Kontroverse Star-Momente im Jahresrückblick

Johannes Giesler
·Freier Autor
·Lesedauer: 5 Min.

Xavier Naidoo, Michael Wendler oder Kim Kardashian West: Zahlreiche Stars und Sternchen sorgten dieses Jahr mit kontroversen Aussagen oder eigenwilligen Aktionen für Kopfschütteln.

Die vorübergehende Jury von Deutschland sucht den Superstar: Michael Wendler, Mike Singer, Maite Kelly und Dieter Bohlen. Vorübergehend, weil Wendler einfach nicht mehr auftauchte. Foto: TVNOW / Stefan Gregorowius
Die vorübergehende Jury von Deutschland sucht den Superstar: Michael Wendler, Mike Singer, Maite Kelly und Dieter Bohlen. Vorübergehend, weil Wendler einfach nicht mehr auftauchte. Foto: TVNOW / Stefan Gregorowius

Kaum ein*e Prominente*r hat dieses Jahr so regelmäßig die Schlagzeilen gefüllt wie Michael Wendler. Doch auch das an Höhepunkten nicht arme 2020 des Schlagerstars (manche Boulevard-Seiten richteten zwischenzeitlich sogar einen Wendler-Ticker ein) gipfelte in einem besonders skurrilen Moment: Wendler war gerade erst als neues Jury-Mitglied der RTL-Castingshow „Deutschland sucht den Superstar“ vorgestellt worden.

Da tauchte er zu Dreharbeiten nicht mehr auf. Stattdessen erklärte er via Instagram, dass er die Sendung mit sofortiger Wirkung verlasse. Der Grund: RTL und weitere Medien seien „gleichgeschaltet und politisch gesteuert“. Der Bundesregierung warf Wendler dazu in der Coronavirus-Pandemie „grobe und schwere Verstöße gegen die Verfassung und das Grundgesetz vor“.

Wendler, der in Deutschland massive Steuerschulden hat, verlor daraufhin nicht nur seinen Jury-Job, sondern auch weitere Werbe-Deals. Zuletzt ging der 48-Jährige den Weg vieler sogenannter Corona-Leugner: Er richtete einen eigenen Telegram-Kanal ein und erreicht da mittlerweile über 100.000 Menschen.

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Nuhr der gesunde Menschenverstand

Ein weiterer Prominenter, der sich dieses Jahr immer wieder zweifelnd bis verharmlosend zur Coronavirus-Pandemie (und nebenbei zum Klimawandel und zu Rassismus) äußerte und damit zahlreiche Kontroversen auslöste, war Dieter Nuhr.

Der Kabarettist zieht schon lange gegen die politische Korrektheit ins Feld zieht und beansprucht dabei stets den gesunden Menschenverstand für sich. Bereits im März sorgte er mit dem Tweet, die Erkrankungsrate mit Covid-19 in der Bevölkerung liege nur bei 0,0001 Prozent und er wolle deshalb auftreten (vor tausenden Menschen), für Empörung. Die Vorwürfe gegen ihn: Egoismus, Arroganz und Unwissenheit.

Nuhr schaffte es von da an regelmäßig, mit Kritik an Regierung und Virolog*innen zu polarisieren. Deshalb wurde sogar ein Statement-Video von ihm, das er für die Deutsche Forschungsgemeinschaft aufgenommen hatte, kurzzeitig gelöscht und erst nach langen Debatten wieder veröffentlicht.

Zuletzt hat Nuhr der deutschen Autorin Alice Hasters, sie hat das Buch „Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen aber wissen sollten“ geschrieben, selbst Rassismus vorgeworfen. Und gemutmaßt, dass das Buch „in den USA ein Riesenrenner“ gewesen sein müsse. Nur: Es ist bislang ausschließlich auf Deutsch erschienen.

