Löw bleibt - wer jetzt um sein EM-Ticket zittern muss

Patrick Berger
·Lesedauer: 4 Min.

Das Spanien-Debakel rund 200 Tage vor der EM wirft in der Nationalmannschaft viele Fragen auf. SPORT1 sagt, wer um seinen Platz im Löw-Kader zittern muss.

Die Zeit rennt!

208 Tage hat die deutsche Nationalmannschaft nur noch, um sich zu finden. Dann geht es mit dem Auftaktspiel gegen Weltmeister Frankreich (15. Juni) in das EM-Turnier 2021. Die weiteren Gegner: Europameister Portugal und Ungarn.

Das 0:6-Debakel von Sevilla macht allerdings wenig Hoffnung, dass das DFB-Team diese Hammer-Gruppe überstehen wird. Der desaströse Auftritt in Spanien hat schonungslos gezeigt, dass die Löw-Truppe aktuell weit davon entfernt ist, ein Titelkandidat zu sein.

Der arg in die Kritik geratene Bundestrainer darf trotzdem weitermachen - und an seinem EM-Kader basteln.

SPORT1 zeigt, wer bei der EM sicher dabei sein wird und wer jetzt gehörig wackelt!

Zwölf Stammspieler bei Löw sicher

23 Spieler dürfen zum Sommer-Turnier mit, zwölf Akteure gehören unter Löw zum festen Stamm. Dazu zählen die beiden Torhüter Manuel Neuer und Marc-André ter Stegen, die Bayern-Stars Leon Goretzka, Joshua Kimmich, Niklas Süle, Serge Gnabry und Leroy Sané sowie Toni Kroos, Matthias Ginter, Timo Werner, Kai Havertz und Ilkay Gündogan.

Sicher dabei sein dürften außerdem die beiden Leipzig-Asse Lukas Klostermann und Marcel Halstenberg sowie Thilo Kehrer, Julian Draxler, Antonio Rüdiger und Emre Can. Letzterer gilt weiterhin als sicherer Kandidat, zumal er problemlos in einem Dreierketten-System innen spielen kann.

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Waldschmidt und Neuhaus punkten

Gute Chancen dürfen sich Robin Koch, Robin Gosens, Florian Neuhaus und Luca Waldschmidt ausrechnen.

Waldschmidt hat bei Neu-Klub Benfica Lissabon voll eingeschlagen (fünf Tore, drei Assists in zehn Spielen), schoss das DFB-Team im Test gegen Tschechien zum 1:0-Sieg und hat demnach als Offensiv-Backup gute Karte.

Neuhaus hat seine Top-Leistungen bei Gladbach zuletzt auch in der Nationalmannschaft untermauert. Löw schwärmte: "Florian hat uns Trainer überzeugt. Ihm gehört die Zukunft."

Hoffnung für Gosens und Koch

Während Bergamo-Star Gosens mit seiner leidenschaftlichen Spielweise als Backup ein heißer EM-Kandidat für die linke Abwehrseite ist, gilt Leeds-Talent Koch als große Innenverteidiger-Hoffnung.

Als dritter Torwart hat aktuell Frankfurt-Rückhalt Kevin Trapp, den sie beim DFB für seine loyale Art schätzen, die Nase vorne vor Arsenal-Keeper Bernd Leno.

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Brandt muss sich strecken - dickes Fragezeichen bei Reus

Hinter den genannten Kickern ist längst ein brutaler Kampf um die letzten EM-Tickets ausgebrochen. Eindhoven-Profi Philipp Max, mit großem Offensivdrang ausgestattet, gefiel zuletzt mit Abstrichen. Der Ex-Augsburger wackelt, genauso wie Niklas Stark und Jonathan Tah, die sich um die Back-up-Rolle des Innenverteidigers streiten.

Immer fraglicher zudem, ob es für Julian Brandt reichen wird. Der Dortmund-Star muss sich gewaltig strecken, um im Sommer wirklich dabei zu sein. Löw warnte: "An der Konstanz muss er arbeiten. Er ist ein bisschen schwankend in den Leistungen und muss die nächste Hürde überspringen."

Ein dickes Fragezeichen steht weiterhin hinter Marco Reus. Der BVB-Kapitän war lange verletzt, machte sein letztes Länderspiel vor über einem Jahr. Im Klub kommt er aktuell immer besser in Tritt. "Marco braucht Stabilität und Durchhaltevermögen", betonte Löw: "Wir hoffen, dass er in dieser Saison in einen guten Rhythmus kommt und verletzungsfrei bleibt."

Henrichs wieder im Fokus - Schulz raus

Defensivmann Benjamin Henrichs hat sich nach seinem Sommer-Wechsel von Monaco nach Leipzig wieder in den Fokus gespielt. Er ist flexibel einsetzbar, hat aber nur geringe Außenseiter-Chancen. So sieht es auch bei Suat Serdar (kämpft sich aktuell nach Verletzung zurück), Jonas Hofmann (verletzte sich während der Länderspielpause) und Nadiem Amiri aus. Das Trio hat nur Mini-Chancen.

Aus dem EM-Kader gekickt hat sich vorerst Nico Schulz. Der BVB-Star, bei der WM 2018 noch dabei, wurde von Löw vorzeitig heimgeschickt. "Ich halte viel von Nico, wenn er fit ist und einen guten Rhythmus hat." Von diesem ist der 27-Jährige (nur sechs Liga-Minuten beim BVB) in dieser Saison allerdings meilenweit entfernt.

Keine Chancen haben zudem Mahmoud Dahoud, Felix Uduokhai, Ridle Baku, Mark Uth und Sebastian Rudy.

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Götze im Wartestand - wie Hummels, Boateng und Müller

Im Wartestand stehen Mario Götze, der sich nach starkem Einstand in Eindhoven wieder leise Hoffnungen macht, sowie die ausgebooteten 2014er Weltmeister Mats Hummels, Jérôme Boateng und Thomas Müller.

Es gilt aber als höchst unwahrscheinlich, dass Löw einen der vier genannten Kicker mitnehmen wird.

Das EM-Barometer von SPORT1:

Sicher dabei:

Manuel Neuer, Leon Goretzka, Joshua Kimmich, Toni Kroos, Niklas Süle, Matthias Ginter, Serge Gnabry, Leroy Sané, Kai Havertz, Timo Werner, Ilkay Gündogan, Marc André ter Stegen

Wahrscheinlich dabei:

Lukas Klostermann, Marcel Halstenberg, Antonio Rüdiger, Thilo Kehrer, Julian Draxler, Florian Neuhaus, Kevin Trapp, Luca Waldschmidt, Robin Koch, Emre Can, Robin Gosens

Wackeln:

Julian Brandt, Marco Reus, Philipp Max, Benjamin Henrichs, Jonathan Tah, Niklas Stark, Bernd Leno, Suat Serdar, Nadiem Amiri, Jonas Hofmann

Nicht dabei:

Nico Schulz, Mahmoud Dahoud, Felix Uduokhai, Ridle Baku, Mark Uth, Sebastian Rudy

Im Wartestand:

Mats Hummels, Jérôme Boateng, Thomas Müller, Mario Götze

VIDEO: Effenberg setzt sich für Löw ein