenden Vertrag noch nicht verlängert hatte, machten sich auch Teams wie die Dallas Mavericks oder die Miami Heat Hoffnungen auf eine Verpflichtung. Doch daraus wurde nichts.

Maximalvertrag für Antetokounmpo

Der 26-Jährige unterschreibt in Milwaukee einen Maximalvertrag, eine sogenannte "Supermax Extension". Das heißt, bis zu 35 Prozent vom Gesamtgehalt des Teams gehen im ersten Jahr an Antetokounmpo, im Anschluss wird es mehr und mehr.

Über fünf Jahre hinweg kassiert der Grieche 228,2 Millionen US-Dollar, rund 187,5 Millionen Euro – der größte Deal der NBA-Geschichte.

Und sollte Antetokounmpo frühzeitig seine Franchise verlassen wollen, steht für ihn nach dem vierten Vertragsjahr eine Ausstiegsklausel bereit. (Spielplan der NBA-Saison 2020/21)

Dass der zweimalige MVP einmal den größten Deal der NBA-Geschichte unterschreiben würde, damit hätte wohl niemand gerechnet. "Es ist irreal, einen solchen Vertrag zu unterschreiben", zeigte er sich sprachlos.

Kindheit als Straßenverkäufer

Die Fassungslosigkeit ist echt. Bedenkt man, unter welchen Verhältnissen der Power Forward großgeworden ist.

Als einer von fünf Brüdern wuchs der NBA-Superstar in der griechischen Hauptstadt Athen auf. Weil die Familie kaum Geld hatte, verkaufte Antetokounmpo Brillen, DVDs, CD' und Taschen auf der Straße. Seine Schuhe teilte er sich mit seinem Bruder.

Dennoch reichte das Geld nicht immer aus, um alle Familienmitglieder mit Essen zu versorgen. Und so wurde auch der Greek Freak nicht immer satt.

"Ich habe nicht gegessen. Wenn ich zurückblicke, mit der Art, wie wir jetzt essen, und was man tun muss, um auf seinen Körper aufzupassen, haben wir nicht genug gegessen", erinnert sich Antetokounmpo im Podcast The Woj Pod. "Manchmal bin ich in die Schule gegangen, ohne Frühstück. Nicht manchmal, jedes Mal."

Greek Freak hatte nicht immer zu Essen

Selbst als später der Berater dem heute 26-Jährigen die Möglichkeit gab, an einem Ernährungsprogramm teilzunehmen, teilte er sein Essen lieber mit seinen Geschwistern, als es selbst zu essen.

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"Er dachte, ich würde das Essen essen", sagte Antetokounmpo über seinen Berater. "Ich habe das Essen nicht gegessen. Ich habe nur ein Viertel des Essens genommen. Ich wurde so erzogen, dass ich nicht esse, wenn meine Brüder nicht essen."

Diese demütige Haltung sollte sich auszahlen. Nachdem Antetokounmpo, der zunächst an Fußball interessiert war, von einem Basketballtrainer entdeckt wurde, ging es mit seiner Karriere schnell vorwärts.

Zweifache Auszeichnung zum MVP

Im Alter von 17 Jahren unterschrieb er einen Vertrag beim spanischen Erstligisten CAI Zaragoza, ein halbes Jahr später wurde der damals noch unbekannte Grieche von den Bucks im Draft an Position 15. ausgewählt und mit einem Vierjahresvertrag ausgestattet.

Kurios: Für die Talenteauswahl musste er sich sogar einen Anzug kaufen, weil er vorher nie einen besessen hatte.

In seiner Anfangszeit bei den Bucks zahlte er regelmäßig Bargeld bei der Bank ein, um es seiner Familie in Griechenland zu schicken. Einmal unterlief Antetokounmpo dabei ein Fehler. Weil er nicht mehr genug Geld in der Tasche hatte, um am Spieltag das Taxi in die Halle zu bezahlen, musste er rennen. Begeisterte Fans nahmen den heute 26-Jährigen schließlich im Auto mit.

Bei den Bucks ging es nach dem Draft nur noch nach oben. Der damalige Head Coach Jason Kidd stellte Antetokounmpo trotz seiner Größe als Point Guard auf - ein Schachzug mit Erfolg.

Eine Auszeichnung folgte auf die nächste. Jahr für Jahr wird der Greek Freak zum All-Star gewählt, 2019 und 2020 durfte er sich in zwei aufeinanderfolgenden Jahren sogar MVP nennen. Zudem wurde er als Defensive Player of the Year ausgezeichnet.

NBA-Titel mit Bucks als Ziel

Der 2,11 Meter große Sportler glänzt als bewegliche Allzweckwaffe. Er vereint Guard, Forward und Center in einer Person, eine seltene Mischung auf dem Basketballfeld.

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Inzwischen steht Mike Budenholzer in Milwaukee als Trainer an der Seitenlinie. Er ist dankbar für seinen Superstar, auch wenn es mit dem NBA-Titel bislang noch nicht geklappt hat.

Doch auch das will der Sohn nigerianischer Einwanderer noch schaffen. Bislang feierte das Team in seiner Geschichte erst einen Titel: 1971, angeführt vom legendären Kareem Abdul-Jabbar.

Seit seinem Aufstieg vom hungernden Straßenverkäufer zum NBA-MVP ist dem Greek Freak aber auch das zuzutrauen.