Lin Shih-Chia: Mit stiller Unterstützung der Familie zur olympischen Bogenschützin

  • Hoppla!
    Ein Fehler ist aufgetreten.
    Versuchen Sie es später noch einmal.
·Lesedauer: 5 Min.
  • Hoppla!
    Ein Fehler ist aufgetreten.
    Versuchen Sie es später noch einmal.

Dieser Artikel ist Teil der exklusiven Yahoo-Serie "Wie man einen Olympioniken großzieht". Dafür haben wir mit olympischen Athleten und ihren Eltern gesprochen, um einzigartige Einblicke in die Anfänge der Karrieren von Spitzensportlern zu gewinnen. Sehen Sie hier das Interview im Video - bitte drücken Sie den "CC"-Button für deutsche Untertitel:

Lin Shih-Chia, Bronzemedaillengewinnerin im Bogenschießen in der Mannschaft bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio, kommt aus Hsinchu (Taiwan). Sie hat das Bogenschießen seit ihrer Kindheit trainiert und stammt aus einer traditionellen Familie, in der die Eltern sie still unterstützt haben und Zeugen ihrer beeindruckenden Laufbahn im Bogenschießen wurden.

"Trainer Ni hat sie in der Grundschule für das Training im Bogenschießen ausgesucht. Ich hatte zunächst Einwände, weil sie bei null anfangen mussten. Es gab noch nichts im Bereich des Bogenschießens. Wir haben immer gesehen, wie sie ein Gummiband spannte, hatten aber seinerzeit keine Ahnung, was sie da macht." Lin Wen-Chin, der Vater von Lin Shih-Chia, räumt ein, dass er das Bogenschießen erst als einen Sport begriff, als seine Tochter nach und nach Erfolge hatte und auch international gewann. Die Eltern haben sie auf zurückhaltende Weise unterstützt. "Die Sache ist, es ist ihre Entscheidung, da müssen wir sie auch unterstützen." Lin Wen-Chin war Fischer, schulte aber auf Schreiner um, da es dafür im Ort Arbeit gab.

Lin Shih-Chia bei den Sommerspielen 2016 in Rio (Bild: REUTERS/Leonhard Foeger)
Lin Shih-Chia bei den Sommerspielen 2016 in Rio (Bild: REUTERS/Leonhard Foeger)

Lin Shih-Chia wurde 1993 geboren und war Schülerin der Fuli Junior High School in Hsinchu. Hsinchu verzeichnet wegen seiner Lage im September extrem viel Wind und trägt deswegen den Spitznamen "Stadt des Windes". Da die Schule am Wasser liegt, entsteht durch den Wind eine gute Trainingsumgebung.

"Mein Vater und ich haben uns oft gestritten, weil ich in meinen Prüfungen keine guten Noten hatte. Er wollte, dass ich das Bogenschießen aufgebe. Ich habe immer versucht, ihm zu erklären, dass ich im Bogenschießen mein Bestes geben möchte. Es gab Höhen und Tiefen. Ich habe mir stets gesagt, dass ich daran festhalten muss und dann Freude daran finde." Die Hartnäckigkeit von Lin Shih-Chia hatte Einfluss auf die Menschen in ihrer Umgebung und die Professionalität und das Engagement von Trainer Ni Ta-Chih halfen, ihre Familie zu beruhigen.

Lin Shih-Chia übt unter Aufsicht von Trainer Ni Ta-Chih den Zug des Bogens an einem Gummiband (Bild: Privat)
Lin Shih-Chia übt unter Aufsicht von Trainer Ni Ta-Chih den Zug des Bogens an einem Gummiband (Bild: Privat)

Lin Shih-Chia war bei den nationalen Schulwettkämpfen erfolgreich und gewann dort gemeinsam mit Tan Ya-Ting und Yu Wen-Yi die Goldmedaille der Mannschaftswertung. 2015 vertrat sie Taipeh gemeinsam mit Tan Ya-Ting und Hsiung Mei-Chien bei der Universiade in Gwangju im Mannschaftswettbewerb. Erstmalig in der Geschichte des Bogenschießens in Taiwan schlug das Team den Weltmeister Südkorea und gewann damit eine erste Goldmedaille. In demselben Jahr gewann sie die Silbermedaille im Einzelwettbewerb bei den Weltmeisterschaften im Bogenschießen in Kopenhagen. Zu dieser Zeit war sie Vorreiterin mit den besten Ergebnissen für Taiwan (bis zu den Weltmeisterschaften im Bogenschießen 2019 in s‘Hertogenbosch, bei denen Lei Chien-Ying die Goldmedaille gewann und sie damit übertraf.)

