Kommentar: Der komische Wirbel um Tennisstar Djoković

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Novak Djoković. (Bild: Simon Bruty/Anychance/Getty Images)
Novak Djoković. (Bild: Simon Bruty/Anychance/Getty Images)

Dem Champion wird die Teilnahme am Turnier in Melbourne verwehrt – unklarer Impfstatus. Ihn deswegen gleich zu Jesus machen, ist übertrieben. Ostern dauert doch noch.

Ein Kommentar von Jan Rübel

Beim Fall Novak Djoković frage ich mich andauernd, was ich eigentlich nicht mitgekriegt habe. Die allgemeine Aufregung jedenfalls ist recht komisch.

Der Tennisstar will nach Melbourne. Würde er auch dieses Turnier gewinnen, würde er einen Rekord aufstellen. Klar, dass es ihn dort hinzieht. Würde es jeden. Auch, wenn man meint, um den eigenen Impfstatus ein Geheimnis machen zu müssen, wie es Djoković tut. Man könnte sagen: Auch das ist sein gutes Recht, genau wie es normal ist, nun rechtlich prüfen zu lassen, ob es in Ordnung ist, dass die australischen Behörden ihm die Einreise verweigern.

Genauso normal ist es, dass die Regeln eines Landes für alle menschlichen Zweibeiner gelten. Australien hat für die Einreise 2G vorgeschrieben. Und es ist völlig unklar, ob und wann Djoković von einer Covid-Infektion genesen ist; jedenfalls reichten die Unterlagen für eine „Ausnahmegenehmigung“ nicht aus. Den australischen Behörden Böswilligkeit zu unterstellen, wäre unrealistisch: Die würden gern jeden Wirbel vermeiden und ihn spielen lassen. Und eine Ausnahme, nur weil Djoković ein Djoković ist, naja. Die Australier haben einen heftigen Lockdown erlebt, mit harten Einschränkungen. Warum sollte nun ein Tennisprofi daherkommen und kriegen, was ihnen monatelang versagt wurde?

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Er hat es versucht, kommt nicht rein, ist nun in einem Hotel für Auszureisende. An dieser Stelle könnte die ganze Story enden. Tut sie aber nicht.

Eine Heldenreise

Denn Djoković hat einen Vater, der behauptet, sein Sohn werde wie im Gefängnis gehalten – was eine Frage der Perspektive für Millionäre ist. Dann aber nennt er ihn wegen seines Tennisspielversuchs einen Freiheitskämpfer, und er werde gekreuzigt wie Jesus. Meines Wissens ging es Jesus nicht um die Teilnahme an einem Sportevent, aber sei’s drum. Und der Kampf um die Freiheit, sich Bälle um die Ohren zu schmettern, mag für manche von Bedeutung sein – für manche aber eher weniger. Was soll also die ganze Aufregung um Djoković, dessen serbischer Präsident sich nicht entblödete, von Misshandlung zu sprechen und zu versichern, das serbische Volk stehe hinter ihm; als habe er jeden einzelnen Bürger hierzu vorher befragt.

Es ist halt so. Die Corona-Pandemie lässt Hirn nicht gerade vom Himmel regnen.

Ich frage mich, ob Djoković ein Interesse an all dem Polarisieren hat. Die einen sehen in ihm eine Mischung aus Robin Hood und Herkules, die anderen in ihm einen arroganten Deppen, der meint, die Gesetze für sich selbst schreiben zu können. Beides stimmt sicherlich nicht. Nur bestätigt sich wieder einmal eine Regel, die sich in der Pandemie immer bahn bricht: Wer einen Hang zum Spinnen hat, fällt noch mehr auf, lebt das noch mehr aus, reklamiert dann auch eher Ausnahmen für sich.

Es gibt natürlich ein Recht auf Merkwürdigkeiten und Spinnerei. Die größten Genies wurden zuweilen derart beschrieben. Dass Djoković sich des Impfens verweigert, überrascht weniger, wenn man ein paar Vorgeschichten kennt.

Was es nicht alles gibt

Nach Angaben des „Spiegel“ sorgte Djoković für Stirnrunzeln, als er 2017 und 2018 starke Ellbogenprobleme vorerst nicht operieren ließ und auf die Heilkräfte eines Mentalcoaches setzte. Zwei Jahre später habe er sich ein Instagram-Video geleistet, „in dem er anpries, man könne giftiges Wasser mit der Macht der Gebete in Heilwasser verwandeln“. Also, das ist schon ein wenig wie Jesus – auch wenn der noch eine Stufe höher steht, weil er jenes schlichte Wasser dann auch noch zu Wein werden ließ.

Was lernen wir daraus? Sind wir nicht alle ein bisschen Bluna?

Jedenfalls kochen alle nur mit Wasser, auch Djoković, ob giftig, heilend oder meinetwegen Wein. Es wäre nicht schlecht, die Hitzestufe am aktuellen Aufregungsherd ein wenig zu dimmen. Letztlich will Djoković doch nur eines: Tennis spielen. Und nur, weil er nicht so glatt lächelt wie Tennisstar Roger Federer, bei dem es kaum Kritik daran gibt, dass er als Teilhaber einer Firma in den chinesischen Wachstumsmarkt investieren will und deshalb zur Menschenrechtsproblematik schweigt, nur deshalb muss Djoković nicht gleich „anecken“.

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