Aus der Ligue 1 zum Superstar: Marcel Desailly

Mit 1.86 Meter Körpergröße und 80 Kilogramm hatte Marcel "The Rock" Desailly mehr von einer mächtigen Eiche oder einem Mammutbaum. Sein Spitzname hängt allerdings weniger mit Bäumen zusammen.

"The Rock war super," sagte sein ehemaliger Teamkollege Gustavo Poyet. “Er war ein absoluter Gewinner. Einer, den wir bei Chelsea sehr geschätzt haben.”

“Gegen ihn zu spielen war, als müsse man es mit einem Biest aufnehmen”, verriet Ex-Liverpool- und England-Angreifer Michael Owen. “Mit seiner Schnelligkeit und Stärke war es fast unmöglich, gegen ihn zu bestehen."

Derjenige, der sowohl bei Marseille als auch in der Nationalmannschaft hinter ihm spielte, stimmte den Aussagen zu: “Marcel war weniger ein Anführer, dafür aber ein Krieger" erklärte Torwart Fabien Barthez. "Desailly war ein Felsen."

L1 to superstardom Marseille lineup

In Accra, der Hauptstadt Ghanas, als Odenke Abbey geboren, nahm Marcel den Namen Desailly an, als seine Mutter einen französischen Diplomaten heiratete und nach Frankreich zog. Die spätere Legende der Grande Nation war damals gerade einmal vier Jahre alt.

Während sein Vater hoffte, dass er ein Studium absolvierte, verliebte sich Desailly in den Fußball. Zusammen mit seinem Bruder durchlief der die verschiedenen Auswahlmannschaft der Jugend des FC Nantes. Dort wurde er in der Innenverteidigung eingesetzt, zusammen mit einem gewissen Didier Deschamps. Mit 17 schaffte Desailly den Sprung in die Reservemannschaft, bevor er als 18-Jähriger sein Profi-Debüt für die Kanarienvögel feierte.

Sein außergewöhnliches Talent wurde schnell erkannt und es stellte sich die Frage: Bei welchem Verein macht Desailly den nächsten Schritt? Monaco und Marseille zeigten großes Interesse an dem Abwehr-Hünen, beide wollten Desailly am Ende der Saison 1991/92 von Nantes loseisen.

“Ich wäre fast bei Monaco gelandet, weil es der gediegenere Klub war,” sagte der mittlerweile 48-Jährige. “Meine Familie hat ebenfalls Monaco bevorzugt. In Marseille ist alles etwas verrückter, der Druck viel höher. Aber genau das hat mir den Anreiz gegeben. Ich wollte den Druck."

“Ein Traum wurde wahr, als ich bei Marseille unterschrieb. Alles, was danach passierte, hatte etwas Magisches. Ich habe noch heute Probleme, das alles in Worte zu fassen!"

In der OM-Umkleidekabine zog sich Desailly mit Barthez, Rudi Völler und Alen Boksic um, sein neuer Partner in der Defensive war Basile Boli sein altbekannter war Marseille-Kapitän Deschamps. Die Arbeit mit den zahlreichen arrivierten Profis kurbelte Desaillys Karriere entscheidend voran.

L1 to superstardom MAR v MIL

OM sicherte sich den Liga-Titel am Ende der Saison, der aufgrund geschobener Spiele durch den Vorsitzenden Bernard Tapie nachträglich wieder aberkannt wurde. Aber Marseille qualifizierte sich obendrein für das Finale der Champions League gegen das damals größte Schwergewicht des europäischen Fußballs, den AC Milan. 

Milan wartete mit der Creme de la Creme des Fußballs auf, hatte Franco Baresi, Paolo Maldini, Frank Rijkaard und Marco van Basten in seinen Reihen. Keine Überraschung also, dass Desaillys Mannschaft als Underdog in die Partie ging. Zwei Jahre zuvor hatten die Italiener bereits im Europacup-Viertelfinale gegen die Südfranzosen versagt - der Wille, die Revanche zu schaffen, war also unbändig.

Im Münchner Olympiastadion hielt Marseille van Basten und Co. in Schach, bevor Boli eine Ecke von Abedi Pele in der 43. Minute zur Führung veredelte. In der Folge ließen Desailly und seine Defensivkollegen nichts mehr anbrennen und sicherten OM damit den Titel, der gleichzeitig den ersten Champions-League-Triumph einer französischen Mannschaft bedeutete.

“Der Sieg 1993 war ein ganz besonderes Ereignis,” so Desailly. Und weiter: “Zum ersten Mal hatte ein französisches Team diesen Wettbewerb gewonnen. Das erste Mal für einen Klub, der etwas verrückt ist, dessen Fans völlig irre sind - auf eine gute Art und Weise.

"Wir haben das Ding in einer sehr heiklen Phase des Vereins gewonnen, eine heikle Phase für unseren Vorsitzenden Bernard Tapie. Das war etwas Einzigartiges."

Sanktionen blieben nicht aus: OM wurde der Ligue-1-Titel aberkannt, die Chance, den Europapokal-Titel zu verteidigen, ging somit verloren. Darüber hinaus hatte Milan bereits einen Spieler auserkoren, dessen Transfer höchste Priorität genoss.

L1 to superstardom Desailly MILAN

Desailly ging nach Mailand und zog prompt in sein zweites Champions-League-Finale ein, in dem er für die Rossoneri beim 4:0-Sieg über den FC Barcelona sogar einen Treffer beisteuerte.

Nach mehr als 130 Serie-A-Einsätzen verbrachte Desailly den Sommer mit der Nationalmannschaft, holte gemeinsam mit Barthez und Deschamps den Weltmeistertitel im eigenen Land, bevor er zum FC Chelsea weiterzog. Sechs Spielzeiten lang verteidigte "The Rock" bei den Blues, zwischendurch, im Jahr 2000, gewann er mit der Equipe Tricolore die Europameisterschaft.

Aber Marseille hat weiterhin einen ganz besonderen Platz in seinem Herzen.

“Man erinnert sich immer an die Anfangszeit” weiß Desailly. “Es war so ein großartiges Gefühl, vor allem, weil niemand von Marseille erwartet hätte, dass wir den Pokal holen."

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