Ligue 1: Skandal in Bastia: "Wir gehen nicht in den Krieg"

Chaoten stürmten das Spielfeld, Fäuste flogen, Spieler flüchteten in den Kabinengang: Die Krawalle von Bastia haben Frankreich schockiert. "Zum Heulen", titelte die Sporttageszeitung L'Équipe nach dem Spielabbruch auf Korsika.

Chaoten stürmten das Spielfeld, Fäuste flogen, Spieler flüchteten in den Kabinengang: Die Krawalle von Bastia haben Frankreich schockiert. "Zum Heulen", titelte die Sporttageszeitung L'Équipe nach dem Spielabbruch auf Korsika.

"Nach der Attacke auf den Dortmunder Mannschaftsbus und den Ausschreitungen in Lyon hat der Fußball eine grauenvolle Woche erlebt", schrieb die Zeitung weiter.

Zweimal hatten am Sonntag Anhänger des korsischen Erstligisten SC Bastia die Profis von Olympique Lyon attackiert. Nachdem die erste Halbzeit erst nach langen Diskussionen angepfiffen worden war, weigerten sich die Gästespieler nach erneuten Angriffen, zur zweiten Hälfte anzutreten.

"Wir müssen aufhören, sie haben die Spieler geschlagen", forderte Trainer Bruno Genesio Lyons Präsidenten Jean-Michel Aulas auf: "Wir gehen nicht in den Krieg."

"Bitterer Tag für den französischen Sport"

Das Spiel wurde endgültig abgesagt. Lyons Spieler konnten das Stade Armand Cesari im Vorort Furiani erst verlassen, nachdem die Polizei rund 100 wartende Hooligans mit Tränengas vertrieben hatte. "Ich bin schockiert", sagte Frankreichs Sportminister Thierry Braillard der L'Équipe: "Es ist ein bitterer Tag für den französischen Sport."

Auch mit Blick auf die Bewerbung von Paris um die Olympischen Spiele 2024 fürchtet Braillard einen großen Imageschaden: "Diese Bilder sind keine guten Nachrichten für den französischen Sport. Ich spreche nicht nur vom Fußball, sondern vom Sport, vom Bild Frankreichs."

Lyon war innerhalb von vier Tagen zum zweiten Mal Mittelpunkt eines Skandals. Vor dem Europa-League-Viertelfinale gegen Besiktas Istanbul waren am Donnerstag Olympique-Fans auf den Platz geflüchtet, weil sie mit Pyrotechnik und anderen Gegenständen vom Oberrang beworfen worden waren.

Angriffe auf Olympique-Profis

Diesmal waren die Spieler die Opfer. Es begann mit der Attacke eines Fans auf den Niederländer Memphis Depay, schnell strömten rund 50 weitere Chaoten aufs Feld, meist in Schwarz gekleidet. Geschützt von Sicherheitskräften und Ordnern, flohen die Olympique-Profis in die Kabine.

50 Minuten lang wurde hitzig diskutiert, dann hatte OL-Präsident Aulas offenbar sein Team überredet, doch anzutreten. Fernsehaufnahmen im Kabinengang zeigten, wie Aulas seinem Bastias Klubchef Pierre-Marie Geronimi sagte: "Wir werden spielen, Sie haben es mir zu verdanken."

Nach der torlosen ersten Hälfte stürmten erneut Bastia-Fans den Platz. Diesmal griffen sie zuerst Torhüter Anthony Lopes an. Zusammen mit seinen Teamkollegen Mathieu Gorgeline und Jean-Philippe Mateta erstattete der Keeper am Montag Anzeige gegen Unbekannt.

Vorwürfe gegen verantwortliche Gastgeber

Aulas erhob schwere Vorwürfe gegen die Gastgeber. Bastias Sicherheitschef habe Lopes geschlagen, auch zwei andere Ordner hätten Spieler attackiert, "es war ein dramatischer Abend".

Bastia droht nach dem Spielabbruch eine empfindliche Strafe. Der Tabellenletzte der Ligue 1 war im Februar bereits wegen rassistischer Beleidigungen seiner Fans gegen Nizza-Star Mario Balotelli mit einem Zuschauer-Teilausschluss für drei Spiele belegt worden.

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