Levin Öztunali im Goal-Interview: “Von Rolfes habe ich sehr viel gelernt”

EXKLUSIV

Mit nur 21 Jahren hat Levin Öztunali schon für drei Klubs in der Bundesliga gespielt. Aber erst seit seinem Wechsel zu Mainz 05 im vergangenen Sommer kann der Gewinner der silbernen Fritz-Walter-Medaille konstant seine Leistung auf den Platz bringen und hat sich bei den Rheinhessen zum Stammspieler gemausert.

Im Goal-Interview spricht der Enkel von Fußball-Legende Uwe Seeler über das Privileg, Fußballprofi sein zu können, seine Entscheidung für Mainz und seine Rolle im Spiel von Trainer Martin Schmidt. Außerdem verrät er, welcher Spieler ihm in seiner Anfangszeit am meisten geholfen hat und ob er in Kontakt mit Bundestrainer Joachim Löw steht.

Herr Öztunali, Sie hatten vor kurzem Geburtstag. Kann man so einen Tag, mitten im Ligabetrieb, ausgiebig feiern?

Levin Öztunali: Ausschweifend kann man ihn natürlich nicht feiern. Wir hatten an dem Tag zweimal Training, waren also den ganzen Tag auf dem Trainingsgelände. Abends sind wir dann noch mit der Mannschaft als Zuschauer zum Auswärtsspiel unserer U23 nach Wiesbaden gefahren.

Was schenkt man sich eigentlich innerhalb einer Fußballmannschaft zum Geburtstag?

Öztunali: Ein Geschenk gab es keines. Bei uns ist es üblich, dass derjenige, der Geburtstag hat, ein Essen für die anderen ausgibt. Das steht aber noch aus und muss zuerst koordiniert werden. Worauf es am Ende hinausläuft, kann ich noch nicht sagen. (lacht)

Sie sind jetzt 21 Jahre alt und haben schon über 70 Einsätze in der Bundesliga vorzuweisen. Eine Zahl, auf die Sie stolz sind?

Öztunali: Es ist schön, dass ich in meinem Alter schon so viel Erfahrung sammeln konnte. Ich merke auch selbst, dass man – gerade bei unserer jungen Mannschaft – schon zu den erfahrenen Spielern gehört. Trotzdem: Darauf ausruhen kann man sich nicht. Es geht jede Woche wieder von vorne los, man muss sich zeigen, damit man auch wieder auf dem Spielfeld steht und weiter Erfahrungen sammeln kann.

Diese Erfahrungen sammeln zu dürfen - ist es ein Traum, der für Sie in Erfüllung gegangen ist?

Öztunali: Klar, ich konnte mein Hobby zu meinem Beruf machen. Ich erinnere mich noch, wie ich als Kind auf dem Bolzplatz angefangen habe, da hätte ich nie damit gerechnet. Dann ging es immer schneller und vom Niveau her immer weiter nach oben. Ich kann mich glücklich schätzen, das erleben zu dürfen – wie jeder andere Fußballer. Ich kann heute das machen, woran ich schon früher am meisten Spaß hatte.

Warum haben Sie sich vor der Saison für Mainz entschieden?

Öztunali: Wir haben hier eine junge Mannschaft, der Fußball, der hier gespielt wird passt zu mir und der Trainer hat mir in einem super Gespräch gezeigt, was er für Pläne hat, nämlich eine junge Mannschaft zu entwickeln und schnellen Fußball zu spielen. Darüber hinaus konnten wir am Anfang der Saison auch noch in der Europa League wichtige Erfahrungen sammeln. Das Gesamtpaket hat bei Mainz einfach gestimmt. Ich bin froh, hier zu sein und ich konnte mich im letzten halben Jahr auch schon weiterentwickeln.

Was ist konkret Ihre Rolle im Spiel von Trainer Martin Schmidt?

Öztunali: Wichtig ist, dass ich auch in der Offensive versuche, mich in Szene zu setzen. Ich soll in den entsprechenden Situationen dran bleiben, vielleicht auch mal an ein paar Gegenspielern vorbeigehen und letzten Endes  eine gewisse Durchschlagskraft an den Tag legen. Daran haben wir in den vergangenen Monaten intensiv gearbeitet.

