"Liegt der da noch?" So lief das mit Rudys Zahn in Dortmund

SPORT1
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Am 21. Spieltag steht für die TSG Hoffenheim das Auswärtsspiel bei Borussia Dortmund an.

Bundesliga: BVB gegen Hoffenheim am Samstag ab 15.30 Uhr im Liveticker

Nach nur einem Sieg aus fünf Ligaspielen steht fest: Der Vizemeister schwächelt!

Welche Chancen sich deswegen für den Tabellenzwölften aus dem Kraichgau auftun, erklärt Sebastian Rudy im SPORT1-Interview. (Tabelle der Bundesliga

Bei dieser Gelegenheit spricht er auch über die aktuelle Lage bei seinem Ex-Verein Schalke 04.

Rudy: Ständiger Austausch mit Uth

SPORT1: Wie froh sind Sie, dass Sie mit Hoffenheim derzeit über dem Strich stehen und nicht das gleiche wie Ihrem Ex-Verein Schalke 04 droht?

Sebastian Rudy: Es belastet einen, in solch einer Situation zu stecken. Ich schaue mit einem Auge dorthin und fiebere mit, weil ich für die Jungs nur das Beste hoffe. Ich bin jetzt aber froh, hier bei der TSG zu sein.

SPORT1: Wie sind die Verbindungen noch nach Schalke?

Rudy: Ich bin mit Mark Uth im ständigen Austausch. Man merkt schon, dass es eine schwierige Situation ist, das merkt man ihm auch an. Man nimmt solche Sachen mit, kann nicht komplett abschalten. Ich kenne das auch. Das ist keine einfache Situation.

Rudy: Verschenken einfache Tore

SPORT1: Die Saison von Hoffenheim gibt Rätsel auf. Können Sie das erklären?

Rudy: Wenn man sich unsere Spiele anschaut, wird einem eines klar: Dass wir viele einfache Tore herschenken. Auch gegen Frankfurt verlieren wir das Spiel innerhalb von zwei Minuten. Da sind wir auch bei einer Standardsituation nicht wach. Solche Tore sind uns in der Hinrunde sehr oft passiert. Solange wir diese Fehler nicht abstellen, wird es schwierig - gegen jede Mannschaft in der Bundesliga.

SPORT1: Der Vorsprung nach unten beträgt nur fünf Punkte. Wie gefährlich ist die Situation?

Rudy: Wir konzentrieren uns nur auf uns selbst. Die nächste Aufgabe ist jetzt Dortmund und da wollen wir gewinnen. Das Hinspiel gegen Dortmund war auch nicht ganz so schlecht von uns, wir verlieren leider 0:1. Da haben wir noch etwas gutzumachen.

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Rudy verliert Zahn gegen BVB

SPORT1: Sie haben in Dortmund letzte Saison bei Ihrem TSG-Comeback einen Zahn verloren.

Rudy: Liegt der da noch irgendwo? (lacht) Ich habe gar nicht geschaut. Das dauert noch eine Weile mit den Zähnen, aber es wird.

SPORT1: Was war das für ein Moment im Nachhinein? Wie lange hat man so etwas im Kopf?

Rudy: Es ist nicht optimal. Mich stört es auch, aber ich lasse mich davon nicht beeinflussen. Mir ist es ein bisschen egal. Die Zahnärzte meinten, dass man das wieder richten kann, sodass es am Ende wieder gleich aussieht wie zuvor. Der eine Zahn ist noch provisorisch, mit der Zeit wird das aber aufgefüllt. Das dauert aber noch ein paar Wochen.

Rudy: BVB nicht auf bestem Level

SPORT1: Borussia Dortmund ist nicht gerade in einer Hochphase. Wie sehr steigert das Ihre Chancen?

Rudy: Ich spiele lieber gegen einen starken BVB. Ich spiele lieber gegen Mannschaften, die gut in Form sind. Da muss man dann das Beste abrufen, um zu gewinnen. Man sieht beim BVB, dass sie dennoch ein sehr starkes Team sind. Sie haben sehr viele Qualitäten, gewinnen zurzeit aber nicht so viele Spiele wie erhofft. Sie sind nicht auf dem besten Level und wir versuchen, das auszunutzen.

SPORT1: Am darauffolgenden Donnerstag steht dann wieder der Europapokal an. Wie denken Sie über die aktuellen Diskussionen um europäische Reisen von Fußballvereinen?

