Wie der "zerbrechliche Junge" die Basketball-Welt völlig veränderte

Nadine Münch
Sport1

"Vielleicht gibt es jemanden, der sagen kann 'Ich wusste, dass er es schafft. Ich wusste es, seitdem er drei Jahre alt war.' Aber diese Person müsste dann Gott sein."

Die Worte von High-School-Trainer Shonn Brown machen deutlich, wie wahrscheinlich es für alle Basketball-Experten war, dass der 1,91 Meter "kleine" Stephen Curry einmal MVP der NBA werden würde.


Scrollen, um mit dem Inhalt fortzufahren
Anzeige

Curry wegen Körpergröße unter dem Radar

2015, im Alter von 27 Jahren, hatte der Point Guard allen Wahrscheinlichkeiten und Expertenmeinungen getrotzt und genau dies erreicht.

Der Weg von "Steph" zu einem der besten Distanzschützen der Basketball-Geschichte war zwar nicht zwingend unabsehbar. Niemand zweifelte jemals an seinen Fähigkeiten, einen Ball zu werfen. Doch wegen seiner schmächtigen Statur lief Curry lange unter dem Radar.


High School: Curry nie in Top 100

"Er war einfach dieser dürre, kleine, zerbrechliche Junge", sagte Muggsy Bogues, einst Teamkollege von Currys Vater Dell bei den Charlotte Hornets, über den jungen Steph. Zu klein und zu leicht - zwei Attribute, die sich wie ein roter Faden durch Currys gesamte Ausbildung ziehen.

Brown sah Currys Talent von der Dreier-Linie und war begeistert, wie er die Würfe trotz seiner Körpergröße aus dieser Distanz versenkte: "Man hat gemerkt, dass er es zu einem richtig guter Spieler bringen kann. Aber zum MVP? Also wirklich nicht, Mann."

Jetzt aktuelle NBA-Fanartikel kaufen - hier geht's zum Shop | ANZEIGE

In den Sommercamps zwischen den High-School-Jahren, die mit Top 100-Nachwuchsspielern gespickt waren, überzeugte Curry stets. Trotzdem tauchte er weder im Junior Year (11. Klasse/17 Jahre) noch im Senior Year (12. Klasse/18 Jahre) in den Top 100 Listen der Nachwuchs-Analysten auf.


College: Basketball-Hochburgen wollen Curry nicht

Immer noch zweifelten alle an seiner Größe, weshalb auch College-Angebote der Basketball-Hochburgen ausblieben. Er sah immer noch aus wie ein gebrechliches Kind, das sogar im College-Basketball unter die Räder kommt. An der Davidson University (US-Bundesstaat North Carolina) entwickelte sich Curry allerdings innerhalb von drei Jahren zum nationalen Star.

"Er war mit seinem Spielverständnis den meisten anderen Welten voraus. In jedem Basketball-Match, das er bestreitet, ist er einen Schritt weiter als der Rest", sagte Bob McKillop, Currys Trainer am College.

Schon nach dem Junior-Year am College ging es 2009 für Curry in den Draft, die Golden State Warriors wählten ihn an Nummer 7. Der Rest ist Geschichte. Seine 1,91 Meter und 83 Kilogramm hielten gegen die größeren, kräftigeren Point Guards stand.


Curry wird 2015 zum MVP gewählt

Und am 4. Mai 2015 war es schließlich so weit. Was niemand geglaubt hätte, wurde wahr:

Nach einer herausragenden Saison, in der Curry mit 286 erzielten Dreiern seinen eigenen NBA-Rekord noch einmal überbot (272 Dreier in 2012/13), die Liga in erzielten Punkten anführte, von seinen 101 Spielen (inklusive Playoffs) allesamt von Beginn an bestritt und die Warriors zum Meistertitel führte, wurde er erstmals in seiner Karriere zum MVP gewählt.

Sein Spiel revolutionierte die NBA - nicht zuletzt dank ihm explodierten die 3er-Zahlen, der oftmals wenig effiziente Mitteldistanzwurf wird immer weiter verdrängt, zudem gibt es seit Curry immer mehr wurfstarke Point Guards. Curry hat das Spiel verändert.

Bis heute hat der 32-Jährige zwei weitere Meistertitel (2017, 2018) sowie einen weiteren MVP-Titel (2016) auf seinem Konto - und es könnten noch weitere hinzukommen.

"Er ist bis heute in jedem Team, für das er gespielt hat, der kleinste gewesen", sagte Currys Vater Dell einst: "Dadurch musste er lernen, Wege zu finden, den Ball auf kreative Weise in den Korb zu bringen."

Und diese Arbeit hat sich ausgezahlt, denn wie heißt es so oft: Die Kleinsten werden die Größten sein.

Lesen Sie auch