Keine WM in Belarus: Richtig - und doch so geheuchelt

Christian Paschwitz
·Lesedauer: 2 Min.

Sport und Politik: Das ist oftmals ein schmaler Grat - wenn dann wirtschaftlicher Druck dazukommt, wird die Sache noch komplizierter. Das Ausrichter-Aus für Belarus bei der Eishockey-WM offenbart es.

Rein moralisch ist der Beschluss der IIHF, Weißrussland die Weltmeisterschaft zu entziehen, absolut richtig - und demnach auch zu begrüßen.

Das Regime des selbst ermächtigten Präsidenten Alexander Lukaschenko missachtet Menschenrechte, hat seit den Wahlen im August mehr als 30.000 Festnahmen, hunderte Verletzte und zahlreiche Tote zu verantworten. Das Coronavirus verharmlost es obendrein.

Das disqualifiziert Lukaschenkos Regime für die Gastgeberrolle, in der es sich gewiss gefallen hätte: Autoritäre Machtapparate versuchen seit jeher, den Glanz sportlicher Großveranstaltungen für ihre Zwecke zu instrumentalisieren.

Trotzdem kommt der Bannstrahl für Belarus nicht nur wegen des viel späten Zeitpunkts höchst geheuchelt daher.

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Eishockey-WM: IIHF handelt erst auf Druck der Sponsoren

Erst die Drohung potenter Sponsoren wie die des Autoherstellers Skoda und der Pflegemarke Nivea - und mitnichten internationale Proteste, die es vorher gab - zwang die IIHF zu diesem Schritt.

Emotionale Appelle von Menschenrechtlern und drangsalierten Sportlern aus Belarus zuvor waren auf taube Ohren gestoßen - während IIHF-Präsident René Fasel in Minsk unlängst Lukaschenko noch um den Hals fiel und fantastierte, im Diktator-Land sei doch alles bester Ordnung.

Dass sich der Schweizer für sein Anbiedern inzwischen entschuldigt hat, macht die Angelegenheit nur geringfügig besser. Schlecht ist, dass er sich selbstherrlich für die jetzige Absage feiert, anstatt konsequenterweise mit seinem Rücktritt personell auch den Weg an der eigenen Verbandsspitze freizumachen. Neben einer früheren Absage wäre ein deutlicheres Signal der Einsicht wünschenswert gewesen.

So bleibt stattdessen der fade Beigeschmack, dass die plötzlich Entdeckung ethischer Grundsätze lediglich auf der Angst vor einem Absprung der Geldgeber fußt.

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Was passiert mit Olympia in Peking und der Fußball-WM in Katar?

Angesichts dessen stellt sich die spannende Frage: Gerieren sich Großverbände wie die FIFA und das Internationale Olympische Komitee IOC hinsichtlich der anstehenden Mega-Events jetzt weiterhin so wie bisher?

Dass den Anfang 2022 in Peking anstehenden Winterspielen und der Ende 2022 in der Wüste von Katar vorgesehenen Winter-WM jeweils Gastgeber vorstehen, die sich vielfacher Menschenrechtsverletzungen schuldig machen, ist faktisch bisher jedenfalls folgenlos geblieben.

Was auch daran liegt, dass Supermacht China und das reiche Emirat Katar mehr ökonomisches Gewicht auf die Waage bringen als Belarus. Weshalb auch Sponsoren ungeachtet negativer Auswirkungen aufs Image die Füße still halten.

Eine wirkliche Läuterung ist kaum zu erwarten.

Geld übertrumpft eben Moral, Einnahmequellen und Hochglanz-Events überlagern Machenschaften: Auch wenn es zu wünschen wäre - daran ändern wird auch der Eishockey-Korb für Belarus nichts.