Kein zweites Melbourne: Formel 1 soll auch bei positivem Coronatest fahren

Ruben Zimmermann
motorsport.com

Wenn die Formel 1 am 5. Juli in Spielberg wirklich in ihre neue Saison starten kann, dann gibt es vor allem eine Sorge: Was passiert, wenn es - trotz aller Sicherheitsmaßnahmen - einen weiteren positiven Coronatest im Fahrerlager gibt? In Melbourne sorgte der positive Test eines McLaren-Mitarbeiters dafür, dass letztendlich der ganze Grand Prix abgesagt wurde.

FIA-Chefarzt Gerard Saillant erklärt gegenüber 'L'Equipe' allerdings, dass er es für sehr unwahrscheinlich hält, dass sich dieses Szenario wiederholen wird. "Die Situation hat sich seit Australien verändert", erklärt er. Damals ging die Coronakrise gerade erst los und traf die Formel 1 mehr oder weniger unvorbereitet. Mittlerweile sei man viel besser vorbereitet.

"Ich denke, der Grand Prix würde nicht abgesagt werden. Das wäre so, als würde man die U-Bahn sperren, weil ein Passagier positiv getestet wurde", so Saillant, der erklärt, man habe heute ein viel besseres System als damals in Australien. Er verrät, dass man ein medizinisches Protokoll ausgearbeitet habe, bei dem "viele nationale Studien" als Basis dienten.

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Er erinnert allerdings daran, dass die Formel 1 ein internationaler Sport sei. "Es gibt die gleichen Probleme [wie bei nationalen Events], aber es ist noch komplizierter", so Saillant. Hintergrund: Vor allem die Ein- und Ausreise in verschiedene Länder wird in den kommenden Monaten eine Herausforderung werden. Zumal jedes Land eigene Verordnungen hat.

"Sehr strenge Regeln" für alle Beteiligten

"Jedes Land hat andere Regeln. Und auch die Lage der Strecke und der Hotels wird die Regeln beeinflussen. Wenn die Strecke auf dem Land ist, dann ist es anders als bei einem Stadtkurs", erklärt der FIA-Chefarzt und präzisiert: "Was in Österreich passiert, könnte sich von dem unterschieden, was in Deutschland oder Ungarn passiert."

Er erinnert außerdem: "Wir wären das erste internationale Sportevent, das wieder loslegt." Die Fußball-Europameisterschaft und die Olympischen Spielen, die in diesem Sommer hätten stattfinden sollen, wurden auf 2021 verschoben. Mit "nur" gut 1.000 Leuten im Fahrerlager ist die Herausforderung für die Formel 1 zwar deutlich kleiner als für EM oder Olympia.

Gerard Saillant ist Chefarzt der FIA

Gerard Saillant ist Chefarzt der FIA <span class="copyright">Motorsport Images</span>
Gerard Saillant ist Chefarzt der FIA Motorsport Images

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Doch selbst hier wird es sehr aufwendig werden, für die erforderliche Sicherheit zu sorgen. Klar ist zum Beispiel, dass nur Leute in die jeweiligen Länder einreisen dürfen, die einen negativen Coronatest vorlegen können. Das ist aber gerade einmal der Anfang, denn auch anschließend sollen sämtliche Personen im Fahrerlager permanent überprüft werden.

"Sobald die Leute einmal im Fahrerlager sind, gibt es Wege, mehr oder weniger regelmäßig zu testen", erklärt Saillant und verrät: "Das könnten PCR-Tests oder Temperaturchecks sein. Diese Maßnahmen würden zwischen 1.000 und 2.000 Menschen an der Strecke zulassen." Auch abseits der Rennstrecke werde es an den Wochenenden "sehr strenge Regeln" geben.

Wird das Testen bis Spielberg schneller und einfacher?

Es werde regelmäßige Tests in Abstimmung mit den lokalen Behörden und der Weltgesundheitsorganisation geben. Hilfe bekomme man dabei vom Roten Kreuz, welches Personal zur Verfügung stelle. Zudem soll der Kontakt mit der restlichen Bevölkerung nach Möglichkeiten komplett ausbleiben, alle sollen im gleichen Hotel untergebracht werden und so weiter.

Außerdem plant man den freiwilligen Einsatz einer App. Diese soll bei einem positiven Test helfen, die Kontaktpersonen des betroffenen Mitarbeiters zu ermitteln. Saillant hofft zudem, dass das Testen bis zum geplanten Saisonauftakt in Spielberg noch einfacher und schneller gehen wird. "Die heutigen Tests könnten andere sein als im Juli", so der FIA-Chefarzt.

Möglicherweise gebe es bis dahin Tests, bei denen das Ergebnis bereits nach wenigen Minuten abzulesen sei. Hilfreich wäre es laut Saillant außerdem, wenn der Formel-1-Tross zunächst einmal keine weiten Reisen zurücklegen müsste. "Deutschland oder Ungarn haben zum Beispiel eine Grenze zu Österreich", erinnert er in diesem Zusammenhang.

Geplant ist aktuell eigentlich, dass die Formel 1 von Spielberg nach Silverstone reisen soll. Sollte das nicht klappen, hätte der Hockenheimring, wenn man Saillant glaubt, zumindest geografisch wohl realistische Chancen, als Ersatz einzuspringen.

Mit Bildmaterial von LAT.

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