Kroos-Berater malt düsteres Zukunftsszenario

Martin van de Flierdt, Markus Bosch
Sport1

Volker Struth, Geschäftsführer der Spielerberateragentur SportsTotal, hat im CHECK24 Doppelpass auf SPORT1 auf die Kritik von DFL-Boss Christian Seifert reagiert.

Seifert hatte in einem FAS-Interview das Ziel einer neuen Bescheidenheit im Fußball angemahnt und dabei konkret Spielerberater angesprochen, "die Millionen kassieren für einen Musterarbeitsvertrag, den sie bei uns aus dem Internet herunterladen können."

Struth, zu dessen Klienten unter anderen Toni Kroos, Marco Reus und Dayot Upamecano gehören, fühlte sich davon explizit nicht angesprochen.

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"Ich hatte mit Herrn Seifert Kontakt. Ich glaube, dass er nicht alle Berater gemeint hat, sondern Teile der Branche", sagte er. Es gebe aber Teilbereiche der Spielerberatertätigkeit, für die es tatsächlich konkrete Regelungen geben müsse. Einer sei die Anwerbung von Minderjährigen.

"Ich bin bei Herrn Seifert. Wir müssen an einen Tisch mit der DFL. Ich bin persönlich der Erste, wenn es darum geht die Spreu vom Weizen zu trennen. Aber ich möchte nicht, dass man uns alle in einen Sack wirft."

Struth wendet sich gegen Nübel-Berater Backs

Was ihm sauer aufstoße, seien Kollegen, die "Wasser predigen und Wein saufen. Gerade der Berater von Alex Nübel (Stephan Backs, Anm.d. Red.), der durch die Medien gegangen ist und sich jetzt hinstellt und die Rolle als Pfarrer einnimmt, da muss ich schon sagen, da wird mir anders."  

Das von Seifert ebenfalls angesprochene Thema Gehaltsobergrenze für Profis uns Berater hielte Struth grundsätzlich für diskutabel, wenn es juristisch durchsetzbar wäre. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass es wettbewerbskonform ist, und Sie brauchen ja ganz Europa dafür", gab der 54-Jährige zu bedenken. "Ich halte es auch für Heuchelei zu sagen: So etwas ist machbar. Denn es ist sehr schwierig umsetzbar."

Struth: "Das wäre das Ende des Profifußballs"

Dass seine Spieler in Corona-Zeiten Gehaltsabstriche machen, hält der Berater indes für eine Selbstverständlichkeit.

"Ein Spieler, der es jetzt nicht versteht, sich solidarisch zu zeigen, der hat nicht verstanden, in was für einem Paradies er sich befindet", urteilt Struth. "Wir alle merken gerade, wie gut es uns in diesem Geschäft geht. Wenn ein Spieler da mit mir diskutieren würde, warum er jetzt auf 10 oder 20 Prozent verzichten muss, muss ich wirklich sagen: Der hat den Schuss nicht gehört. Denn wenn das ganze System zusammenbricht, stehen ihm ganz andere Dinge bevor." 

Diesen Zusammenbruch hält der Berater durchaus für im Bereich des Möglichen: "Wenn die Geisterspiele nicht stattfinden, wird es auch im September oder Oktober keinen Fußball geben. Dann wird es erst wieder mit einem Impfstoff Fußball geben. Das wäre das Ende des Profifußballs."

Struth: Upamecano wechselt nicht

Daher kann Struth auch nur bedingt nachvollziehen, dass der 30. Juni als Deadline der aktuellen Saison durchgeprügelt werden muss, weil anschließend eine Vielzahl von Spielerverträgen ausläuft.

"Ich sehe den 30. Juni nicht als Problem. Wenn die Geisterspiele nicht gespielt werden, gibt es keine neue Saison", relativierte er. Er riete jedem Spieler, bei eine Vereinswechsel zum 1. Juli kein Fass aufzumachen. "Arbeitsrechtlich müssen die Vereine miteinander klären. Jeder Verein wird diese Themen haben."

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Wechsel mit Ablösen auf dem zuletzt fast schon gewohnt hohem Niveau sieht Struth in diesem Sommer nicht kommen.


"Für Spieler mit auslaufenden Verträgen ist eine schwierige Situation. Ich glaube an keine großen Transfers, sondern viele Leihgeschäfte", prognostizierte er. "Es wird einen sehr beruhigten Markt geben. Wir werden alle einmal durchgerüttelt. Immer vorausgesetzt, die Geisterspiele finden statt. Sonst braucht man über gar nichts mehr reden."

Struths Einschätzung implizierte, dass auch sein unter anderem von Bayern München umworbener Klient Dayot Upamecano in diesem Sommer nicht die Farben wechselt. "Wie ich bereits sagte, glaube ich nicht an große Transfers. Upamecano ist ein solcher."  

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