Lewis Hamilton: Konstrukteurs-WM ist fast schöner als die Fahrer-WM

Maria Reyer
·Lesedauer: 4 Min.

Lewis Hamilton und Valtteri Bottas haben es gemeinsam mit Toto Wolff und Co. schon wieder geschafft: Zum siebten Mal in Folge gewinnt Mercedes den Konstrukteurs-WM-Titel. Damit sind die Silberpfeile auch alleinige Rekordhalter und haben ihren Platz in der Geschichte sicher.

"Das ist fast aufregender, den Titel mit dem Team zu gewinnen", gesteht Hamilton nach den ersten Feierlichkeiten. Der Brite kennt das Gefühl, sowohl als Fahrer in der Einzelwertung zu siegen, als auch im Kollektiv den Pokal in die Höhe zu stemmen.

"Das ist ein sehr eigenartiger Sport", gibt er zu. Denn: "Es ist zwar ein Teamsport, aber es gibt zwei Weltmeisterschaften. Eine Meisterschaft ist abhängig vom Individuum, aber im Kern besteht unser Job darin, Punkte und Ergebnisse für das Team abzuliefern."

Der Sieg in der Konstrukteurs-Meisterschaft ist daher schöner, als der Titel als Fahrer. "Weil man das als Kollektiv gemeinsam schafft, mit einer großen Gruppe an Leuten. Und obwohl wir es sind, die auf dem Podium stehen, sind wir anderen [im Team] nicht überlegen."

Hamilton selbst sieht sich nur als ein Glied in der Kette, wie er betont. "Jeder freut sich so sehr, wenn man den Konstrukteurs-Titel gewinnt." Spätestens bei der Weihnachtsfeier würde die Mannschaft, die aus knapp 2.000 Personen besteht, realisieren, welche "außergewöhnliche Leistung" man gemeinsam erbracht hat.

Seit dem Grand Prix der Emilia-Romagna in Imola steht Mercedes außerdem über allen anderen Teams, was Hamilton erstaunt. "Wir haben etwas geschafft, was noch nie jemand zuvor getan hat. Es ist cool, ein Teil davon zu sein." Selbst wenn er heute aufhören würde, würde er diese Erinnerung immer mit seinem Team teilen - "für den Rest meines Lebens".

Ein Blick in die Geschichtsbücher zeigt: Mercedes hat mit sieben WM-Titeln in Folge Geschichte geschrieben und die bislang längste Erfolgsserie (von Ferrari) übertrumpft. Außerdem schaffte Hamilton heute mit Runde 43 seine 5.000. Führungsrunde in der Formel 1, und mit seinem 93. Sieg den 100. für Mercedes in der Hybridära.

Zu diesem speziellen Rennen hatte danach auch Teamchef Toto Wolff viel zu sagen, nur auf dem Podium ließ er Hamiltons #2-Ingenieur Leo Stevens den Vortritt. "Das hat mich ein wenig überrascht", gibt Hamilton zu. Er hatte eigentlich mit dem Österreicher selbst auf dem Treppchen gerechnet.

"Er war vorn mit dabei [im Parc ferme] und hat ein Interview gegeben, daher dachte ich, dass er auch mitraufkommen würde. Und obwohl es sicherlich schön gewesen wäre, zeigt das, welch wahrer Anführer er ist", lobt der sechsfache Champion seinen Teamchef.

Was er besonders am Wiener schätzt: "Er versucht nicht, auf jedem Foto ganz vorne zu stehen. Das Team kommt bei ihm immer an erster Stelle. Ohne Zweifel ist er [im Fahrerlager] der beste Teamchef. Niemand hat einen so guten Job gemacht wie er."

Hamilton glaubt auch zu wissen, was Wolff auszeichnet: seine Mentalität, die Balance aus Antrieb, Leidenschaft, Ego und Verständnis, zählt er auf. "All das vereint sich und lässt den besten Boss, den man sich nur vorstellen kann, entstehen." Ohne ihn wären die sieben WM-Titel nicht möglich gewesen, ist er überzeugt.

Wieder muss das Team und auch Hamilton den Schrank für all die Siegespokale erweitern. In Imola bekamen die Top 3 eine besondere Trophäe überreicht: die Form des Streckenlayouts samt Diamantstein an der Unfallstelle von Ayrton Senna.

Hamilton ist bekannt dafür, Pokale gerne mal zu kritisieren. "Die Pokale der Kartzeit sind zwar aus Plastik, haben aber eine besondere Bedeutung. Wenn man dann durch die Kategorien aufsteigt, werden sie immer schöner und größer. In der Formel 1 hat es wirklich umwerfende Trophäen gegeben."

Doch dann seien Kosten eingespart und oftmals Pokale zu Marketingtools der Hauptsponsoren verkommen, kritisiert der Brite. "Wir hatten ein paar wirklich fragwürdige, wirklich dürftige Trophäen." Doch mit jener, die er am Sonntag erhalten hat, kann er sich anfreunden.

"26 Jahre [nach Ayrton Sennas Unfalltod] habe ich es geschafft zu gewinnen, so wie er es viele Male getan hat. Daher werde ich diese Trophäe definitiv behalten. Sie fühlt sich recht schwer an, hat gutes Gewicht, ist also keineswegs billig."

Mit Bildmaterial von Motorsport Images.