Rudy: Wichtig ist natürlich, dass alle Hygienevorschriften eingehalten werden. Außerdem ist es wichtig, das richtige Konzept vorzulegen und dann braucht man natürlich auch die Genehmigung, keine Frage. Dadurch, dass es unsere Arbeit ist, denke ich, dass die Reisen vertretbar sind und dass es auch viele Leute begeistert, dass man spielen kann. Vor allem die Menschen, die zuhause sitzen. Die können zwar nicht ins Stadion gehen, aber sie können Fußball am Fernseher verfolgen. Ich glaube, das ist etwas, was den Leuten zuhause Freude bereitet. Abgesehen davon: Ich gehe zur Arbeit, mache meine Spiele und ansonsten sitze ich auch zuhause. Ich habe auch so gut wie gar keine Kontakte und versuche, alles einzuhalten. Und damit wir unseren Beruf auch weiterhin ausüben dürfen, ist es wichtig, dass sich jeder daran hält.

Rudy: Heimatgefühl in Hoffenheim

SPORT1: Sie sind Rekordspieler bei der TSG. Was gefällt Ihnen eigentlich so gut in Hoffenheim?

Rudy: Meiner Meinung nach ist die TSG einfach ein überragender Verein. Allein die Strukturen und die Menschen, die hier arbeiten. Die sind mir sehr ans Herz gewachsen. Aber auch die Umgebung: Ich fühle mich extrem wohl und bin stolz darauf, so viele Jahre für die TSG spielen zu dürfen. Das ist ein Heimatgefühl und ich will der TSG einen Teil zurückgeben und versuche, in jedem Training und in jedem Spiel alles voll reinzuhauen.

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SPORT1: Wie kommen Sie in Hoffenheim mit dem Tabellen-Mittelmaß klar?

Rudy: Man muss natürlich mental stark sein. Die letzten Jahre haben wir hier sehr gute Ergebnisse erzielt. Es ist klar, dass wir nicht immer unter den Top 6 sein können. Es gibt so viele gute Teams in der Bundesliga. Da muss man ständig seine Leistung abrufen. Trotzdem denke ich, dass Hoffenheim in den ganzen Jahren eine sehr gute Entwicklung genommen hat. Ich glaube, dass viele Mannschaften uns sehr positiv sehen und Respekt davor haben, gegen uns zu spielen. Man hat es gesehen in der Hinrunde gegen Bayern. Meiner Meinung nach war das Rückspiel auch nicht so schlecht. Ich fand, dass das Ergebnis ein bisschen zu hoch ausfiel, wenn man sieht, was für Torchancen wir hatten.

DFB-Team? "Zurückgetreten bin ich nicht"

SPORT1: Sie sind auch schon für die deutsche Nationalmannschaft aufgelaufen. Trauen Sie sich dahingehend nochmal was zu? Es gibt ja aktuell die Diskussion, ein paar Jungs zurückzuholen.

Rudy: Ich sag’s mal so: Zurückgetreten bin ich nicht (lacht). Man weiß nie, was im Fußball passiert. Man hält sich natürlich alles offen und denkt natürlich immer ein bisschen daran, solange die Tür nicht zu ist. Deswegen ist die Hoffnung immer da. Ich versuche, meine Leistung zu bringen und mich zu zeigen. Was am Ende dabei rausspringt, wird man in der Zukunft sehen.

Rudy: Diskussionen um Hoeneß Quatsch

SPORT1: Für Ihren Trainer gab es einen super Beginn in Hoffenheim. Auf einmal bekam er dann nur noch verbale Ohrfeigen und es wurde eine Diskussion rund um ihn losgetreten. Sprechen Sie darüber auch mal mit dem Trainer?

Rudy: Ich fand die Diskussion damals auch schon Quatsch. Wir wissen ja ganz genau, was hier los ist - wie professionell und gut wir arbeiten. Und dann war das Thema für mich nichts, worüber ich nachdenke. Deswegen muss man mit dem Trainer auch nicht darüber sprechen.

SPORT1: Sebastian Hoeneß ist ein junger Trainer. Wie interessant ist das für einen solch erfahrenen Profi wie Sie? Was macht einen jungen Kerl so besonders und was macht der anders?

Rudy: Er ist nicht allzu viel älter als ich. Aber man sieht im heutigen Fußball, dass die jüngeren Trainer immer mehr kommen. Man muss natürlich auch in das Geschäft hineinwachsen und vieles dazulernen. Man merkt an Sebastian Hoeneß, dass er wahnsinnig Qualität hat – auch im Umgang mit der Mannschaft und seinem Verständnis auf dem Platz. Ich freue mich einfach, unter ihm spielen zu dürfen.