KTM X-Bow GTX: Neue Geheimwaffe für Nordschleifen-Gesamtsiege?

Heiko Stritzke
·Lesedauer: 4 Min.

Rollt hier ein potenzieller GT3-Killer heran? KTM hat den X-Bow GTX gemeinsam mit dem GT2-Modell vergangene Woche offiziell vorgestellt. Bemerkenswert ist, dass das Fahrzeug einen ausladenden Artikel auf der offiziellen Webseite der Nürburgring-Langstrecken-Serie (NLS, ehemals VLN) erhalten hat. Dort bereitet man sich auf die Ankunft eines möglichen Gesamtsiegkandidaten vor.

Die Daten lassen aufhorchen: Der KTM X-Bow GTX verfügt über einen 2,5-Liter-Fünfzylinder-Turbomotor von Audi mit 530 PS und wiegt 1.048 Kilogramm. Für die Technik zeichnet sich Reiter Engineering verantwortlich, das Design des Fahrzeugs stammt von Kiska. Bei GT3-ähnlichen Abtriebswerten wäre es eine Waffe, die jedem SP9-Fahrzeug auf der Nürburgring-Nordschleife gefährlich werden kann.

Doch bei KTM gibt man sich keinen Illusionen hin, mit einem Leistungsgewicht von 1,98 Kilogramm pro PS auf die Nordschleife zu gehen. "Uns ist schon klar, dass wir nicht in dieser Einstufung fahren können", sagt ein KTM-Sprecher gegenüber 'Motorsport.com'. "Realistisch betrachtet werden wir gegen ein GT3-Auto keine Chance haben."

Bei der VLN, die die NLS organisiert, sieht man hingegen keinen Grund für Pessimismus. "Es gibt kein Gesetz, das besagt, dass nur ein GT3 auf der Nürburgring-Nordschleife gewinnen kann", sagt ein VLN-/NLS-Sprecher gegenüber 'Motorsport.com'.

Welche Prognose zutreffender sein wird, hängt natürlich von der Einstufung ab. Die Gespräche zwischen KTM, dem ADAC Nordrhein und der VLN laufen auf Hochtouren. Dabei geht es nicht nur um die Balance of Performance, sondern auch um die Frage, in welcher Klasse der neue Bolide laufen soll.

Lieber weniger Leistung als mehr Gewicht

KTM geht es beim neuen Fahrzeug vor allem darum, Leichtbau unter Beweis zu stellen. Das Chassis basiert auf einem Formel-3-Monocoque mit einem FIA-homologierten GT-Überrollkäfig. Wie beim GT4 gibt es eine Cockpitkanzel, die gleichzeitig als Tür fungiert. Sie erinnert an einen Kampfjet.

Um seiner Leichtbau-Philosophie treu zu bleiben, wäre der österreichische Hersteller auch eher bereit, bei der Einstufung auf etwas Leistung bei Motor zu verzichten, wenn stattdessen das Gewicht niedrig bleibt.

Allzu leistungsstark darf der Bolide ohnehin nicht abgestimmt werden, denn er verfügt über eine sehr kleine Stirnfläche und damit automatisch einen hohen Topspeed. Der Technikausschuss des ADAC Nordrhein achtet penibel darauf, dass jedes Topauto jedes andere auf der Döttinger Höhe überholen kann.

Die CupX-Klasse soll vorerst in der NLS weiterbestehen

Die CupX-Klasse soll vorerst in der NLS weiterbestehen<span class="copyright">VLN</span>
Die CupX-Klasse soll vorerst in der NLS weiterbestehenVLN

VLN

Dass ein allzu aerodynamisches Auto dabei nachteilig sein kann, musste bereits die Scuderia Cameron Glickenhaus erfahren. Der SCG003C war geradeaus so schnell, dass ihm so kleine Restriktoren eingepflanzt wurden, dass er am Ende kaum mehr richtig aus den Kurven herauskam.

Ein weiteres mahnendes Beispiel, wie eine radikale Abweichung gegenüber dem Grundmodell das Fahrverhalten negativ beeinflussen kann, ist der Renault R.S.01, der vom Team mcchip-dkr in den Jahren 2017 und 2018 auf der Nürburgring-Nordschleife zum Einsatz gebracht wurde.

Erst GT2-, dann GTX-Homologation

Gegenüber dem Basismodell mussten aufgrund der Einstufung 180 Kilogramm zugeladen werden. Die Folge war, dass sich das Fahrverhalten so radikal änderte, dass das Team erst einmal eine Saison brauchte, um den Boliden überhaupt fahrbar zu bekommen. Ähnliche Zuladungen drohen auch dem GTX.

Einen Vorteil hat KTM dabei allerdings: Der X-Bow GT2 wird mit 1.250 Kilogramm eingestuft werden. Das ist 250 Kilogramm schwerer als die Ursprungsversion. Mit deutlich mehr Gewicht wird man also im Gegensatz zum Renault R.S.01 vor den ersten Nordschleifen-Einsätzen Erfahrungen sammeln können.

KTM gibt der GT2-Homologation Priorität. Wenn diese erledigt ist, wird auch der technisch ähnliche GTX homologiert. Es ist geplant, das Fahrzeug als Track-Day-Boliden anzubieten, aber auch als Rennfahrzeug für Rennserien wie die GT-Open, GTC Race oder eben die VLN/NLS.

CupX-Klasse bleibt bestehen

Bislang sind KTM-Modelle auf der Nürburgring-Nordschleife in einer eigenen Klasse unterwegs, der CupX. In dieser kommen die GT4-Modelle des X-Bow zum Einsatz, die natürlich nicht für den Gesamtsieg in Frage kommen.

An dieser Klasse soll sich auch erst einmal nichts ändern. "Wir wollen schauen, dass es mit diesen Fahrzeugen weitergeht, weil wir glauben, dass es einen Markt dafür gibt. Den Cup werden wir weiterhin ausschreiben", heißt es seitens des KTM-Sprechers.

Übrigens bleibt es beim neuen Modell bei der normalen Aussprache "GTX" mit drei Buchstaben. Offiziell spricht sich der Bolide also "KTM Crossbow GTX" aus (und nicht GT-Cross oder ähnliches). Es wird erwartet, dass Teichmann Racing den Boliden im kommenden Jahr auf der Nordschleife zum Einsatz bringen wird.

Mit Bildmaterial von Teichmann Racing.