Lewis Hamilton: Formel 1 setzt sich nicht genug für Menschenrechte ein

Juliane Ziegengeist
·Lesedauer: 2 Min.

Nicht erst seit der "Black Lives Matter"-Bewegung, aber seither umso lauter setzt sich Formel-1-Weltmeister für Gerechtigkeit und soziale Belange ein. Viele Betroffene hoffen, dass sein Engagement gerade in Ländern, in denen die Formel 1 trotz Verstößen gegen Menschenrechte gastiert, etwas Positives bewirken kann.

Zu ihnen zählt auch Bahrain, wo die Königsklasse in der vergangenen Saison gleich zwei Rennwochenenden absolvierte. Im Vorfeld des Grands Prix hatte Hamilton mehrere Briefe erhalten, die die Menschenrechtslage in dem Land anprangerten.

Darunter befand sich auch die Botschaft eines Elfjährigen, dessen Vater - ein Sicherheitsbeamter - 2014 zum Tode verurteilt wurde, weil man ihn für den Tod eines Polizisten bei einem Bombenanschlag während der Massenproteste 2011 verantwortlich machte. Laut Amnesty International kam sein Geständnis unter Folter zustande.

Formel 1 muss auf Verbesserungen hinarbeiten

Hamilton zeigte sich davon bestürzt: "Das Traurigste für mich ist, dass da ein junger Mann in der Todeszelle sitzt und sein Schicksal unklar ist. Als sein Sohn mir diesen Brief schrieb, hat mich das wirklich tief getroffen", verrät der 35-Jährige.

Zwar sagt der Weltmeister: "Letztendlich ist es nicht unbedingt meine Verantwortung, mich zu Orten zu äußern, über die ich nicht alles weiß, aber ich denke, wir müssen immer gemeinsam auf Veränderungen und Verbesserungen hinarbeiten. (...) Alle Leben sind wichtig, deshalb denke ich, es gibt definitiv Arbeit im Hintergrund zu tun."

Er selbst wolle seine Position und Macht nutzen, um dabei zu helfen. Seine Corona-Infektion zwischen den beiden Bahrain-Rennen habe es ihm zwar versagt, sich mit dem Kronprinzen zusammenzusetzen und ihn darauf anzusprechen: "Ich war fast die ganze Woche bettlägerig und konnte natürlich niemanden sehen."

Hamilton sieht "beständiges und massives Problem"

"Aber ich werde es definitiv nicht unbemerkt lassen und versuchen, Gespräche zu führen und zu sehen, wie wir unsere Anwesenheit als Sport positiv nutzen können, wenn wir an diese großartigen Orte gehen", versichert Hamilton.

Der Brite weiß: "Natürlich ist die Menschenrechtsfrage an einigen der Orte, an die wir gehen, ein beständiges und massives Problem. Ich denke, dieses Jahr hat gezeigt, wie wichtig es nicht nur für uns als Sport, sondern für alle Sportarten auf der ganzen Welt ist, die Plattformen zu nutzen, die sie haben, um auf Veränderungen zu drängen."

Als eine der wenigen Sportarten, die in so viele verschiedene Länder reist, müsse die Formel 1 mehr tun und sich stärker engagieren, findet Hamilton. "Ich denke, wir haben einen Schritt in diese Richtung gemacht, aber wir können immer mehr tun."

"Es sind einige Schritte für die Länder, in die wir gehen, eingeleitet worden, aber es ist wichtig sicherzustellen, dass sie auf die richtige Art und Weise umgesetzt werden, sodass wir nicht nur sagen, wir werden etwas tun, sondern sehen, dass tatsächlich etwas getan wird. Das wird von uns allen im Hintergrund etwas Arbeit erfordern."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.