Maßnahmen zum VLN-Start (3/5): Geisterrennen - überhaupt machbar?

Heiko Stritzke
motorsport.com

Obwohl es so mancher als Ding der Unmöglichkeit ansieht, will es die VLN wenigstens versuchen: am 27. Juni in die Saison 2020 der Nürburgring Langstrecken-Serie zu starten.

Die Organisatoren reagieren auf jede Forderung der Bundesregierung und legen beim Hygieneinstitut der Universität Bonn ein Konzept vor. Sollte es für hinreichend befunden werden, kann das Konzept Landesregierung Rheinland-Pfalz vorgelegt werden.

'Motorsport.com' hat mögliche Lösungen recherchiert. Machen wir uns nichts vor: Ein Rennen mit Zuschauern wird es am Nürburgring so schnell nicht geben. Natürlich würde ein eventueller VLN-Auftakt am 27. Juni 2020 ohne Zuschauer über die Bühne gehen, ebenso wie weitere Rennen danach. Und hier ist auch eindeutig die Mithilfe der Fans gefragt.

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Durch Fernbleiben den Sport fördern

Am Nürburgring sind bereits jetzt alle offiziellen Zuschauerbereiche gesperrt, nachdem der Betrieb für Touristenfahrten wieder aufgenommen wurde. Ebenso sind sämtliche Parkplätze dicht. Brünnchen, Pflanzgarten, Adenauer Forst, Hatzenbach, Schwalbenschwanz - nicht erreichbar. Es gilt um jeden Preis, Menschenansammlungen zu vermeiden.

Natürlich wären im Falle von VLN-Rennen auch der Grand-Prix-Kurs sowie das Fahrerlager für die Fans tabu, solange die Beschränkungen gelten. Die Fannähe, die die VLN mit offenen Boxen, Pit- und Gridwalk sowie Attraktionen im Fahrerlager immer ausgezeichnet hat, wird vorübergehend außer Kraft gesetzt.

Die offiziellen Zuschauerplätze sind vom Nürburgring längst gesperrt worden

Die offiziellen Zuschauerplätze sind vom Nürburgring längst gesperrt worden <span class="copyright">VLN</span>
Die offiziellen Zuschauerplätze sind vom Nürburgring längst gesperrt worden VLN

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Natürlich ist die Nürburgring-Nordschleife aufgrund ihrer Länge nicht lückenlos zu überwachen. Niemand kann verhindern, dass jemand sein Fahrzeug an einem abgelegenen "Geheimparkplatz" oder unauffällig in einer Ortschaft parkt und sich zu Fuß durchs Dickicht an die Strecke schlägt. Machen das zu viele, käme es wieder zu Menschenansammlungen, die unter allen Umständen zu verhindern sind.

Deshalb ist Eigenverantwortung der Fans gefragt. Als das "Rheinderby" Borussia Mönchengladbach gegen den 1. FC Köln in der Fußball-Bundesliga zum Geisterspiel erklärt wurde, versammelten sich zahlreiche Menschen vor dem Stadion. Derartige Szenen haben mit dazu beigetragen, dass der Fußball seitdem gänzlich ruht.

Dass es Motorsport- und insbesondere Nürburgring-Fans besser machen können, zeigte das 24-Stunden-Rennen 2019. Damals wurden die Zuschauer für ihre Disziplin und Sauberkeit ausdrücklich von den Behörden gelobt.

Ultima Ratio wäre ein bürokratischer Akt

Die Bereiche rund um die Strecke frei von Menschen zu halten, die nicht offiziell erfasst sind, hat oberste Priorität. Es geht um das Fortbestehen der VLN und der gesamten Nürburgring-Region. Deshalb ist es von oberster Wichtigkeit, dass sich die Motorsportfans an die Vorgabe halten. Für einmal wird es für eine Rennserie lebenswichtig sein, dass die Zuschauer fernbleiben.

Erschwerend kommt hinzu, dass die Wege rund um die Nordschleife vor allem im Bereich Hohe Acht auch als Erholungsgebiet von ganz normalen Spaziergängern genutzt werden können. Für diese gelten natürlich wie für alle Menschen im öffentlichen Raum die allgemeinen Regeln des Kontaktverbots.

Eine weitergreifende Möglichkeit wäre, das gesamte Streckenareal zum Sperrgebiet zu erklären und bei Verstößen hohe Strafen auszusprechen. So könnte man auch Motorsportgegner davon abschrecken, sich unter falscher Flagge an die Rennstrecke zu begeben, um dem Sport zu schaden. Eine solche Sperrzone wäre allerdings ein schwieriger bürokratischer Akt, auf den man wohl lieber verzichten würde.

Natürlich ist die Bestrebung der VLN, die Maßnahmen so schnell wie möglich wieder aufzuheben, sobald es möglich ist. Um die langfristige Zukunft der "Fan Experience" müssen sich die Zuschauer also keine Sorgen machen. Morgen geht es weiter mit dem Thema der geschlossenen Grenzen.

Mit Bildmaterial von VLN.

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