Aus der Ligue 1 zum Superstar: Franck Ribery

Franck Ribery hätte es fast nicht in die Ligue 1 geschafft. Er hätte es fast gar nicht geschafft.

Sein Leben hätte schon vorbei sein können, bevor es so richtig begonnen hatte.

"Das Problem war, dass ich hinten saß und beim Zusammenstoß nach vorne geflogen bin", sagte er zum schlimmen Autounfall, den er mit zwei Jahren miterleben musste.

Die Wunden am Kopf des kleinen Jungen mussten mit 100 Stichen genäht werden und sorgten dafür, dass er mit einer langen Narbe auf der rechten Gesichtshälfte leben musste. Doch die Zeichen des Unfalls hat er seitdem eher als Auszeichnung verstanden.

Franck Ribery DFB Pokal 21052016

"Ich bin stolz auf meine Narbe. Sie hat mir Stärke verliehen und meinen Charakter geprägt. Man muss mental stark sein, um das Ärgern der anderen Kinder an sich abprallen zu lassen, genauso wie die starrende Blicke der Erwachsenen", erklärte Ribery Simon Kuper von The Football Men.

"Jetzt bin ich hier. Das ist mein Gesicht; die Leute kennen es inzwischen. Ich bin zufrieden mit meinem Gesicht. Warum sollte ich es auch nicht sein?", fragte Ribery.

"Auf eine gewisse Art und Weise hat mir der Unfall geholfen. Als Kind hat er mich motiviert", fügte er hinzu.

Diese Motivation hat ihn bis auf ein Weltklasse-Niveau gebracht - doch der Weg dorthin war alles andere als einfach. Als Heranwachsender verlebte er auf den Straßen von Boulogne-Sur-Mer in Nordfrankreich unruhige Zeiten.

Er wurde in einer Gegend mit hoher Arbeitslosigkeit groß, in der vornehmlich Immigranten lebten. Ribery spielte meist Fußball mit den Gleichaltrigen, die gerade da waren.

Als Teenager kam er zu Lille, doch er flog später aus der Jugendakademie, weil seine schulischen Leistungen den Ansprüchen nicht genügten.

Franck Ribery Metz

Doch davon ließ sich Ribery nicht beeindrucken. Der Rauswurf bedeutete für ihn nur, dass er einen anderen Weg einschlagen musste, den viele andere Spieler nicht auf sich nahmen. Es gab keinen direkten Weg für Ribery, eine Ligue-1-Legende zu werden. Er musste es ohne professionelle Hilfe schaffen und Umwege in Kauf nehmen. Und er musste den Weg alleine gehen.

Er begann, als Halbprofi zu spielen und arbeitete gleichzeitig auf dem Bau, um sich etwas hinzuzuverdienen. Nachdem er seine Heimatstadt Boulogne verlassen hatte und zu Olympique Ales nach Südfrankreich gewechselt war, verdiente er sich 2003 endlich seinen ersten Profivertrag bei Stade Brestois.

In seiner ersten Profi-Saison überzeugte er sofort, Metz war bereit, ihn zu holen. Dort kam er in seinem ersten Jahr in der Ligue 1 auf 20 Einsätze; der Klub beendete die Saison auf Platz 14 der Tabelle.

Nun war allen klar, was Ribery drauf hatte - und im Sommer 2004 wechselte er in die Türkei zu Galatasaray. Auch dort beeindruckte er - und bekam den Spitznamen "Ferraribery" wegen seiner unablässigen Sprints auf dem rechten Flügel verpasst.

Ärger über die Bezahlung sorgte jedoch dafür, dass er nach nur fünf Monaten wieder nach Frankreich zurückkehrte. Es war nur eine von zahlreichen kontroversen Entscheidungen Riberys auf dem Weg in die Weltspitze.

FRANCK RIBERY OLYMPIQUE MARSEILLE

Er ging in die Ligue 1 zu Marseille zurück - doch zu diesem Wechsel musste erst die FIFA und der internationale Sportgerichtshof CAS zustimmen. Ribery setzte sich durch und hinterließ gleich einen guten Eindruck bei OM. Er führte den Klub zweimal ins Pokal-Finale und in der Liga in der Saison 2006/07 auf den zweiten Platz hinter Lyon. Ribery wurde als bester junger Spieler der Liga ausgezeichnet.

Die zwei Jahre in Marseille reichten ihm auch, um die ganze Fußball-Welt auf sich aufmerksam zu machen. Er war ein Straßenfußballer, der nicht in einer Jugendakademie ausgebildet worden war, doch er erfreute mit seiner unbekümmerten Spielweise die eigenen Fans und auch die neutralen Zuschauer.

2007 setzte sich schließlich Bayern München im Rennen um Frankreichs Fußballer des Jahres durch: Für 25 Millionen Euro ging Ribery in die Bundesliga. Es folgten zahlreiche Meistertitel in Deutschland und auch der Triumph in der UEFA Champions League.

Ribery hat es geschafft.

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