Klopps neuer X-Faktor

Moritz Löhn
·Lesedauer: 3 Min.

Ein nasskalter Herbstabend in Liverpool. Der amtierende englische Meister tut sich schwer gegen das aufopferungsvoll kämpfende Team von Sheffield United. Doch ein Mann, für den der Verein im Sommer viel Geld auf den Tisch gelegt hatte, sorgt in der 64. Minute für Erlösung: Diogo Jota. (Spielbericht: FC Liverpool - Sheffield United)

Der 1,78 Meter große Portugiese erzielte mit dem Kopf den 2:1-Führungstreffer. Diesen Vorsprung brachten die Reds über die Zeit. Ein immens wichtiger Sieg, der Liverpool mit Stadtrivale Everton an der Tabellenspitze gleichziehen lässt und der zeigt, wie wichtig Diogo Jota schon nach einem Monat für den Verein ist. (Service: Premier League Tabelle)

"Er ist ein so liebenswerter Mensch. Es ist so einfach, ihn zu mögen, was vieles einfacher macht", sagte Trainer Jürgen Klopp nach der Partie.

Auf die Frage nach der stärksten Offensivreihe der Welt sind Sadio Mané, Roberto Firmino und Mo Salah die gängige Antwort. Die drei 28-Jährigen harmonieren perfekt. Jeder von ihnen ist torgefährlich, kann Vorlagen geben und – extrem wichtig für Jürgen Klopp – ist stark im Pressing. In der vergangenen Meistersaison erzielten diese drei Spieler zusammen 46 Tore und damit mehr als die Hälfte von Liverpools 85 Saisontoren.

Jota entlastet für Mané, Firmino und Salah

Das einzige Problem für Jürgen Klopp war: Wie ersetzt man einen dieser herausragenden Spieler? Es schien eine unlösbare Aufgabe zu sein. Daher war der Trainer heilfroh, dass die drei im vergangenen Jahr in fast allen Ligaspielen zur Verfügung standen. Salah hatte mit 34 Premier-League-Einsätzen die wenigsten auf dem Konto.

Champions-League-Held Divock Origi ist zwar ein guter Rotationsspieler, aber für die wöchentliche Startaufstellung reicht es bei dem Belgier einfach nicht. Deshalb war die Verpflichtung von Diogo Jota von den Wolverhampton Wanderers im Sommer wichtig. Er sollte dafür sorgen, dass auch die Abteilung-Attacke beim FC Liverpool in der Mammut-Saison mal eine Pause bekommt.

Nach den ersten Wochen zeichnet sich jedoch ein anderes Bild. Der 23-Jährige ist voll eingeschlagen beim LFC. In der Premier League hat er in vier Spielen bereits zwei Tore erzielt. Er steht aktuell bei einem Tor alle 98 Minuten. "Er ist in der Luft und am Boden ebenso stark. Das sind genau die Qualitäten, die wir brauchen – das hilft uns sehr", erklärte Klopp.

Hinzukommt, dass der gelernte Linksaußen variabel einsetzbar ist. Ob links, rechts oder im Zentrum in der Offensive kann Jota alles spielen. Das heizt den Konkurrenzkampf bei den Reds an. Mané mit 110 und Salah mit nur 90 Minuten pro Tor haben ähnlich Quoten wie Jota, aber Roberto Firmino hinkt mit 495 Minuten weit hinterher.

Diogo Jota nah dran an der Startelf

Das bedeutet gewiss nicht, dass Jota den Brasilianer sofort aus der Startelf verdrängen wird. Denn Firmino zeichnet sich eben nicht nur durch das Toreschießen aus, sondern legt viele Treffer für seine Sturmpartner auf und ist wichtig für Liverpools Ballbesitzspiel.

Trotzdem ist der Neuzugang nah dran an der Stammformation. Gegen Sheffield United probierte Jürgen Klopp erstmals, alle vier Offensivkünstler gemeinsam auf den Platz zu bringen. Auch wenn das Spiel am Samstag nicht der Weisheit letzter Schluss war, könnte diese Formation in Zukunft häufiger auf dem Feld stehen.

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Durch die Verletzung von Virgil van Dijk ist Fabinho nämlich mindestens bis zum Januar als Aushilfs-Innenverteidiger eingeplant. Dadurch wird ein Platz im Mittelfeld frei, der bei einem offensiven Ansatz im 4-2-3-1 von Jota besetzt werden kann.

Aufgrund der hohen Belastung ist Rotation sowieso das Gebot der Stunde. Jota paart Schnelligkeit mit technischer Klasse und Torgefährlichkeit. Er bringt einen ungeheuren Hunger mit und hat sich in den ersten Partien nahtlos in das Konstrukt des FC Liverpool eingefügt.

Der Antwort auf die Frage nach der besten Offensivreihe der Welt muss also in Zukunft eventuell ein weiterer Name hinzugefügt werden. Denn Diogo Jota wird immer mehr zum X-Faktor beim amtierenden englischen Meister. "Er kann noch 100 Prozent besser sein", kündigte Klopp an. "Und das ist eine gute Nachricht."