Labore finden Mineralöl in Babymilch-Produkten

Sandra AlterFreiberufliche Journalistin
Yahoo Finanzen

In 50 Säuglingsmilch-Produkten wurden bei Untersuchungen Mineralölrückstände gefunden. 14 der Proben enthielten sogar die besonders gefährlichen aromatischen Mineralöle (MOAH). Verbraucherschützer fordern: Die betroffenen Produkte müssen vom Markt genommen werden.

(Bild: Getty)
(Bild: Getty)

Bereits im Oktober 2019 hatte die unabhängige Organisation Foodwatch einen Labortest öffentlich gemacht, der gesundheitsgefährdende Mineralöle bei Babymilch-Produkten von Nestlé und Novalac nachwies. Neue Testergebnisse bei staatlichen Untersuchungen der Chemischen und Veterinäruntersuchungsämter (CVUA) in Münster und Stuttgart belegten die Belastung in Babymilchen. Doch Ministerien und Behörden sind seit Monaten untätig.

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In allen 50 untersuchten Proben wies das CVUA Münster gesättigte Mineralöle  (MOSH) nach. Der Stoff kann etwa über Verpackungen oder Produktionswege in die Lebensmittel gelangen. MOSH reichern sich in Körpergeweben und Organen an, ihre genauen Auswirkungen sind wissenschaftlich noch unklar. 

14 Babymilch-Produkte enthielten gefährliche MOAH

In 14 der 50 Babymilch-Proben fanden die Labore sogar die besonders gefährlichen MOAH. Sie stehen nach Einschätzung der Europäischen Lebensmittelbehörde EFSA in Verdacht, Krebs auszulösen und das Erbgut zu schädigen. Sie haben selbst in kleinsten Mengen in Lebensmitteln nichts zu suchen.

Das CVUA Münster fand die aromatischen Mineralöle (MOAH) in folgenden Produkten von Nestlé, Novalac, Humana und Rossmann:

  • Nestlé-Produkte: „BEBA Pro HA 2“, „BEBA Supreme Pre, von Geburt an“„BEBA Optipro 2“„BEBA Optipro 1“„BEBA Pro HA 1, von Geburt an“ und „BEBA Pro HA Pre“

  • Novalac-Produkte: „Säuglingsmilchnahrung PRE 400g“ und „BK, Blähungen und Koliken“

  • Humana-Produkte „SL Spezialnahrung bei Kuhmilchunverträglichkeit“ und „Anfangsmilch 1 von Geburt an“

  • Rossmann-Eigenmarke Babydream „Kinderdrink ab 1 Jahr“

Ob sich die betroffenen Produktchargen noch im Handel befinden, ist laut Foodwatch unklar. Auch sei kein Nachweis der Hersteller bekannt, dass ihre mit Mineralöl verunreinigten Produkte mittlerweile etwa infolge von veränderten Produktionsabläufen oder Rohstoffquellen garantiert unbelastet sind. Die Laborbefunde würden jedoch belegen, dass die betroffenen Unternehmen mit ihren Produktionsabläufen die Unbedenklichkeit ihrer Babyprodukte nicht garantieren konnten.

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Bereits im vergangen Jahr hatte sich Julia Klöckner, Bundesministerin für Ernährung und Landwirtschaft, zu den von Foodwatch im Oktober veröffentlichten Testergebnissen geäußert: „Es geht hier um die Gesundheit von Kindern und Babys, die besonders schutzbedürftig sind. Ich verlange hier Transparenz. Wenn sich herausstellt, dass Baby- oder Säuglingsmilch der Gesundheit unserer Kleinsten schaden könnte, darf sie nicht im Supermarkt landen. Unsere Lebensmittel müssen sicher sein. Darauf müssen sich unsere Verbraucher verlassen können – das ist die gesetzliche Grundlage."

Ministerium und Behörden blieben trotz vorliegender Ergebnisse untätig

Doch trotz bereits längst vorliegender amtlicher Untersuchungsergebnisse seien Behörden und das Ministerium untätig geblieben, lautet der Vorwurf von Foodwatch: Während foodwatch die amtlichen Untersuchungsergebnisse erst durch ein langwieriges formales Antragsverfahren erhalten konnte, waren dem Klöckner-Ministerium bereits Anfang Dezember erste Ergebnisse staatlicher Analysen von Babymilch bekannt. Das geht aus einer Antwort des Ministeriums auf eine Schriftliche Anfrage der Bundestagsabgeordneten Amira Mohamed Ali vom 10. Dezember 2019 hervor. Doch weder das Ministerium noch andere Behörden machten öffentlich, in welchen Babyprodukten die gesundheitsgefährdenden Substanzen nachgewiesen wurden. Stattdessen betonte das Klöckner-Ministerium in dem Antwortschreiben, dass Nestlé Deutschland bei „Eigenkontrolluntersuchungen“ keine aromatischen Mineralöle finden konnte.

Foodwatch: Babymilch mehrerer Hersteller mit Mineralölrückständen belastet

„Dass die Bundesregierung die Geschäftsinteressen von Nestlé & Co. über den Gesundheitsschutz von Säuglingen stellt, ist ein Skandal. Frau Klöckner darf die Untersuchungsergebnisse nicht länger ignorieren, sondern muss endlich handeln und dafür Sorge tragen, dass mineralölbelastete Babyprodukte sofort aus dem Handel geräumt werden.“, so Martin Rücker, Geschäftsführer bei Foodwatch.


Auch die Verbraucherzentrale Hamburg macht auf die Missstände aufmerksam, die durch Foodwatch aufgedeckt wurden. Sie fordert: „ Falls die belasteten Produkte noch auf dem Markt sind, müssen sie umgehend aus dem Handel entfernt werden. Wir brauchen endlich eine gesetzliche Grundlage mit sicheren Grenzwerten. Viele Jahre sind schon vergangen, ohne dass die EU-Kommission noch das Bundesernährungsministerium Fakten geschaffen haben.“

Detaillierte Testergebnisse der Chemischen und Veterinäruntersuchungsämter (CVUA) in Münster und Stuttgart finden Sie hier bei Foodwatch.

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