Kuhn: "Es neigt sich langsam dem Ende entgegen"

Markus Kuhn
Sport1

Hallo NFL Fans,

neben dem sportlichen Geschehen haben in der vergangenen Spielwoche insbesondere die unschönen Bilder von der Schlägerei zwischen Myles Garrett und Mason Rudolph für Schlagzeilen gesorgt.


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Wer länger in der NFL unterwegs war, für den sind Schlägereien im Training oder auch Mal im Spiel nichts neues. Ich habe auch schon gesehen, dass Spieler im Training ihren Helm abgenommen haben und nach einem anderen Spieler geschwungen haben.

Aber dass jemand getroffen wurde, und das auch noch während eines Spiels, habe ich selbst noch nie erlebt. Und da muss man sagen: Das geht absolut überhaupt nicht! Das ist fast lebensgefährlich, was da hätte passieren können. Mit so einem harten Gegenstand jemand auf den Kopf zu hauen ist – auf und abseits des Feldes – überhaupt nicht legitim und darf nicht sein.

Daher ist die Strafe gegen Garrett bis mindestens zum Ende der Saison auch gerecht, für so ein hartes Vorgehen. Da gibt es eigentlich keine Entschuldigung. Da hat Myles Garrett, der normalerweise ein eher ruhigerer Typ ist, komplett den Kopf verloren, wobei man Rudolph eventuell auch für ein Spiel hätte sperren können. Denn wer sich die Szene einmal genauer angeschaut hat, erkennt, dass er mit einem Tritt in den Unterleib von Garrett die Schlägerei überhaupt erst ausgelöst hat.

Lamar Jackson Top-Favorit als MVP

Sportlich gesehen hat hingegen natürlich in erster Linie wieder Lamar Jackson abgeliefert. Er spielt sich wirklich ganz klar nach vorne als MVP-Kandidat, an ihm führt kein Weg vorbei.

Wie er zur Zeit spielt, das ist für eine Defense einfach so schwer, so einen Quarterback zu stoppen, der einfach jeden Spielzug nochmal verlängern kann. Er wirft ja nicht nur extrem gut, sondern läuft auch noch den Ball besser als viele Runningbacks. Er ist ein Athlet, wie wir ihn so fast noch nicht in der Liga gesehen haben. Da wundert es mich auch nicht, dass die Houston Texans mit ihm bei der 7:41-Niederlage gegen die Baltimore Ravens so ihre Probleme hatten.

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Wenn man aber selbst nur sieben Punkte gemacht hat, muss man einsehen, dass man nicht genug geliefert hat. Deshaun Watson hat keine Touchdowns erworfen, aber dafür eine Interception. Wenn man die Möglichkeit hat, Lamar Jackson und diese Offense vom Feld zu bekommen, muss man sie einfach wahrnehmen, das haben die Texans nicht geschafft. Der Turnover hat ihnen letztendlich das Genick gebrochen.

Nicht alles miserabel bei den Texans

Dazu kam die Szene, in der DeAndre Hopkins auf dem Weg zum Touchdown klar gehalten wurde. Das war eine klare Pass Interference. Wenn die NFL die Regel auf einmal ändert, dass man Pass Interference challengen kann, dann muss man bei klarem Foul die Regel auch anwenden. Jahrelang gab es diese Regel nicht, jetzt gibt es sie und trotzdem wird bei klarem Foul die Flagge nicht gegeben. Das macht irgendwie keinen Sinn. Dann kann man diese Challenge auch gleich wieder wegnehmen.


Verständlich, dass sich Hopkins da ärgert und wer weiß. Man spielt eh schon gegen eine gute Offense, dann hat man die Chance, etwas näher heranzukommen und dann gelingt noch nicht mal das. Da ist extrem frustrierend. Es war einfach allgemein ein schlechter Tag für die Texans. Dennoch darf man sie noch nicht abschreiben.

Es ist nicht so, dass es miserabel läuft. Vor der Niederlage gegen die Ravens haben sie auch zwei Spiele gewonnen und waren relativ ausgeglichen. Sie haben keine schlechte Bilanz und sind in der Division immer noch im Rennen, die AFC South ist noch ganz offen. Man kann nicht alles allein an dem letzten Spiel gegen Lamar Jackson und die Ravens messen.

Zeit von Philip Rivers neigt sich Ende entgegen

Sprechen wir vom überragenden Lamar Jackson auf der einen Seite, müssen wir auf der anderen Seite auch über Philip Rivers von den Los Angeles Chargers sprechen. Zwar hätte eine seiner vier Interceptions gegen die Kansas City Chiefs auch als Fumble gewertet werden können, dennoch sieht das auf dem Papier natürlich extrem schlimm aus.

Er spielt aktuell einfach nicht gut genug. Eigentlich haben die Chargers ein gutes Laufspiel, das sie auch in den letzten Wochen bewiesen haben. Da habe ich gedacht, dass man das gerade gegen die Chiefs-Defense, die gegen den Lauf sehr schwächelt, versucht, auszunutzen. Das haben sie aber nicht geschafft. Sie haben eigentlich nicht schlecht gespielt und einfach zu viele Fehler gemacht. Und da kann man, auch wenn die Kansas City Chiefs nicht gut drauf waren, einfach nicht gewinnen.

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Philip Rivers ist der letzte der alten Quarterback-Garde, die 2004 gedraftet wurde, der noch spielt. Eli Manning wurde bei den New York Giants in dieser Saison von Daniel Jones auf die Bank verdrängt und Ben Roethlisberger ist bei den Pittsburgh Steelers auch nicht mehr auf dem Feld nach seiner Verletzung. Und vielleicht neigt es sich auch für Rivers langsam dem Ende entgegen.

Dennoch war es ein sehr cooles Spiel, dass die NFL nicht nur nach London, sondern auch nach Mexiko, ins Aztekenstadion reist. Jetzt warten wir nur noch darauf, dass auch Deutschland endlich dran ist.

Bis bald

Euer Markus Kuhn

Markus Kuhn (33) ist ein ehemaliger Footballspieler und wurde 2012 in der siebten Runde von den New York Giants ausgewählt. Für die Franchise war der Defensive Tackle von 2012 bis 2015 in der NFL aktiv und absolvierte in dieser Zeit 39 Spiele. In der Saison 2014 erzielte er als erster Deutsche überhaupt einen Touchdown in der NFL. 2016 wechselte er zu den New England Patriots. Seit dieser Saison ist er gemeinsam mit Sebastian Vollmer als Kommentator des Monday Night Games bei DAZN im Einsatz. Für SPORT1 kommentieren die beiden Ex-NFL-Profis in ihrer regelmäßigen Kolumne das aktuelle Geschehen in der NFL.

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