Der KGB-Klub aus einem Land, das keiner kennt

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Der KGB-Klub aus einem Land, das keiner kennt
Der KGB-Klub aus einem Land, das keiner kennt

Solche Geschichten schreibt nur der Fußball.

In Zeiten, in denen im Fußball die Schere zwischen großen und kleinen Klubs immer weiter auseinandergeht, sind Fußballmärchen selten geworden – und dafür umso schöner.

Die jüngste Erfolgsgeschichte vom FC Sheriff Tiraspol kann auf den ersten Blick zu dieser Kategorie gezählt werden. Schon die Qualifikation des moldawischen Meisters für die Gruppenphase der Champions League war ein Riesencoup. Nach zwei Spielen steht das Team in Gruppe D plötzlich mit sechs Punkten an der Tabellenspitze. (DATEN: Tabellen der Champions League)

Dem 2:0-Auftaktsieg gegen Schachtjor Donezk folgte am Dienstagabend eine der wohl größten Sensationen der vergangenen Jahre. Im Santiago Bernabeu schlug das Team von Trainer Jurij Vernydub Real Madrid mit 2:1. (DATEN: Ergebnisse und Spielplan der Champions League)

Doch hinter Sheriff Tiraspol verbirgt sich weit mehr als die klassische Geschichte vom Fußballzwerg, der die Großen ärgert. SPORT1 nennt kuriose Fakten über das Überraschungsteam der Gruppenphase - und warum es sich hier nicht um das klassische Fußballmärchen handelt.

Tiraspol gehört gar nicht zur Republik Moldau

Der Klub tritt in der Königsklasse zwar für die Republik Moldau an und wurde bereits 19-mal moldawischer Meister. Doch Tiraspol liegt in Transnistrien, einem Landstrich im Osten von Moldau an der Grenze zur Ukraine.

Die Region hat sich 1990 für unabhängig erklärt, sie ist de facto ein eigener Staat mit eigener Verwaltung und Währung - obwohl kein Land sie als solchen anerkennt.

Familie des Real-Schrecks prägt luxemburgischen Fußball

Es war ein Moment, der den Zuschauern im Bernabeu das Herz stehen ließ. Sebastien Thill erzielte in der 89. Minute das Siegtor für den Underdog – und wie!

Mit seinem linken Fuß nahm er den Ball von der Strafraumgrenze per Dropkick und hämmerte ihn ins obere linke Eck. Ein Tor, das Teil in jedem CL-Saisonrückblick sein dürfte.

Woher Till sein Talent hat, ist leicht zu erahnen. Der 27-Jährige kommt aus einer echten Fußballerfamilie. Vater Serge Till war einst luxemburgischer Nationalspieler, Sebastien tut es ihm gleich.

Doch nicht nur das: Seine beiden jüngeren Brüder Oliver und Vincent Thill laufen ebenfalls für das Nationalteam Luxemburgs auf.

Siegtorschütze mit ungewöhnlichem Tattoo

Thill hat in seiner Profi-Karriere noch einiges vor. Darauf deutet ein Tattoo hin, das die linke Wade des Mittelfeldspielers ziert. (NEWS: Alle aktuellen Infos zur Champions League)

Dieses zeigt ihn, wie er von der Champions League träumt. Zumindest den Traum von der Teilnahme an der Königsklasse hat er sich erfüllt.

Und seit seinem Sensationstor hat Thill seinen ganz eigenen Platz in den Geschichtsbüchern der Champions League sicher.

Kurioses Vereinskonstrukt mit fragwürdiger Vergangenheit

Hinter dem kurios anmutenden Namen Sheriff Tiraspol steckt eine besondere Geschichte. (BERICHT: Bei diesem Klub ist so gut wie nichts normal)

Den Klub selbst gibt es erst seit 1996. Er entsprang einer Firma namens Sheriff, die 1993 von ehemaligen Polizisten aus der Sowjetunion als Sicherheitsfirma gegründet wurde.

Die Firma zieht in Transnistrien die Fäden, erwirtschaftet 60 Prozent des Bruttosozialproduktes der Region. Kein Wunder, dass der Verein nicht am Hungertuch nagen muss. Er verfügt über ein sehr modernes Trainingsgelände und ein schickes, 170 Millionen Euro teures Stadion.

Einer der zwei Gründer von Sheriff ist Viktor Gushan, er fungiert als Präsident und Gönner des firmeneigenen Fußball-Klubs. Der andere ist Ilya Kazmaly.

Brisant ist ein Blick auf die Vergangenheit der beiden Funktionäre. Beide sollen Mitglieder des sowjetischen Geheimdienstes KGB gewesen sein.

Der Konzern Sheriff hat zudem auch das Parlament fest im Griff. Die Partei „Erneuerung“ verfügt über 29 der 33 Sitze im transnistrischen Abgeordnetenhaus - sie ist genau genommen der politische Arm von Sheriff.

Alles zur Champions League bei SPORT1


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