Letzte Chance für Citys Millionentraum?

Lukas Scherbaum
Sport1

Vergangene Saison hätte es für Manchester City auf nationaler Ebene nicht besser laufen können: Sämtliche Titel gingen an die Skyblues. Meisterschaft, FA Cup und Ligapokal sowie der Superpokal wurden von den Citizens in die Höhe gestreckt.

Doch das ernüchternde Fazit von Coach Pep Guardiola lautete dennoch: "Es war eine herausragende Saison, doch die Leute sagen: 'Aber du hast die Champions League nicht geholt'."

Vor allem ein Satz scheint den spanischen Startrainer einzuholen: "Ich weiß, dass ich als Versager in Erinnerung bleiben werde, wenn wir die Champions League nicht gewinnen."

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Es ist Guardiolas größter Makel - wenn man denn einen bei ihm sucht.


Zweimal konnte der Fußball-Perfektionist den begehrten Henkelpott als Trainer gewinnen, beide Male mit dem FC Barcelona. 2008/2009 und 2010/2011 begeisterte "sein Barca" die Fußballwelt.

Nach erfolgreichem Abstecher nach Deutschland, wo er mit dem FC Bayern dominierte, lotste Scheich Mansour bin Zayed Al Nahyan den Erfolgscoach zu seinem Projekt: Manchester City.

Citys wahnwitzige Ausgaben

Seit 2009 lenkt Al Nahyan die Geschicke des Klubs. Das Mitglied der Herrscherfamilie Abu Dhabis investierte seitdem mehr als 1,5 Milliarden Euro (!) in den himmelblauen Teil Manchesters. 

Als Guardiola dann 2016 verpflichtet wurde, sicherte ihm der Klub die vollständige Kontrolle über die Transfers zu - ein Wunsch, den die Bayern dem Spanier damals verwehrten. Und wohl einer der Gründe, weshalb es zur Trennung kam.


Guardiola baute sich bei City sein Siegerteam zusammen, wie man es sonst nur aus Computer-Simulationen des Fußballs kennt. Rechnet man die Investitionen unter Guardiola zusammen, holte er Spieler für insgesamt 776 Millionen Euro.

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Höhepunkt der Shoppingtour war 2017/2018, als 317,5 Millionen Euro ausgegeben wurden. Immerhin 91,5 Millionen Euro standen zwar auf der Einnahmenseite, doch die bittere Konsequenz des jahrelangen Finanzgebarens ist bekannt: City wurde jüngst für zwei Jahre in der Königsklasse gesperrt - wegen "schwerwiegender" Verstöße gegen die Richtlinien des Financial Fairplay.

Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass Guardiola und City so viel Geld ausgaben wie kein Zweiter, in der Champions League jedoch nicht einmal in ein Halbfinale vorstießen.

Wenngleich der Fußball, den der Spanier zelebrieren lässt, wohl der Beste ist, den die Fußballwelt in den vergangenen Jahren sehen durfte. Das betont auch sein Kontrahent Jürgen Klopp: "Sie haben sensationellen Fußball gespielt und haben der Premier League geholfen, sich zu verbessern", lobt der deutsche Coach des FC Liverpool. "Ich bewundere immer, was sie tun - und was Pep tut."

Erneut Endstation Real Madrid?

Viele Titel hat City seit dem Einstieg des Scheiches mittlerweile gewonnen, doch die Königsklasse fehlt nach wie vor. 


Zwar sind die Citizens in beiden englischen Pokalen im Rennen (im Ligapokal wartet am 1. März das Finale gegen Aston Villa). Doch die Meisterschaft hat Guardiola bereits abgeschrieben. 22 Punkte hechelt City Liverpool hinterher. Guardiola gratulierte Klopp schon mehrfach vorzeitig zum Titel. (Service: Premier-League-Tabelle)

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Der Fokus liegt also auf der Königsklasse, noch mehr als vor der Sperre in diesem Wettbewerb. Unter Guardiola gab es im Premierenjahr das Aus gegen die AS Monaco im Achtelfinale. Dann war zweimal im Viertelfinale Schluss: 2018 gegen Liverpool, vergangene Saison knapp gegen Tottenham Hotspur.

Nun steht ein wahrlich undankbares Duell gegen Real Madrid an. (Champions League: Real Madrid - Manchester City, ab 21 Uhr im LIVETICKER)

Die Königlichen sind immer noch eine der Mannschaften, die es zu schlagen gilt, will die Champions League gewonnen werden. Unter Guardiolas Vorgänger Manuel Pellegrini gab es 2015/2016 das Aus im Halbfinale gegen das Team von Zinédine Zidane.


Auch Guardiola selbst hat seine ganz eigenen Erinnerungen an Madrid in der Champions League. "Das 0:4 mit den Bayern" (gegen Real Madrid im CL-Halbfinale 2014, Anm. d. Red.) ist nach eigener Aussage die schlimmste Niederlage, die er je hinnehmen musste.

Ist dieses Jahr Guardiolas letztes in Manchester?

Das Spiel am Mittwochabend wird ein "wirklicher Test", weiß Guardiola. Der 49-Jährige lässt sich dabei sogar zur einer Kampfansage hinreißen: "Meine Spieler, ich selbst, der ganze Verein wird für diesen Titel kämpfen." 

Ein Störfeuer vor der Partie entfacht ausgerechnet einer seiner Schützlinge. Raheem Sterling wird mit einem Wechsel zu Real in Verbindung gebracht, um dort in die Fußstapfen von Cristiano Ronaldo zu treten.

Im Gespräch mit der AS schwärmt der Flügelspieler über die Königlichen: "Wenn du das weiße Trikot siehst, weißt du genau, wofür der Klub steht, das ist gewaltig". Ein Treuebekenntnis zu City vermied der 25-Jährige. "Keiner weiß, was die Zukunft bringt."


Und genau das ist Citys größtes Problem: Was passiert mit den Superstars, wenn der Verein demnächst wirklich nicht in der Königsklasse ran darf? Was wird aus Pep Guardiola, der 29 Titel in seiner Karriere gewinnen konnte, aber selbst keinen Hehl daraus macht, dass er die Champions League gerne noch einmal gewinnen möchte?

City hat den Fall der Sperre vor den Sportgerichtshof CAS gebracht - Ausgang offen. Ähnlich offen, wie die Zukunft des Trainers, auch wenn der zuletzt betonte, dem Verein treu zu bleiben. 

Zur Erinnerung: Nach vier Jahren war Schluss bei Barca, nach drei Spielzeiten war Guardiolas Zeit in München vorbei.

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