Darum machte WWE den Undertaker zum Biker

Martin Hoffmann
Sport1

Es war ein Kulturschock, den WWE-Fans an diesem Abend in der Freedom Hall in Louisville, Kentucky erlebten.

Nach längerer Abwesenheit kehrte der Undertaker am 21. Mai 2000 zur damaligen WWF zurück - aber ganz anders, als sie ihn Erinnerung hatten.

Das Totengräber-Outfit: abgelegt. Die übersinnliche Aura: verschwunden. Der "Dead Man" war plötzlich zum Biker mit Kopftuch und Sonnenbrille geworden, rückte mit einem Motorrad zum Ring an und sprengte das Titelmatch zwischen Superstar The Rock und Herausforderer Triple H bei der Großveranstaltung Judgment Day 2000.

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Was steckte hinter der Verwandlung zum "American Bad Ass", der erst in diesem Jahr bei WrestleMania 36 gegen AJ Styles ein Comeback gefeiert hat?

WWE entfesselte 2000 den "American Bad Ass"

Neue Facetten hatte der Taker-Charakter in den Jahren zuvor gewonnen. Ende der Neunziger war das 1990 debütierte Alter Ego des Texaners Mark Calaway schon etwas menschlicher geworden - ehe er 1998/99 auf dem Höhepunkt der kontroversen "Attitude Era" eine ganz andere Richtung einschlug und als Anführer der "Ministry of Darkness" zum satanischen Superbösewicht wurde.

Eine Leistenverletzung im September 1999 beendete diese Phase, weil er sich beim ersten Comeback-Anlauf einen Brustmuskel riss, fiel er am Ende acht Monate aus. Als er zurückkam, sah er die Zeit für einen kompletten Neuanstrich gekommen.


In einem Interview mit seinem Freund und Rivalen Stone Cold Steve Austin 2019 hielt der Taker fest, dass die Verwandlung - die bei weitem nicht jedem Fan gefiel - für ihn unvermeidlich war, um Stagnation zu vermeiden und sich neu zu erfinden: "Ich hätte es mit dem ursprünglichen Charakter nicht durch die Attitude Era geschafft. Ich musste die Handschellen lösen."

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Auch das Entrance Theme war neu

Eingefleischte Fans des "Phenom" mussten sich umgewöhnen: Statt der bekannten Variation des Totenmarschs von Chopin nutzte der Undertaker von nun an Rockmusik als Entrance Theme (erst "American Bad Ass" von Kid Rock, dann "Rollin'" von Limp Bizkit), auch sein Kampfstil änderte sich, wurde realistischer und mit MMA-Elementen angereichert.


Im Jahr 2001 wurde die Figur mit einem zwischenzeitlichen "Heel Turn" nochmals variiert, der Biker-Taker wurde zum bösen "Big Evil" mit kurzen Haaren, wurde in dieser Rolle auch zum vierten Mal WWE-Champion - gegen den damals zurückgekehrten Hulk Hogan, der auch Gegner bei seinem ersten Titelgewinn 1991 war.


Ganz so legendär wie der "Dead Man" wurde der Biker-Taker trotzdem nicht, aber er hielt sich dreieinhalb Jahre und blieb mit sehenswerten Matches gegen Triple H, Jeff Hardy und Kurt Angle in Erinnerung, sowie auch für seine Duelle mit den damaligen Jungstars John Cena und Brock Lesnar - derselbe Lesnar, der 2014 unter dramatischen Umständen die legendäre WrestleMania-Siegesserie des Takers beenden sollte.

In die Undertaker-Historie ging auch ein, dass er zu Biker-Zeiten auch erstmals dauerhaft als "Brothers of Destruction" ein Team mit seinem Story-Bruder und ewigen Rivale Kane bildete.

Undertaker verwandelte sich 2004 zurück

Der Biker-Taker verschwand bei den Survivor 2003 wieder von der Bildfläche, als Kane ihn in einem "Buried Alive Match" gegen WWE-Boss Vince McMahon attackierte, sich gegen ihn wandte und "begrub". Bei WrestleMania XX im Jahr darauf kehrte der Undertaker dann wieder als "Dead Man" zurück und rächte sich mit einem Sieg über Kane.

Als Rückschritt empfand der Taker die erneute Verwandlung nicht. In dem Interview mit Austin merkte der Taker an, dass es ihm auch nach der Rückkehr zum Totengräber-Gimmick gut getan hätte, Elemente aus der Biker-Zeit zu behalten, er hätte weitere Tiefe dadurch gewonnen.

In dem als Mini-Film inszenierten "Boneyard Match" gegen Styles schlüpfte der mittlerweile 55 Jahre alte Taker zuletzt erstmals nach 16 Jahren wieder in die alte Rolle - es muss sich noch zeigen, ob es einmaliges Revival bleibt.

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