Wie Deutschland bei der EM spielen könnte

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Wie Deutschland bei der EM spielen könnte
Wie Deutschland bei der EM spielen könnte

Nach der Nominierung des deutschen EM-Kaders am Mittwoch rätselt Fußball-Deutschland schon, wie Joachim Löw seine Elf im ersten Spiel gegen EM-Favorit Frankreich auf den Rasen schickt.

Hält der Bundestrainer an seiner in letzter Zeit favorisierten Dreierkette fest? Auf welcher Position plant er mit Joshua Kimmich? Und wird er die Rückkehrer Mats Hummels und Thomas Müller sofort bringen? (BERICHT: Das ist Löws EM-Aufgebot)

Bei der offiziellen Kaderbekanntgabe zeigte der DFB einen Kurzfilm, in dem Löw vor einem Flipchart zu sehen ist, in dem ein 4-4-2-System angeordnet ist.

Ob dies ein (schlecht versteckter) Hinweis war oder nichts zu bedeuten hat, wird erst der 15. Juni zeigen, wenn die DFB-Elf gegen den Weltmeister antritt. (Hier zum Spielplan der Fußball-EM 2021)

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Sicher ist allerdings jetzt schon, dass der deutsche Kader in vielen Bereichen zwar Qualität im Überfluss hat, aber auch einige Baustellen aufweist.

SPORT1 checkt das Aufgebot und beleuchtet die größten Problemstellen.

TORHÜTER (Manuel Neuer, Bernd Leno, Kevin Trapp)

Falls sich Manuel Neuer nicht noch verletzt, ist auf der Torwartposition alles klar. Der Bayern-Keeper ist nach wie vor Weltklasse und wäre auch dann die deutsche Nummer 1 gewesen, wenn Marc-André ter Stegen nicht aufgrund seiner Knie-OP für die EM ausgefallen wäre.

Mit einem ter Stegen als Stellvertreter hätte Löw auch bei einem Neuer-Ausfall keine Bedenken gehabt - doch nun muss er eine neue Nummer 2 bestimmen.

Mit Kevin Trapp (Eintracht Frankfurt/30 Jahre/5 Länderspiele) und Bernd Leno (FC Arsenal/29 Jahre/8 Länderspiele) stehen zwei Torhüter parat, die bereits internationale Erfahrungen gesammelt haben. Auch wenn beide Keeper nicht an die Leistungen eines Neuers und ter Stegens herankommen, würde der Qualitätsverlust nicht eklatant sein.

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ABWEHR (Matthias Ginter, Robin Gosens, Christian Günter, Marcel Halstenberg, Mats Hummels, Lukas Klostermann, Robin Koch, Antonio Rüdiger, Niklas Süle)

In der deutschen Verteidigung wird es schon kniffliger.

Je nachdem, wie Löw spielen wird (Dreier- oder Viererkette) - wirklich ruhig schlafen lässt viele Fans wahrscheinlich keine Abwehrformation. Bei einem Vierer-Riegel hat Löw die Wahl in der Innenverteidigung zwischen Antonio Rüdiger, Mats Hummels, Niklas Süle, Matthias Ginter oder Robin Koch - auf den ersten Blick also genug Qualität, um höheren Ansprüchen zu genügen.

Die neuralgischen Positionen sind allerdings die der Außenverteidiger. Auf der rechten Seite stünde mit Joshua Kimmich zwar die Premium-Lösung parat, doch der Bayern-Star wird eigentlich im zentralen Mittelfeld gebraucht. Egal ob Emre Can, Lukas Klostermann, Matthias Ginter oder Niklas Süle: Eine vergleichbar starke Alternative ist im deutschen Kader nicht vorhanden.

Auf der linken Seite ist die Not noch größer. Schon seit Jahren sucht Löw den passenden Mann für die Außenbahn - und wird ihn bis zu seinem letzten Spiel als Bundestrainer vermutlich nicht mehr finden. Zuletzt durfte Atalanta-Legionär Robin Gosens ran und erledigte die Aufgabe wie die meisten Vorgänger: nicht schlecht, aber auch nicht richtig gut.

Mit Marcel Halstenberg und Überraschungsmann Christian Günter hat Löw zwei Alternativen, die auf internationalem Top-Niveau nicht konkurrenzfähig sein dürften. Es wie bei der WM 2014 zu machen, als Löw seine Viererkette ausschließlich mit Innenverteidigern bildete, scheint diese Mal nicht möglich, da nur Halstenberg Linksfuß ist.

Bei einer Dreier- bzw. Fünferkette ist die Situation ähnlich. Auch hier hat der Bundestrainer, verglichen mit anderen Top-Nationen, auf den Außenbahnen nicht das beste Personal zur Verfügung. Während Gosens in Bergamo häufig als linker Schienenspieler fungiert, sieht es auf der rechten Seite mau aus. Aufgrund fehlender Geschwindigkeit ist dort auch ein Kimmich keine echte Alternative.

MITTELFELD (Emre Can, Leon Goretzka, Ilkay Gündogan, Joshua Kimmich, Toni Kroos, Florian Neuhaus, Jonas Hofmann, Jamal Musiala, Serge Gnabry, Thomas Müller, Leroy Sané)

Ganz klar der Luxusbereich im deutschen Kader. Löw hat unzählige Möglichkeiten, Spieler von Weltklasse auf mehreren Mittelfeldpositionen einzusetzen.

Der Überfluss auf der Sechser-Position ist sogar so groß, dass ein Toni Kroos, Ilkay Gündogan oder Leon Goretzka - Stützen bei Real Madrid, Manchester City und FC Bayern - ihres Stammplatzes nicht sicher sein können. Wirklich gesetzt scheint lediglich Kimmich - falls er nicht auf der defensiven Außenbahn aushelfen muss.

Auch im offensiven Mittelfeld hat der Bundestrainer genügend Asse im Ärmel. In einem 4-3-3 dürften Serge Gnabry und Leroy Sané auf den beiden Außenpositionen gesetzt sein, während Thomas Müller wie gewohnt als Freigeist den zentralen Part spielen könnte. Als Überraschungskandidaten könnten aber auch Super-Dribbler Jamal Musiala oder Anlauf-Spezialist Jonas Hofmann einspringen.

Baustellen dürfte es entsprechend keine geben, eher die Frage: Für wen reicht es nicht?

ANGRIFF (Kai Havertz, Kevin Volland, Timo Werner)

Neben den defensiven Abwehrpositionen ist die Sturmspitze wie schon seit Jahren ein echtes Problemkind in der Nationalmannschaft. In der Torjägerliste der Bundesliga sucht man auf den ersten sechs Rängen vergeblich nach einem deutschen Spieler. Lars Stindl mit seinen 13 Treffern ist noch der torgefährlichste - der Gladbacher fehlt aber im Aufgebot und ist ohnehin kein klassischer Neuner.

Wie schon bei den vergangenen Turnieren muss Löw aus seiner Not eine Tugend machen und eher auf eine falsche Neun setzen - etwa mit Timo Werner, Kai Havertz oder auch Müller.

Mit Kevin Volland hat der Bundestrainer aber zumindest einen Spieler im Kader, der die Rolle des klassischen Mittelstürmers ausfüllen kann. Mit 16 Toren in seiner Debütsaison bei AS Monaco hat sich der frühere Leverkusener die Nominierung durchaus verdient, auch wenn sie überraschend kam.

Dennoch ist im Kreis der Top-Nationen die deutsche Elf die einzige, die ohne einen echten Super-Knipser auskommen muss.

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