Müller zur EM - warum die Fakten nichts anderes zulassen

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Müller zur EM - warum die Fakten nichts anderes zulassen
Müller zur EM - warum die Fakten nichts anderes zulassen

Der lang ersehnte Showdown steht an.

Am Mittwochmittag (ab 12.30 Uhr im LIVESTREAM auf SPORT1) wird Joachim Löw seinen Kader für die anstehende Europameisterschaft nominieren. Damit wird er auch die Antwort auf eine der zuletzt brennendsten Fragen in Fußball-Deutschland geben: Fährt Thomas Müller mit zur EM?

Im März 2019 war der 31-Jährige zusammen mit Mats Hummels - der nach SPORT1-Informationen zurückkehrt - und Jérôme Boateng von Löw ausgemustert worden. Nun könnte es zu einem Comeback kommen. Nach Bild-Informationen hat sich Löw bereits für Müller entschieden. Klarheit wird aber erst am Mittwoch herrschen. Wenn der Bundestrainer bis dahin einen Blick auf die Fakten wirft, dürfte seine Entscheidung klar sein.

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Müller jagt Bundesliga-Rekord

Unter Niko Kovac hatte Müller keine leichte Zeit. Der ehemalige Bayern-Coach hatte den Offensivspieler als "Notnagel" bezeichnet und ihn auch so behandelt. Unter Hansi Flick hat sich die Situation von Grund auf verändert.

Der Ur-Bayer kam bei 54 von 57 Bundesligaspielen unter dem scheidenden Trainer des deutschen Rekordmeisters zum Einsatz. 51-mal stand er in der Startelf. Seine Bilanz ist beeindruckend.

In den 54 Spielen war Müller an 59 Toren beteiligt. 19 erzielte er selbst, ganze 40 legte er vor. Er macht sich immer mehr einen Namen als Assist-König.

Diesen Titel könnte Müller untermauern, wenn er im letzten Saisonspiel gegen den FC Augsburg ein weiteres Tor auflegt. Dann stünde er bei 22 Vorlagen. Schon jetzt hat er seinen eigenen Bestwert aus der vergangenen Spielzeit eingestellt.

Der Liga-Bestwert in Sachen Assists liegt bei 22 in einer Bundesliga-Saison. Diesen hat Leipzigs Schwede Emil Forsberg 2016/17 aufgestellt. Müller könnte also gleich- oder sogar vorbeiziehen.

Müller im Vergleich mit Sané, Musiala, Brandt, Wirtz und Co.

In dieser Saison war Müller in 31 Spielen an 33 Toren beteiligt. In der Bundesliga haben nur Robert Lewandowski, Erling Haaland und André Silva mehr Scorerpunkte verzeichnet. Ligaweit hat außerdem nur ein Spieler mehr Großchancen vorbereitet als Müller (21): Marco Reus kommt bei diesem Wert auf 22.

Wenn man Müllers Daten in dieser Spielzeit mit denen von anderen (potenziellen) Nationalspielern im offensiven Mittelfeld vergleicht, dann ist ein klarer Trend zu erkennen - angefangen mit den Mitspielern des Bayern-Stars.

Leroy Sané, Serge Gnabry und Shootingstar Jamal Musiala gelten als sichere Teilnehmer an der EM. Sané kommt bei gleicher Anzahl an Spielen wie Müller auf weniger als die Hälfte an Torbeteiligungen (16). Gnabry liegt bei deren 14, Musiala bei sieben. Der verletzte Leon Goretzka - der wohl trotzdem mit zur EM fahren wird - liegt bei 13 Torbeteiligungen. Er hatte aber oftmals eine deutliche defensivere Rolle.

Leverkusens Jungstar Florian Wirtz konnte in 28 Bundesligaspielen elf Scorerpunkte verzeichnen. Der schwächelnde Julian Brand (BVB) nur fünf und Frankfurts Amin Younes kommt auf sechs. Einen starken Wert weist Jonas Hofmann auf: Der Gladbacher kommt in 23 Partien in der Bundesliga auf 17 Torbeteiligungen für die Fohlen.

Von allen genannten Spielern hat Müller zudem die meisten Pässe in der Bundesliga gespielt (1296). Seine Fehlpassquote ist mit 22,7 Prozent zwar etwas hoch. Man darf aber nicht vergessen, dass Müller sehr viele riskante Zuspiele sucht - die oft genug funktionieren.

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Wie steht Müller im Vergleich zu den deutschen Legionären da?

Gute deutsche Offensivspieler, die für Löw interessant sind, gibt es natürlich nicht nur in der Bundesliga.

Zwei von Müllers Konkurrenten für einen Platz im DFB-Kader stehen beim FC Chelsea unter Vertrag: Timo Werner und Kai Havertz. Werner hat in London einen schweren Start erlebt, hat aber auch ab und zu seine Klasse aufblitzen lassen. In 33 Premier-League-Spielen kommt er auf 17 Scorerpunkte.

Havertz liegt bei neun Torbeteiligungen in 26 Partien in der Premier League. Er hat aber eine Menge anderer Qualitäten. Beispielsweise eine Passgenauigkeit von rund 85 Prozent. Diese liegt bei Julian Draxler sogar noch höher. Der Profi von Paris Saint-Germain kommt auf 88 Prozent. Bei PSG ist er allerdings kein Stammspieler gewesen. Sein Stand im DFB-Team dürfte daher schwer sein.

Eines ist klar: Mit Müllers Scorer-Zahlen kann sich auch von den deutschen Legionären keiner messen.

Auch Erfahrung und Einsatz sprechen für Müller

An Einsatz hat es dem Raumdeuter des FC Bayern noch nie gefehlt. Dass auch seine körperliche Verfassung viel Kampfbereitschaft zulässt, das belegen die Zahlen: Bei den Bayern legte er in dieser Bundesliga-Saison die größte Laufstrecke zurück. Diese betrug 339,1 Kilometer, das sind 11,7 Kilometer pro Spiel.

Außerdem bestritt Müller die meisten Zweikämpfe des FCB, von denen er 46 Prozent gewann. Dass sein fortgeschrittenes Alter kein Grund für eine Nicht-Nominierung ist, dürfte damit bewiesen sein.

Dieses bringt Müller außerdem den großen Vorteil der Erfahrung. In der Bundesliga kommt er auf über 300 Torbeteiligungen. Außerdem weiß der gebürtige Weilheimer, wie man Titel gewinnt. 29 von ihnen sammelte er bereits - Rekord für einen deutschen Spieler. Nach zudem genau 100 Länderspielen für Deutschland kann ihn auch in großen Turnieren nichts mehr erschüttern.

Kein Wunder also, dass sich in den letzten Wochen und Monaten immer mehr Spieler, Journalisten und Verantwortliche des Fußball-Geschäfts für Müller als Nationalspieler stark machten.

"Thomas ist erstens ein guter Kerl, und er kann zweitens über Dinge hinwegsehen und vor allem: Er hat einfach Lust, Fußball zu spielen. Er kann schon zur EM eine tragende Rolle spielen, wenn er dabei sein wird und wenn man ihn zurück haben will", sagte jüngst Holger Badstuber im SPORT1 Instagram-Format "Split It!".

Nun ist Löw an der Reihe, seine Meinung kundzutun.

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