Kommentar: Im "Oma-Gate" bleibt Tom Buhrow nur noch der Rücktritt

Jan RübelReporter
Wer sieht älter aus? "Die Maus" und WDR-Intendant Tom Buhrow (Bild: ddp/INTERTOPICS/Horst Galuschka)
Wer sieht älter aus? "Die Maus" und WDR-Intendant Tom Buhrow (Bild: ddp/INTERTOPICS/Horst Galuschka)

Der WDR-Intendant versteht keine Satire, keinen Mitarbeiterschutz und daher auch nicht seinen Job. Er sollte gehen.

Ein Kommentar von Jan Rübel

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Bei dieser wirren Debatte um ein Oma-Kinderlied muss ich aufpassen, dass ich mir keinen spontanen großelterlichen Zorn zuziehe. Das soll ja schnell passieren, in diesen angeblich aufgeregten Zeiten.

Dennoch habe ich das meiste Gefasel rund um die Aktion des Kinderchores nicht verstanden, der das alte Lied “Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad” in “Meine Oma ist ne alte Umweltsau” umdichtete. Da diese neue Aufnahme vom WDR entstand, zwar als Satire gekennzeichnet war, fühlte sich Intendant Tom Buhrow berufen, das Lied, angeblich zum Schutz der betroffenen Kinder, vom Netz zu nehmen und sich zu entschuldigen.

Gefasel nenne ich diese Debatte deshalb, weil sie meiner Meinung nach nur heiße Luft produziert. Die Horden empörter Omas oder Opas habe ich bisher nicht gesehen, die gegen das Lied protestierten. Daher: Wer sich durch den “Umweltsau”-Song beleidigt fühlt, soll das sein, das ist persönliches Recht. Dennoch finde ich das Lied in Ordnung und witzig. Negative Reaktionen darauf finde ich dünnhäutig und etepetete.

Nix von wegen Spaltung

Meine Oma fand das Lied mit dem Motorrad im Hühnerstall nicht witzig, wenn ich es ihr bevorzugt vorsang. Sie hatte bei der Flucht aus Ostpreußen die Familie quasi angeführt, aber keinen Führerschein. Wenn ich also anhob, hob sie selbst den Finger und schmunzelte. Es gab und gibt ja Gravierenderes als Großeltern going wild on the farm oder umweltsauende Senioren.

Denn weder das alte Lied noch die neue WDR-Version sind eine persönliche Ansprache.

Da es aber in Deutschland eine Partei gibt, die Spaltungen unheimlich liebt, weil sie davon lebt, warnt die AfD nun vor Spaltungen, die der Song angeblich hervorruft. Natürlich wird da lediglich etwas herbeigeredet, was nicht existiert. Aber dann gibt es ja noch Tom Buhrow.

Was den Intendanten ritt zu meinen, eine Lanze für Deutschlands Omas brechen zu müssen, bleibt ein Rätsel. Nun, mit einigen Tagen Abstand, habe ich den Verdacht, dass es ihm schlicht an Auffassungsgabe fehlt.

Ansonsten hätte er dem Chor und den seinen Mitarbeitern den Rücken gestärkt, diese komische Kritik aus den Sozialen Medien, die natürlich losging, weil man den “Staatsfunk” zum Ziel wählen konnte, souverän abperlen lassen. Aber Buhrow gab sich besorgt. Ich nenne es vorauseilend.

Aus dieser Nummer kommt Buhrow nicht mehr raus

Bis heute hat Buhrow es versäumt, die Löschaktion und die Entschuldigung als Fehler anzusehen. Er würde heute genauso handeln, heißt es. Damit zeigt er fehlende Führungsqualität und sollte seinen Hut nehmen.

Der Umweltsausong ist ein satirischer Beitrag über all jene, die in der Klimadebatte alt aussehen, und zwar durch ihre Denke und durch ihr Verhalten. Und ein kleines Stück weit ist die Klimadebatte AUCH eine Generationendebatte – weil die Jungen die Fehler der Alten ausbaden müssen. Da beißt die Maus keinen Faden ab. Was dieser Song nicht ist: fehlender Respekt vor den Eltern und Großeltern. Denn um Respekt geht es im Lied gar nicht.

Wir bräuchten also mehr solcher Songs, mehr mutige Satire und vor allem mehr Souveränität beim Bellen aus dem Netz. Mitunter nennt man sowas Haltung.

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