Wie Koeman Barcas 465-Millionen-Brandherd löscht

Lukas von Hoyer
·Lesedauer: 4 Min.

Als Neymar im Spätsommer 2017 zu Paris Saint-Germain wechselte, überwiesen die Franzosen 222 Millionen Euro nach Katalonien. Geld, das der FC Barcelona heut gut gebrauchen könnte - aber das ist ein anderes Thema.

Denn vor gut drei Jahren hatte sich Barca vorgenommen, das Geld in neue Spieler zu investieren, die das künftige Gesicht des Klubs darstellen könnten.

Zunächst stand dieses Unterfangen unter keinem guten Stern. Doch das ändert sich momentan - trotz all der anderen Probleme, welche die Katalanen haben. (La Liga: Spielplan und Ergebnisse)

Dembélé, Coutinho und Griezmann als Nachfolger

Als unmittelbarer Nachfolger von Neymar kam im August 2017 Ousmane Dembélé - unter bekannten Streik-Vorzeichen - von Borussia Dortmund. 105 der 222 Millionen Euro wurden in den Ruhrpott überwiesen. Mittlerweile ist die gesamte Ablösesumme durch Boni auf rund 130 Millionen Euro angestiegen.

Der Franzose blieb weit hinter den hohen Erwartungen zurück und ließ sein Talent nur selten aufblitzen. Seine Anfangszeit war von vielen Verletzungen, durchzechten Nächten und schlechter Ernährung gezeichnet.

Vielleicht wurde auch deswegen im Januar 2018 nachgelegt - Phillipe Coutinho kam für satte 145 Millionen Euro vom FC Liverpool. Doch auch Neymars Landsmann entpuppte sich nicht als der neue Neymar.

Daher wurde im Sommer 2019 der nächste Anlauf unternommen. Mit Antoine Griezmann realisierte Barca einen lange ersehnten Transfer. 120 Millionen Euro flossen zu Atlético Madrid. Zunächst schien es, als wäre auch diese Summe in den Wind geschossen worden.

Doch so langsam scheint der einstige Superstar wieder zu einem zu werden - und auch Dembélé wird immer wichtiger für Barca.

Koeman holt das beste aus den Hoffnungsträgern heraus

Um den zuletzt blassen Hoffnungsträgern wieder Glanz zu geben, wurde im vergangenen Sommer Ronald Koeman als Trainer installiert.

Der Niederländer ist ein Spezialist, wenn es darum geht, das Beste aus seinen Spielern herauszuholen - das hat der 57-Jährige bei praktisch allen Stationen bewiesen. Und so ist es auch in Barcelona.

Die Leistungen von Griezmann ließen zu Beginn der Saison keinen Schluss auf eine Verbesserung zu. Doch Koeman schenkte ihm trotzdem sein Vertrauen und das zahlt sich nun aus. Im Januar erzielte der 29-Jährige sechs Tore und bereitete weitere sechs Treffer vor. Er ist eines der Gesichter für den sportlichen Aufschwung, den die Blaugrana seit Beginn des neuen Jahres bewerkstelligen konnte.

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Ein weiteres ist Dembélé, der am Saisonbeginn mit der medizinischen Abteilung so hart arbeitete, wie vielleicht noch nie in seiner Karriere. Im Dezember setzte den 23-Jährigen zwar trotzdem eine Oberschenkelverletzung außer Gefecht, seitdem hat er sich allerdings zum Stammspieler aufgeschwungen.

Koeman soll mit Dembélé viel an seiner mentalen Stärke arbeiten - und das Spiel seines Schützlings hat sich dadurch signifikant verbessert.

An dem Talent des Flügelflitzers zweifelte in Barcelona nie jemand, doch nun bringt Dembélé seine schnellen Bewegungen und Körpertäuschungen so konstant auf den Rasen, wie es bei Barca wohl noch nie der Fall war.

Und was ist mit Coutinho?

Auch den Brasilianer nahm Koeman nach seiner Rückkehr vom FC Bayern mit offenen Armen auf und machte ihn zum Stammspieler. Coutinho wusste in einigen Partien durchaus zu überzeugen - zog sich aber Anfang Januar einen Außenmeniskusriss zu.

Im Sommer hätten allerdings wohl nur wenige geglaubt, dass der 28-Jährige überhaupt eine Zukunft bei Barca hat. Koeman hat ihm Selbstvertrauen und Verantwortung gegeben - genau wie Griezmann und Dembélé.

Auch de Jong blüht unter Koeman auf

Ein ähnliches Phänomen ist auch bei Frenkie de Jong zu erkennen.

Als der zentrale Mittelfeldspieler im Sommer 2019 nach Barcelona aufbrach, schien er ideal zu dem Klub zu passen. Doch seine erste Saison lief enttäuschend und so mancher Fan fragte sich wohl schon, ob der Hype um den 70-Millionen-Einkauf von Ajax Amsterdam berechtigt gewesen ist.

Doch mittlerweile hat sich der 23-Jährige in das System von Barca eingefügt und man kann ihn sich durchaus als einen Hoffnungsträger für die nächsten Jahre vorstellen. Das liegt auch daran, dass Koeman seinen Landsmann eine etwas offensivere Rolle im Mittelfeld gegeben hat.

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Durch die Systemveränderung hat de Jong zuletzt wie entfesselt gewirkt und seit Jahresbeginn fünf Tore erzielt. (La Liga: Tabelle)

Insgesamt hat Barca-Coach Koeman also rund 465 Millionen Euro wieder zum laufen gebracht - eine beachtliche Leistung, die in Zeiten der katalanischen Finanznot etwas untergeht.