Der Messi des Handballs sagt Adieu

Der Messi des Handballs sagt Adieu
Der Messi des Handballs sagt Adieu

Die Handball-Bundesliga verliert eine Legende!

Am Ende der Saison verlässt Andy Schmid die Rhein-Neckar Löwen und kehrt zurück in seine Schweizer Heimat. „Es ist ganz einfach an der Zeit, nach Hause zu gehen“, begründete der 38-Jährige diesen Schritt nach 12 Jahren in der HBL, die er ausschließlich bei den Löwen verbrachte. (NEWS: Alles zur HBL)

Wie es nach der Rückkehr weitergehen soll, darüber hat sich der Rückraumspieler allerdings noch keine Gedanken gemacht. „Ob ich dort dann noch weiter Handball spiele, kann ich momentan nicht beantworten.“

Zwar bereite ihm Handball immer noch eine große Freude, wie er betonte, aber der Körper melde sich doch immer mehr zu Wort. „Ich spüre den wachsenden Verschleiß, die vielen Spiele, die kurzen Pausen, die ständige Belastung, die kleineren Wehwehchen“, erklärte er im SWR und fügte hinzu: „Am Tag nach dem Spiel komme ich die Treppe zu Hause nicht mehr so gut herunter wie vor ein paar Jahren.“

Andy Schmid: Torgefahr und Vorlagengeber in einer Person

Doch trotz dieser Wehwehchen gehört der fünfmalige HBL-MVP auch in dieser Saison wieder zu den absoluten Leistungsträgern der Löwen. Bislang stand er in allen 33 Ligaspielen auf dem Feld und erzielte dabei 146 Tore - 456davon von der Siebenmeterlinie. Überhaupt ist der Mann aus Horgen mit 1.662 HBL-Karrieretoren mittendrin in der Top-10 der besten Torschützen, die noch aktiv sind.

Grund für diese grandiose Ausbeute ist sein breites Repertoire. Egal, ob Schlag- oder Sprungwurf, der Schweizer kann aus jeder Position Torgefahr heraufbeschwören.

Aber er ist nicht nur auf den eigenen Erfolg aus. Auch sein Auge für besser positionierte Mitspieler sorgt für seine Ausnahmestellung. 781 Assists hat er seit der Saison 2014/15, als mit der tiefergehenden Datenerfassung begonnen wurde, auf dem Konto und ist damit die Nummer eins in diesem Zeitraum.

Sogar mit Franz Beckenbauer wurde er verglichen. Andere bezeichneten ihn gar als den Messi des Handballs. Vergleiche die ihm durchaus schmeichelten, die er aber im Gespräch mit Spox nicht zu hoch hängen wollte. „Im Fußball wäre ich wahrscheinlich ein Straßenkicker, aber der Vergleich mit Messi ist dann doch etwas hoch gegriffen vielleicht.“

Verbundenheit zu den Löwen verhindert Wechsel

Bei einer derartigen Performance über so einen langen Zeitraum ist es fast schon verwunderlich, dass dieser Ausnahmekönner so lange im Trikot der Löwen Titeln hinterhergejagt ist.

Zwar habe es immer wieder Anfragen von Topklubs gegeben, aber „überraschend wenige“, wie er im Gespräch mit dem kicker lachend bestätigte. Grund dafür sei seine Zufriedenheit in Mannheim gewesen.

„Ich habe immer relativ frühzeitig meine Verträge verlängert. Ich habe auch aus Selbstschutz einige Anfragen im Keim erstickt. Ich wollte nie in diese Lage gebracht werden, in der ich mir wirklich Gedanken machen muss, ob ich gehen möchte“, erklärte er seinen Karriereweg, bei dem die Familie immer im Vordergrund stand. „Ich hatte hier alles, meine Familie und meine Kinder fühlen sich sehr wohl. Das ist für mich viel entscheidender als ein paar Euros mehr.“

Harter Start: „Maskottchen war wichtiger als ich“

Zu Beginn sah es jedoch nicht nach dieser Erfolgsgeschichte aus. Schmid kam 2010 aus Dänemark zu den Löwen und hatte einen mehr als schwierigen Start. „Die Löwen waren damals ein aufstrebender Verein, der viele teure Spieler geholt und so ein bisschen nach Namen und Torschützenliste eingekauft hat“, beschrieb er die Situation bei Spox. Da habe sein Name nicht so recht reingepasst. „Ich war zur falschen Zeit im falschen Verein.“

Bei Heimspielen durfte er meist nur auf der Bank zuschauen. „Zu der Zeit war das Maskottchen bei den Spielen fast wichtiger als ich.“

Aber sein Ehrgeiz verbot ihm, diese persönliche Niederlage hinzunehmen - und es wendete sich alles zum Guten. 12 Jahre später geht Schmid als zweimaliger deutscher Meister (2016 und 2017), DHB-Pokalsieger (2018) und EHF-Europa-Pokal-Sieger (2013) in die Heimat zurück.

Abschied in Magdeburg

All diese Erfolge lassen den Abschied mit etwas Wehmut näher rücken, wie er gestand. „Es gab in letzter Zeit viele Momente, bei denen ich dachte: Das ist jetzt echt das letzte Mal. Bald ist es vorbei.“

Dennoch habe er die Entscheidung, in die Schweiz zurückzukehren, sehr bewusst getroffen, was den Abschied etwas einfacher macht. Und auch, wenn noch nicht klar ist, ob er in der Heimat nochmal als Handballer aktiv sein wird, ist die Zukunft doch schon in groben Zügen geplant. „Ich möchte sehr gerne Trainer werden“, ist sich Schmid sicher. (SERVICE: HBL-Tabelle)

Und genau wie als Spieler, soll es auch an der Seitenlinie so weit wie möglich nach oben gehen. „Ich will ganz oben ankommen, verfolge die höchsten Ziele. Ich möchte gerne einmal einen Top-Verein oder eine Nationalmannschaft trainieren.“

Kretzschmar huldigt Schmid

Vor seinem letzten Spiel in der HBL, einem Gastspiel beim neuen Deutschen Meister SC Magdeburg, hat sich Schmid am Mittwochabend bereits von den heimischen Fans verabschieden. Zwar setzte es im Kracher gegen den THW Kiel eine 26:33-Niederlage, an der Dankbarkeit der Löwen-Fans änderte das jedoch nichts.

Und auch ein Wegbegleiter huldigte dem Schweizer. Bei Instagram postete Handball-Legende Stefan Kretzschmar ein gemeinsames Bild und schrieb dazu: „Es war mir eine Ehre! Einfach alles! Dir einfach nur zuzuschauen, zu staunen und zu genießen. du bist ein wahrer Handballvirtuose. Ein Handballwolf im Schafspelz. Ein stiller Killer. Ein großartiger Spieler und vor allem ein toller Mensch.“

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