Die Legende, die sogar Nowitzki übertrumpfte

Franziska Wendler
Sport1

Unbedeutender hätte eine Abschiedspartie kaum sein können.

Am 11. März duellierten sich in der State Farm Arena in Atlanta die Hawks mit den New York Knicks. Beide Teams waren im Rennen um die Playoffs chancenlos, zudem wurde die NBA-Saison aufgrund der Coronakrise ohnehin noch am selben Tag vorerst abgebrochen.

Dennoch findet das unwichtig wirkende Spiel seinen Platz in den Geschichtsbüchern – als letzte Partie von Vince Carter.

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Letztes Spiel für "Air Canada"

Und weil dies damals auch die anwesenden Fans in der Halle kommen sahen, forderten sie in den Schlusssekunden lautstark einen Einsatz von "Air Canada". "We want Vince, we want Vince", tönte es durch die Halle und 19,5 Sekunden vor dem Ende betrat der inzwischen 43-Jährige das Parkett.

Dann setzte Carter ein letztes Mal zum Wurf an und versenkte den Ball kurz hinter der Dreierlinie stehend im Korb. "Immerhin habe ich meinen letzten Wurf versenkt. Wenn es das gewesen sein sollte, dann passt das für mich", sagte er damals nach der Schlusssirene.

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Was Anfang März bereits abzusehen war, ist nun Realität. Vince Carter hat seine Karriere beendet. "Ich bin offiziell damit fertig, professionell Basketball zu spielen", sagte der 43-Jährige am Donnerstag im Podcast Winging It.

Rekord für Vince Carter

Mit Carter verlässt nicht nur ein Fanliebling, sondern auch ein Rekordhalter die große NBA-Bühne.

Insgesamt 22 Jahre lang spielte "Air Canada" in der besten Basketball-Liga der Welt – Rekord. Die bisherige Bestmarke von 21 Spielzeiten hatte er sich unter anderem mit Dirk Nowitzki und Kevin Garnett geteilt, nun ist der zuletzt älteste aktive Spieler alleiniger Rekordhalter.


Als Carter vor Beginn der aktuellen Saison ankündigte, noch ein weiteres Jahr für die Hawks auflaufen zu wollen, schrieb ihm Nowitzki in einer privaten Nachricht: "Du bist verrückt".

Doch die Anzahl der gespielten Saisons ist nicht der einzige Rekord, den Carter inne hat. 1998 wurde er, genau wie Nowitzki, in die NBA gedraftet und ist nun der einzige Spieler, der in vier verschiedenen Jahrzehnten ein Spiel bestritten hat.

Als letzter verbliebener Akteur, der in den 90er den Weg in die Liga fand, beendet "Vinsanity" auch endgültig eine Ära, die er gemeinsam mit Nowitzki, Kobe Bryant, Kevin Garnett, Tim Duncan & Co. mitgeprägt hatte.

Sieg beim Slam Dunk Contest

Als er 1998 von den Warriors in der ersten Runde an Position fünf gepickt, aber sofort an die Raptors weiter getradet wurde, war aufgrund des Talents mit einer starken Karriere zu rechnen - nicht aber mit dieser Länge.

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Im Laufe der Jahre war es vor allem seine außergewöhnliche Athletik und Sprungkraft, die ihm die Sympathie der Fans einbrachte. Im Jahr 2000 entschied Carter den Slam Dunk Contest für sich und setzte in der Ausführung der Sprünge ganz neue Maßstäbe.

Wenig später gewann er mit der US-amerikanischen Nationalmannschaft Gold bei den Olympischen Spielen in Sydney, wobei er sich mit einem Move unvergessen machte. Im Gruppenspiel gegen den späteren Finalgegner Frankreich stand ihm der 2,18 Meter große Center Frédéric Weis im Weg. Anstatt ihn zu umspielen, sprang Carter spielerisch leicht über ihn drüber.


Stress mit Fans der Raptors

Seine Mutter Michelle Carter-Scott beschrieb die Sprungkraft und den Spielstil ihres Sohnes in der Netflix-Doku "The Carter Effect" Jahre später als "Ballett in der Luft".

Für Vince Carter gab es während seiner NBA-Karriere jahrelang nur die Toronto Raptors. Von 1998 bis 2004 trug er das Trikot der Kanadier und leistete beim Neuling Aufbauarbeit. Als es 2004 zu Streitigkeiten mit dem Management kam, wurde Carter zu den Nets getradet und zog fortan die Buhrufe der Raptors-Fans auf sich.

Schmerzliche Momente für den Guard, auch wenn es später zu einer Versöhnung kam.

Drei Jahre mit Nowitzki bei den Mavs

Neben den Raptors und den Nets zog es Carter noch zu sechs weiteren NBA-Teams. So spielte er von 2011 bis 2014 drei Jahre lang an der Seite von Dirk Nowitzki bei den Dallas Mavericks.


In den Playoffs 2014 gelang ihm im Duell mit den Spurs ein legendärer Gamewinner in der letzten Sekunde, den er ausführlich mit dem deutschen Superstar feierte.

Zur endgültigen Krönung reichte es für Carter aber dennoch nie. Trotz 22 Spielzeiten gewann er nicht eine einzige Meisterschaft.

Ein kleiner Makel auf einer ansonsten außergewöhnlichen Karriere.

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