Müller hat Niederlage gegen Rast noch nicht verdaut: "Ziemlich angefressen"

André Wiegold
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"Ich versuche, mir immer noch einzureden, dass das doch eigentlich alles ganz gut war und viel schlechter hätte sein können", sagt Nico Müller gegenüber 'Ran Instagram'. Der Audi-Pilot wurde mit 19 Punkten Rückstand auf Rene Rast nur Zweiter in der Gesamtwertung. Sechs Saisonsiege reichten Müller nicht, um seinen ersten DTM-Titel einzutüten. Dabei leistete sich der Rennfahrer aus Thun eigentlich keinen echten Ausreißer.

Seine schlechteste Platzierung war ein neunter Platz im zweiten von vier Zolder-Läufen, doch der war einer der Faktoren, die letztlich den Unterschied ausgemacht haben. Außerdem brillierte Rast in den letzten sechs Rennen der Saison 2020 mit fünf Rennsiegen - vier davon in Folge. Der Mindener holte in der Meisterschaft insgesamt sieben Saisonsiege, also einen mehr als Müller, der insbesondere zum Beginn der Saison so richtig auftrumpfte.

"Ich bin noch ziemlich angefressen", so Müller weiter. "Wenn du vom ersten Rennen an die Saison anführst, und die Performance eigentlich bei 95 Prozent der Rennen da ist und du so gut wie keinen größeren Fehler machst, nirgendwo groß Punkte liegen lässt und am Ende dann doch Zweiter wirst, dann ist das schon frustrierend. So ganz drüber hinweg bin ich nicht."

Rast hat den Titel "verdient"

Müller erkennt die Leistung seines Audi-Kollegen Rast aber an und weiß, dass er gerade in der Endphase dann doch zu wenig Punkte geholt hat: "Das soll nicht heißen, dass Rene das Ding nicht verdient gewonnen hat. Er hat einen Super-Job gemacht. Ich gönne ihm das auch, aber natürlich hätte ich lieber das Ding in die Schweiz geholt. Wenn man es mit 2019 vergleicht - da war ich eigentlich happy mit dem Vize-Titel."

Besonders ärgerlich: Müller sagt, er habe den Meisterschaftssieg aufgrund des starken Pakets das ganze Jahr über "selbst in der Hand" gehabt. "Und wenn du das Gefühl hast, du hast es in deinen eigenen Händen, dann willst du es auch holen", stellt er klar. "Aber wir hatten einfach hier und da zu viele Kleinigkeiten, die uns in die Suppe gespuckt haben."

"Und am Ende waren es diese wenigen Pünktchen, die gefehlt haben", so Müller. "Wie gesagt: Ich rede mir noch immer jeden Abend ein: Es ist doch okay, du kannst einigermaßen zufrieden sein. Aber so wirklich bin ich es nicht." Müller, der seit dem Jahr 2014 in der DTM startet, landete zum zweiten Mal in Folge hinter Rast auf dem zweiten Platz der Gesamtwertung.

Wendepunkte in Zolder?

Der neunte Platz im zweiten Zolder-Rennen und die starken Leistungen von Rast mit vier Siegen in Folge waren sicherlich Wendepunkte für Müller in der Saison 2020, aber wohl nicht die Hauptfaktoren für die Niederlage im Titelkampf. "Je mehr ich drüber nachgedacht habe, desto mehr bin ich der Überzeugung, dass es nicht unbedingt Zolder an sich war", meint Müller.

"Dass du über die Saison gesehen mal ein Wochenende oder zwei hast, wo du nicht aus eigener Kraft das Rennen gewinnen kannst, das gibt es einfach. Aber wir hatten zu viele Rennen, bei denen wir mit Abstand die Stärksten da draußen waren, die wir dann eben nicht gewonnen haben", so das Fazit des Schweizers.

Außerdem hat ihm einmal der Fehlerteufel einen Strich durch die Rechnung gemacht: Ein defekter Sensor warf den Audi-Piloten auf dem Nürburgring von Platz eins auf Rang fünf zurück - Punkte, die im Meisterschaftskampf Gold wert gewesen wären.

Dann kam auch noch Pech dazu: In einem Lauf wurde er in aussichtsreicher Position von seinem Markenkollegen Jamie Green gedreht - wieder am Nürburgring. Aufgrund einer Safety-Car-Phase und eines frühen Boxenstopps schaffte es Müller, mit Platz fünf Schadensbegrenzung zu betreiben. Doch auch diese Zähler fehlten dem 28-Jährigen letztlich, um Rast zu schlagen.

Die Konkurrenz nutzte kleine Fehler gnadenlos aus

"Und jedes Mal, wenn sowas passiert ist, hat entweder Rene oder Robin das Ding gewonnen", erinnert sich Müller. "Das waren immer die Hauptkonkurrenten, und die haben immer das Maximum draus gemacht. Klar war Zolder nicht optimal - und dann mit dem Safety-Car, als ich der Letzte war, der nicht in der Box war. Und dann das Podium verloren habe und glaube ich nur Neunter wurde. Das waren klar die Big-Points, die wir liegen gelassen haben."

"Aber es war nicht nur Zolder an sich", stellt der Schweizer klar. "Klar hat es nicht geholfen, aber es waren viele Kleinigkeiten. Am Ende macht es das nicht einfacher, aber man hat nicht das Gefühl: Mist, dort habe ich es verbockt! Sondern du weißt: Wir waren einfach nicht perfekt. Andere waren näher an dieser Perfektion dran. Es braucht auch das notwendige Quäntchen Glück. Und das hatten wir dieses Mal vielleicht einfach nicht."

Damit ist eines sicher: Müller wird in seiner Karriere keinen DTM-Titel in der Class-1-Ära feiern, die mit der Saison 2020 ihr Ende gefunden hat. Ab der Saison 2021 werden in der DTM GT3-Boliden zum Einsatz kommen. Ob Müller wieder mit von der Partie sein wird, steht noch in den Sternen. Sein Audi-Team Abt wird mit zwei Fahrzeugen an den Start gehen, jedoch wurde der Fahrerkader noch nicht bekanntgegeben.

Mit Bildmaterial von ITR.