Kiel auf Europas Thron - Coach Jicha schreibt Geschichte

SPORT1
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Der deutsche Rekordmeister THW Kiel besteigt zum vierten Mal den europäischen Handball-Thron. Die Norddeutschen setzen sich gegen den FC Barcelona durch.

Kapitän Domagoj Duvnjak riss im "Goldregen" mit einem Urschrei den Pokal in die Höhe, die anderen Sensationssieger hüpften wie wilde Kinder übers Podest und feierten ihren Hexer Niklas Landin.

Der THW Kiel ist auch dank seines überragenden Torhüters zum vierten Mal auf den europäischen Handball-Thron gestürmt - und hat Trainer Filip Jicha zu einer historischen Krönung seiner jungen Trainerkarriere verholfen.

Der tschechische Coach gewann als erster Handballer sowohl als Spieler als auch als Trainer für einen Klub den wichtigsten Vereinswettbewerb Europas. Nach Zvonimir "Noka" Serdarusic (2007) und Alfred Gislason (2010, 2012) ist er der dritte Coach, der Kiel zum Königsklassen-Triumph geführt hat. Als Spieler war der 38-Jährige an den Triumphen 2010 und 2012 beteiligt.

Wiencek: "Das kann man überhaupt nicht in Worte fassen"

Der deutsche Rekordmeister kämpfte in einem überraschend deutlichen Champions-League-Finale in Köln den Top-Favoriten FC Barcelona mit 33:28 (19:16) nieder und triumphierte zum ersten Mal seit acht Jahren in der Königsklasse.

"Das kann man überhaupt nicht in Worte fassen. Ohne Zuschauer fehlt einiges, aber wir haben dermaßen gerackert und geackert, ich bin unheimlich stolz auf uns alle", sagte Nationalspieler Patrick Wiencek bei Eurosport. "Jetzt freue ich mich auf ein kühles Bier! Hoffentlich ist alles vorbereitet."

Auch Routinier Steffen Weinhold machte sich trotz der Corona-Einschränkungen "keine Sorgen, dass wir eine schöne Nacht haben werden"

Der coole Schwede Niclas Ekberg war beim verspätet ausgetragenen Finalturnier der Saison 2019/20 mit acht Treffern der beste Werfer für die Mannschaft von Jicha.

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Kiel zum vierten Mal auf dem europäischen Handball-Thron

Der Titel ist für die Kieler auch finanziell wertvoll. Der deutsche Meister sicherte durch den Sieg gegen Barca, dessen 22 Spiele andauernde Siegesserie in der Königsklasse in der leeren Kölner Arena endete, eine in Krisenzeiten wertvolle Prämie von 500.000 Euro.

Platz drei erreichte Paris St. Germain nach dem 31:26 (14:11) gegen das ungarische Topteam Veszprem HC.

Die Kieler hatten am Montag in einem dramatischen Halbfinal-Krimi gegen Veszprem (36:35 nach Verlängerung) das Endspiel erreicht. Die bisherigen Siege in der Champions League waren ihnen 2007 sowie unter dem heutigen Bundestrainer Alfred Gislason 2010 und 2012 gelungen.

Die Mannschaft von Filip Jicha erwischt keinen guten Start

Im 300. Champions-League-Spiel der THW-Vereinsgeschichte erwischten die Kieler einen guten Start, zu Beginn entschärfte Welthandballer Landin im Kieler Tor gleich einen Siebenmeter.

Und auch offensiv resultierte aus Kieler Spielzügen anfangs praktisch immer ein Tor. Ausnahmespieler Sander Sagosen übernahm wie schon am Vortag viel Verantwortung, in der Deckung sah er von den recht kleinlich pfeifenden Unparteiischen jedoch bereits in der 11. Minute seine zweite Zeitstrafe. Für den Norweger verteidigte von nun an Kapitän Domagoj Duvnjak.

Barca, das durch ein souveränes 37:32 gegen Paris ins Finale eingezogen war, hatte gegen den gewohnt starken Kieler Innenblock mit den Nationalspielern Patrick Wiencek und Hendrik Pekeler sowie gegen Keeper Landin seine Probleme. Auf der Gegenseite fand das Jicha-Team immer wieder einfache Lösungen. Beim 13:9 (19.) ging Kiel erstmals mit vier Treffern in Führung, nach leichten Ballverlusten und überhasteten Abschlüssen glich Barca jedoch aus - 15:15 (27.).

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Landin sichert THW Kiel die Führung

Anschließend legten aber wieder die offensiv sehr flexibel agierenden Norddeutschen vor. Den Drei-Tore-Vorsprung zur Pause baute der THW nach dem Wechsel sogar zwischenzeitlich auf fünf Treffer aus. Barcas Offensivreihen hatten weiter große Probleme, vorne präsentierte sich der leidenschaftlich kämpfende THW sehr effektiv.

Das Finale lief daher weiter in die Kieler Richtung. Vor allem Landin entschärfte nach der Pause einen Ball nach dem anderen und sicherte dem THW ein ums andere Mal die Führung, vorne überzeugte zudem Nationalspieler Steffen Weinhold mit starken Einzelaktionen.

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Mit Sportinformationsdienst (SID)