Naidoo und die Verschwörungstheorien

Zurück zu RTL und zurück zu DSDS: Denn einen ähnlichen Weg wie Michael Wendler ging auch sein Jury-Vorgänger Xavier Naidoo. Der Sänger musste bereits im März die Show verlassen, nachdem ein Video aufgetaucht war, in dem er laut Spiegel „rassistisch grundierte Metaphern und rechtspopulistische Denkmuster“ reproduzierte.

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Das hatte sich dabei schon lange angekündigt: Bereits vor drei Jahren sorgte Naidoo mit einem Lied für Aufsehen. Kritiker*innen warfen ihm bereits damals rechtsextremes und verschwörerisches Gedankengut vor. Mittlerweile verbreitet er auf Telegram regelmäßig QAnon-Verschwörungstheorien und gilt als Ikone von Rechtspopulist*innen.

GNTM: Show schützt die Kandidatinnen nicht

Den eindrücklichsten Moment der diesjährigen „Germanys Next Topmodel“ (GNTM)-Staffel schuf nicht die spätere Siegerin, sondern die 23-jährige Studierende Lijana Kaggwa. Die schälte sich während der Finalshow im Mai zuerst aus einem mit Beleidigungen vollgeschriebenen Sack, absolvierte dann ihren Walk und verkündete an dessen Ende den freiwilligen Ausstieg: „Ich habe gelitten, ich war verzweifelt.“ Und sie habe nun keine Lust mehr auf all den Hass.

Das war in den Wochen zuvor passiert: Kaggwa nahm in den GNTM-Sendungen der vorangegangen Staffel die Rolle der unsympathischen Außenseiterin ein – eine ähnliche Anti-Figur gibt es so gut wie jedes Jahr. Doch was Kaggwa dieses Mal erleben musste, war ungleich schlimmer.

Denn sie erhielt laut Süddeutsche Zeitung Morddrohungen, die Polizei fuhr deshalb bis zu zehnmal am Tag vor ihrem Elternhaus Streife, im Garten sollen angeblich Giftköder für Kaggwas Hund ausgelegt worden sein und ein Mann habe sie auf offener Straße angespuckt und gesagt: „Drei Millionen wollen deinen Tod.“

Warum? Weil die Menschen auf Twitter und vor den Fernsehen sie unsympathisch fanden.

Und was machte Heidi Klum, nachdem in ihrer Show Kaggwa Woche für Woche als unsympathische Außenseiterin gezeigt worden war? Sie rief dazu auf, „doch bitte nicht mehr zu hassen“. Der Spiegel kommentierte das wie folgt: „Mit dem verantwortungslosen Fokus auf Lijana, ihrer für sie selbst wahrscheinlich kaum überschaubaren Inszenierung karrte Klums Sendung Woche für Woche überhaupt erst die Gülle heran, mit der Lijana anschließend überkübelt wurde.“

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Ein bisschen Normalität auf einer privaten Insel

Auch außerhalb Deutschlands haben einige Stars dieses Jahr für kontroverse Momente gesorgt. Darunter Kim Kardashian West: Die wollte, inmitten der Coronavirus-Pandemie, nicht auf eine Feier anlässlich ihres 40. Geburtstags verzichten.

Also entschloss sie sich, so hat sie es selbst auf Instagram geschrieben, zu folgendem: „Nach zahlreichen Gesundheits-Checks und der Bitte an alle, sich in Quarantäne zu begeben, habe ich meine Familie und engsten Freunde mit einer Reise auf eine private Insel überrascht. Dort konnten wir für kurze Zeit so tun, als wäre alles normal.“

Das brachte Kardashian West viel Kritik ein. Denn während die allermeisten Menschen ihre Zeit in Quarantäne oder im Lockdown verbrachten und sich um das Wohlbefinden und die Gesundheit ihrer Familie und Freunde sorgten, erkaufte sich Kardashian West mit sehr viel Geld „ein wenig Normalität“ und teilte die Hochglanzbilder davon ganz unbeschwert mit ihren Fans.

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