Hat das aus Ihrer Sicht bereits funktioniert?

Öztunali: Ich bin auf jeden Fall effektiver geworden. Ich bin aktiver ins Spiel eingebunden und komme öfter in die entscheidenden Situationen. Und dann geht es darum, diese auszunutzen, sei es, ein Tor zu machen, eine Vorlage zu geben oder einfach einen Angriff zu initiieren.

Wie schätzen sie die bisherige Saison von Mainz 05 ein?

Öztunali: In der Hinrunde ging es in allererster Linie darum, der Dreifachbelastung standzuhalten und die nötigen Punkte zu holen. Das haben wir in der Liga auch ganz ordentlich gemacht. Klar, wir hatten ein, zwei Spiele, in denen wir eine Führung verschenkt haben. Es waren auch immer wieder die Momente da, wo wir eine Begegnung gewinnen, aber in der nächsten dann nicht nachlegen konnten. Wir dürfen jetzt auf keinen Fall nachlassen.

Sie gehören zum Stammpersonal des FSV, standen im Großteil der Partien auf dem Platz. Haben Sie eigentlich ein besonderes Ritual vor jedem Spiel?

Öztunali: Im Bus vor einer Partie gehe ich in mich, höre Musik und versuche, mich zu fokussieren – als Ritual würde ich das aber nicht beschreiben.

Bei welcher Musik können Sie sich am besten fokussieren?

Öztunali: Also das wechselt manchmal ein wenig, aber am liebsten höre ich Hip Hop und R'n'B.

Levin Öztunali Simon Rolfes GFX

Sie haben in der Bundesliga bereits für drei Vereine gespielt, haben schon mit vielen Spielern zusammen trainiert und gespielt. Welcher Mitspieler ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Öztunali: Das war während meiner Anfangszeit in Leverkusen Simon Rolfes. Von ihm habe ich sehr viel gelernt. Man konnte sich im Training viel von ihm abschauen und er hat immer wertvolle Tipps gegeben. Nicht selten ist er auch mal länger mit mir auf dem Trainingsplatz geblieben und wir haben noch die eine oder andere Sache geübt. Das war enorm wichtig, damals war ich ja gerade erst 17 Jahre alt.

Sie haben beim DFB sämtliche Jugendnationalmannschaften durchlaufen und sind 2014 U19-Europameister geworden. Welcher Moment ist bei Ihnen am meisten hängen geblieben?

Öztunali: Der Schlusspfiff im Finale – eindeutig. Das war ein sehr knappes Spiel und wir waren froh, als es vorbei war. Das war ein unvergesslicher Moment, ein super Erlebnis. Aber auch das ganze Turnier wird nicht so schnell in Vergessenheit geraten, es hat jeden von uns weitergebracht, spielerisch und auch menschlich. Ich zum Beispiel bin immer noch dabei, jetzt eben in der U21.

Wo sie vergangene Woche wieder in den Kader berufen wurden …

Öztunali: Genau, und es steht am Ende der Saison wieder eine EM an. Mit den besten Spielern aus seinem Jahrgang zusammen zu spielen und sich im internationalen Vergleich zu messen – das ist immer ein tolles Erlebnis.

Stehen Sie eigentlich in Kontakt mit Joachim Löw?

Öztunali: Nein. Ich bin derzeit Spieler bei der U21-Nationalmannschaft. Dort stehe ich natürlich mit den Verantwortlichen in Kontakt. Ich will mich bei Mainz durch meine Leistung anbieten und hoffe, im Sommer die U21-EM spielen zu können.

Was ist denn Ihr größtes Hobby abseits des Fußballs?

Öztunali: Als Fußballprofi hat man oft gar nicht die Zeit, viele Hobbys zu verfolgen. Mein größtes habe ich ja zum Beruf machen können. Schauen Sie sich zum Beispiel unsere Hinrunde mit Mainz an. Wir haben viel trainiert, waren in der Europa League viel auf Reisen, haben viele Nächte im Hotel verbracht. Wenn wir dann mal frei haben, verbringe ich gerne Zeit so viel Zeit wie möglich mit meiner Familie und Freunden.

Mit Yahoo Nutzung stimmen Sie zu, dass Yahoo und Partner Cookies für Personalisierungs- und andere Zwecke nutzen