Machtkampf gewonnen - So planen die Patriots ohne Brady

Eric Böhm
Sport1

Am Ende hatten alle Partien freundliche Worte füreinander übrig.

Diese konnten aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Tom Brady den Machtkampf bei den New England Patriots gegen Bill Belichick verloren hat.

Diesmal kam ihm Eigentümer Robert Kraft nicht mehr zur Hilfe, wie einst bei den erzwungenen Trades der Brady-Ersatzleute, mehr denn je ist nun Belichick der Chef im Ring und steht vor einer Herkulesaufgabe.

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Denn nicht nur Brady steht bei seinem Abenteuer Tampa Bay unter Druck, auch der legendäre Coach muss nun beweisen, dass er auch ohne seinen langjährigen Star-Quarterback erfolgreich sein kann.


Die Voraussetzungen für die Patriots, 2020 eine neue goldene Ära einzuleiten, sind allerdings nicht optimal.

Brady hinterlässt eine von vielen Lücken

Brady hinterlässt nicht nur als Galionsfigur sondern auch sportlich eine Lücke, er ist aber nicht der einzige Leistungsträger, der wegbricht.

Die starken Verteidiger Kyle Van Noy und Jamie Collins unterschrieben anderswo hochdotierte Verträge, Safety Duron Harmon und Defensive Tackle Danny Shelton sind auch weg

Damit fehlt der 2019 so überragenden Verteidigung bereits einiges an Substanz, gehalten wurde bisher nur der routinierte Safety Devin McCourty. Die einzige Neuverpflichtung ist Defensive Tackle Beau Allen aus Tampa.

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Patriots haben kaum finanziellen Spielraum

Dazu kommt, dass der Offensive Line mit dem starken Guard Joe Thuney ebenfalls noch ein Baustein wegfallen könnte. Er erhielt von den Patriots den Franchise Tag, könnte aber noch getradet werden, falls Belichick eine langfristige Verlängerung als unwahrscheinlich einschätzt.

Denn Brady hinterlässt nicht nur eine Lücke, sondern aufgrund der Beschaffenheit seines letzten Vertrages auch eine Cap-Strafe in Höhe von 13,5 Millionen Dollar. Diese erschwert es den Patriots zusätzlich, das Team zu verstärken - womit wir bei der Position des Quarterbacks wären.

Es gibt durchaus einige Alternativen als Nachfolger für Brady, billig sind sie aber nicht. Von den Free Agents kommt aktuell bei nur vier Millionen Dollar Spielraum (wenn man die prognostizierten Rookies aus dem Draft einrechnet) kaum jemand in Frage.

Quarterback-Optionen für Belichick

Jameis Winston wäre mit seiner Mentalität und extrem fehlerbehafteten Spielweise ohnehin kein gutes Match für die Gesundheit des 68-jährigen Belichick.


Deutlich interessanter sind da schon durchaus talentierte, aber anderswo aus unterschiedlichen Gründen überflüssige Quarterbacks wie Andy Dalton, Cam Newton oder Jacoby Brissett.

Trades wären relativ leicht möglich und würden wenig Risiko beinhalten, denn alle drei haben nur noch ein Jahr Vertrag, könnten sich so für einen neuen Deal empfehlen oder dann entsorgt werden. Bei dem Trio könnten die Pats auch auf eine Entlassung spekulieren und dann billig zuschlagen.

Pats haben immer Stars ersetzt

Wer Belichick kennt, weiß jedoch, dass sein Erfolgsgeheimnis der vergangenen 20 Jahre das Nachladen mit eigenen Talenten war. Immer wieder wurde mit Topspielern eben nicht verlängert sobald sie zu teuer wurden.

Stattdessen rückten Eigengewächse nach, wie nicht zuletzt auch Brady. Natürlich ist es nicht auszuschließen, dass sie wie einst bei Jimmy Garoppolo im Draft einen neuen Spielmacher auswählen - zum Beispiel mit Pick Nummer 23 - vielleicht ist aber auch Jarrett Stidham die Antwort.

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Stidham als Bradys Erbe?

Die Pats wählten den klassischen NFL-Passer 2019 in der vierten Draftrunde aus, nach einer starken Preseason wurde er zu ungunsten von Routinier Brian Hoyer bereits zu Bradys Ersatzmann befördert.

Seine Stärken sind ein guter Wurfarm, Führungsqualitäten und eine gewisse Mobilität, die dem Angriff im Vergleich zu Brady eine weitere Dimension bringen könnte. Außerdem dürfte er von seinem Lehrmeister und Offensiv-Guru Josh McDaniels viel gelernt haben. Am College in Auburn hat er zudem jede Woche gegen starke Verteidigungen mit jeder Menge zukünftiger Profis (Alabama, LSU und Co.) gespielt.


Allerdings könnte für Stidham - oder einen anderen Starter - Bradys Problem aus der vergangenen Saison ebenfalls zum Stolperstein werden.

Starke Receiver und Tight End fehlen

Abgesehen von Julian Edelman und Running Back James White gibt es keine starken Passfänger, der Angriff wurde über die Saison so immer ausrechenbarer. Antonio Brown und Josh Gordon wurden gefeuert, Erstrundendraftpick N'Keal Harry wartet noch auf den Durchbruch und Star-Tight-End Rob Gronkowski wurde 2019 und auch in diesem Jahr nicht ersetzt. 

Bei Austin Hooper und Receiver DeAndre Hopkins sollen die Pats involviert gewesen sein, zogen aber den Kürzeren.

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Allerdings ist der Draft 2020 mit hochtalentierten Receivern gespickt. Hier könnte Belichick seiner Offensive neues Leben einhauchen. So wie er es 2000 mit dem schlacksigen 199. Draftpick tat - einem gewissen Tom Brady.

Fakt ist: der Coach hat mit Sicherheit einen Plan und ist ein geborener Gewinner - man tut sich schwer, trotz aller Probleme, gegen ihn zu wetten.

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