Auch Klinsmann hatte einen heiklen Bayern-Deal

Martin Hoffmann
Sport1

Eine schriftliche Garantie auf Einsatzzeit beim FC Bayern München: Es klingt unglaublich, es ist unglaublich - aber es ist allem Anschein nach kein beispielloser Vorgang.

Nach SPORT1-Informationen ist Torwart Alexander Nübel im Zuge seines Wechsels vom FC Schalke 04 im Sommer eine Mindestanzahl von Spielen zugesichert worden.

Ein hochbrisanter Deal, der in die Hoheit des dann amtierenden Trainers eingreifen wird und von Stammkeeper Manuel Neuer als Affront aufgefasst werden muss.

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In der Geschichte des Rekordmeisters gab es aber schon einmal einen ähnlich gelagerten und ähnlich brisanten Fall: die Stammplatz-Garantie, die Jürgen Klinsmann, der heutigen Trainer von Hertha BSC den Bayern einst abgerungen haben soll. Wie es dazu kam? Welche Folgen das hatte? SPORT1 blickt zurück.

FC Bayern hatte harten Verhandlungspartner

Es war das Jahr 1995, der damals 30 Jahre alte Nationalstürmer Klinsmann spielte in der englischen Premier League für Tottenham Hotspur, wo er mit 22 Treffern in 43 Pflichtspielen seine Klasse unter Beweis stellte.

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Der FC Bayern sah den passenden Zeitpunkt für einen Prestige-Transfer, lockte den einstigen Torjäger des VfB Stuttgart zurück in die Bundesliga - soll dafür aber einen Preis bezahlt haben, der höher war als die moderate Ablösesumme von 3 Millionen D-Mark (rund 1,4 Millionen Euro).


Die Vertragsdetails machte der damalige Bayern-Manager Uli Hoeneß mit André Gross aus, Klinsmanns von vielen Mythen umranktem Anwalt aus der Schweiz.

Der medienscheue Jurist, der bis heute Klinsmanns Rechtsvertreter ist, soll für Klinsmann nicht nur ein üppiges Handgeld herausgehandelt haben, sondern angeblich auch eine nie da gewesene Klausel: eine Stammplatzgarantie für seinen Klienten.

Jürgen Klinsmann saß nie auf der Bank

Die Bayern haben das heikle Detail zwar immer dementiert, widerlegt aber wurden die Berichte nie: In allen 84 Pflichtspielen, für die Klinsmann verfügbar war, saß er tatsächlich niemals auf der Bank und stand immer in der Startelf, unter Otto Rehhagel ebenso wie bei Franz Beckenbauer und Giovanni Trapattoni.


Die anderen Stürmer der Bayern - Jean-Pierre Papin, Emil Kostadinov (bis 1996), Ruggiero Rizzitelli (ab 1996) sowie Marcel Witeczek und die Talente Alexander Zickler und Carsten Jancker wechselten sich als Partner und Joker ab.

Unbestritten ist, dass die Verhandlungen mit Klinsmanns Anwalt die Bayern frustriert zurückließen. "Der bietet dir nach fünf Minuten das 'Du' an, und nach zehn Minuten zieht er dich über den Tisch", klagte Uli Hoeneß später über Gross, dem er nach eigenen Angaben "Hausverbot" an der Säbener Straße erteilt hatte.


13 Jahre danach, als Klinsmann Bayern-Trainer wurde, sprach er doch wieder mit ihm (und äußerte sich danach auch deutlich freundlicher).

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Tritt gegen Tonne wurde zur Legende

Als Spieler war Klinsmann in seinen beiden Bayern-Jahren mit 48 Toren zwar der erfolgreichste Münchener Stürmer, dennoch entpuppte sich die Verbindung für beide Seiten nicht so wie erhofft, speziell im zweiten Jahr.

Klinsmann und Trapattoni passten nicht zusammen, bald nach der Verpflichtung des italienischen Star-Coachs klagte Klinsmann über dessen aus seiner Sicht zu traditionelle Philosophie ("Er hat eine Einstellung zum Spiel, die es mir nicht einfach macht").

Zu Klinsmanns Verärgerung wechselte der Altmeister ihn auch oft aus, was im Mai 1997 einen der berühmtesten Momente der Bundesliga-Geschichte zur Folge hatte: Klinsmanns wütenden Tritt, mit dem er eine am Spielfeldrand stehende Batterie-Werbetonne zerstörte.


Bald darauf war Klinsmann zog Klinsmann weiter zu Sampdoria Genua nach Italien, frustriert auch, weil immer wieder Vertrags-Details und andere Interna in die Medien sickerten. "Ich habe halt den konservativen Standpunkt, dass man alles intern regeln sollte. Aber damit kam ich beim FC Bayern nicht durch", klagte er nach seinem Abschied.

Ärger wirkte im Streit um Oliver Kahn nach

Das Verhältnis von Klinsmann zu den Bayern blieb jahrelang belastet, was sich auch bemerkbar machte, als Klinsmann 2004 Bundestrainer wurde und seine Degradierung seines früheren Bayern-Teamkollegen Oliver Kahn vor der WM 2006 zum Streitthema wurde.

Für Gesprächsstoff sorgte damals unter anderem auch, dass Jens Lehmann, Kahns siegreicher Konkurrent im Kampf um die Nummer 1 im Tor, ebenfalls von Klinsmanns Vertrauensmann André Gross beraten wurde.


Eine umso größere Überraschung war, dass die Bayern Klinsmann 2008 selbst als Trainer verpflichteten - als beide Seiten dann wieder im Streit auseinander gingen, brachen die alten Wunden wieder auf.

Dass Oliver Kahn als designierter Bayern-Boss nun die ebenso heikle Neuer-Nübel-Personalie mitmoderieren muss, ist eine weitere Ironie der Bayern-Geschichte.

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