Lin Shi-Chia bei der World Archery Championship 2015 in Kopenhagen (Bild: Francis Dean/Corbis via Getty Images)
Lin Shi-Chia bei der World Archery Championship 2015 in Kopenhagen (Bild: Francis Dean/Corbis via Getty Images)

"Ob ich bei der Olympiade nervös war? Ein wenig - denn in meinem Sport muss man höchst konzentriert sein. Als ich auf den Platz kam, hatte ich das Gefühl, dass es nur eine Schießbahn gab und dass der Trainer mich leitete. Ich hatte zudem bereits an einer Reihe internationaler Wettbewerbe teilgenommen und war deswegen vertraut damit, was mich erwartet." Lin Shih-Chia erinnert sich, dass sie bei den Spielen 2016 in Rio schlicht deswegen nicht nervös war, weil sie erstmalig mit einigen der besten Sportlerinnen des Bogenschießens im Wettbewerb stand. Stattdessen nahm sie die Herausforderung mit der Einstellung an, dass es nur ein "Wettbewerb wie alle anderen" sei. Letztlich gewann sie mit ihren Mannschaftskameradinnen Lei Chien-Ying und Tan Ya-Ting die Bronzemedaille.

Bei den Spielen in jenem Jahr blieb Lin Wen-Chin auf der anderen Seite des Erdballs auf, um seine Tochter aus der Ferne anzufeuern. "Sie war bereits bei der berühmtesten Sportveranstaltung der Welt dabei. Auf dem Podium zu sein, ist nicht das wichtigste." Er war entspannt. "Als ich die Spiele verfolgte, fühlte ich mich gelassen und nicht nervös. Wir waren zufrieden, dass sie es so weit gebracht hatte."

Lin Shih-Chia (m.) mit ihren Teamkollegen Le Chieh Ying (l.) und Tan Ya-Ting (r.) bei der Verleihung der Bronzemedaillen (Bild: REUTERS/Yves Herman)
Lin Shih-Chia (m.) mit ihren Teamkollegen Le Chieh Ying (l.) und Tan Ya-Ting (r.) bei der Verleihung der Bronzemedaillen (Bild: REUTERS/Yves Herman)

Lin Shih-Chia ist der Meinung, dass ihre Familie sich nie in den Vordergrund gedrängt habe, aber ihr wichtigster Rückhalt war. Bei der Feier anlässlich ihrer Rückkehr nach Taiwan nahmen ihre Eltern erstmalig an einer Veranstaltung in Verbindung mit dem Bogenschießen teil. Sie sagte: "Das Wort 'still' ist sehr signifikant. Es ist schwierig, die Bedeutung dieses Prozesses zu erklären. Mein Vater beispielsweise ist geradeheraus, mit einem weichen Herzen. Er weist deine Vorstellungen nicht zurück und wenn du wirklich Hilfe benötigst, ist er bestimmt da. Sie suchen nicht das Rampenlicht oder nehmen etwas für sich in Anspruch. Sie mischen sich nicht sehr ein und behalten Dinge für sich.

Lin Shih-Chia mit ihren Eltern beim Begrüßungsbankett nach der Heimkehr aus Rio (Bild: Privat)
Lin Shih-Chia mit ihren Eltern beim Begrüßungsbankett nach der Heimkehr aus Rio (Bild: Privat)

Nachdem sie Lehrerin geworden war, verstand Lin Shih-Chia die Ansichten ihrer Familie aus der Vergangenheit besser. Sie ermutigt junge Menschen, die ihre Träume umsetzen möchten. "Man muss Dinge, die man wirklich möchte, mutig ausprobieren und seinen Weg gehen, statt es später zu bereuen."

Yang Yu-Hsin

Wir möchten einen sicheren und ansprechenden Ort für Nutzer schaffen, an dem sie sich über ihre Interessen und Hobbys austauschen können. Zur Verbesserung der Community-Erfahrung deaktivieren wir vorübergehend das Kommentieren von Artikeln.