Wie zu Klinsmann-Zeiten: Wird Bayerns Abwehr zum Problem?

SPORT1
·Lesedauer: 3 Min.

Der FC Bayern ist nach dem Sieg im deutschen Klassiker oben auf. Das Top-Spiel offenbart allerdings auch eine Schwäche des Münchner Spiels.

Gegen den BVB bestätigte der FC Bayern einmal mehr eine Fußball-Weisheit.

"Die These vom Ein-Tor-Mehr-Schießen ist ja richtig", sagte SPORT1-Experte Marcel Reif im CHECK24 Doppelpass nach dem 3:2 der Münchner im Topspiel.

"Wenn sich der Gegner auch dran hält und eins weniger schießt, dann geht's. Das ist ihre Art zu spielen. Die Dortmunder haben ihre Chancen nicht genutzt, die Bayern schon."

In den vergangenen Wochen hatte der Deutsche Rekordmeister oftmals auch weitaus mehr als ein Tor mehr als der Gegner erzielt, was den Journalisten Tom Bartels (ARD) im CHECK24 Doppelpass dazu veranlasste, die Leistung der Mannschaft als "übermenschlich" zu betiteln. Eines war dabei jedoch allgegenwärtig: Die Münchner fangen sich ungewöhnlich viele Gegentore.

Real Madrid steckt mitten in der Krise: "Madrid liegt in Trümmern"

Die Offensive überstrahlt die wacklige Defensive

"Bayern ist derzeit offensiv extrem stark, steht aber defensiv sehr offen", analysierte Dortmunds Mats Hummels - ehemals beim FC Bayern - nach der Partie bei Sky. Er traf den Nagel auf den Kopf.

Die Offensive der Münchner geht momentan derart dominant und spektakulär zu Werke, dass sie das Problem im Münchner Spiel überstrahlt - die wacklige Defensive, die sich aufgrund von Verletzungen und des engen Terminkalenders beinahe jedes Wochenende anders darstellt.

An den ersten sieben Spieltagen hat das Team von Trainer Hansi Flick elf Gegentore kassiert. Mehr Treffer mussten die Bayern zuletzt in der Saison 2008/09 unter Jürgen Klinsmann hinnehmen (damals waren es 13). In den folgenden Spielzeiten hatten sich die Münchner zu diesem Zeitpunkt nie mehr als neun Gegentreffer gefangen.

Dem gegenüber stehen allerdings 27 eigene Tore. Geht das in diesem Tempo weiter, würde der FCB in dieser Spielzeit auf sagenhafte 131 Treffer kommen. Doch falls die Bayern an Effektivität und Angriffswirbel einbüßen sollten, könnte die Defensive noch zum Problem werden. Doch woran liegt das?

Lesen Sie auch: Das Kimmich-Drama und seine Folgen

Bayern anfällig bei Kontern

"Dortmund ist gefährlich geworden, wenn wir Fehler gemacht haben", hatte Flick bei Sky analysiert. "Wir müssen den Ball besser und geduldiger spielen, dann wird es weniger Situation geben wie gegen Dortmund."

Auch der Tenor der Spieler war, dass sie zu viele individuelle Fehler machten. Diese Ungenauigkeiten oder Unkonzentriertheiten sind im derzeitigen Spielsystem oftmals folgenschwer. Der Grund: Fast alle Spieler der Bayern denken bei Ballbesitz nach vorne.

Ballverluste im Mittelfeld sind bei der Taktik besonders schmerzhaft, da die Münchner anfällig für Konter sind - und durch eine hochstehende Formation vor allem sprintstarken Spielern Möglichkeiten und viel Platz eröffnen.

Der BVB hebelte die Viererkette das eine oder andere mal mit langen Bällen aus, auch in der Champions League könnte das gegen Top-Teams nach hinten losgehen.

Es scheint, als müsse sich Flick bei aller Euphorie noch etwas einfallen lassen - oder sein Team schießt eben immer mindestens ein Tor mehr.

VIDEO: Bundesligisten wehren sich gegen Bayerns Fußballgipfel