Mainz 05: Ex-Coach Klopp mit emotionaler Botschaft

Jürgen Klopp zeigt sich genervt von den ständigen Taktik-Fragen und bezieht Stellung. Auch der Jahrestag von Hillsborough geht ihm durch den Kopf.

Die aktuelle Situation von Mainz 05 ist besorgniserregend. Als 15. der Bundesligatabelle ist der Klub akut abstiegsgefährdet. Erst vor einer Woche versuchte sich ein Vorsänger als Mutmacher für die Mainzer Mannschaft. Nun probiert ein alter Bekannter, mit einer Video-Botschaft, das Ruder herumzureißen - Jürgen Klopp. Als Spieler und Trainer verbrachte der aktuelle Coach des FC Liverpool insgesamt 18 Jahre beim selbsternannten Karnevalsverein. Ultras des Klubs besuchten ihn in Liverpool und Klopp richtete gerne aufmunternde Worte an die 05er.

Die aktuelle Situation trifft Klopp nach eigenen Angaben sehr. Seine Botschaft im Wortlaut:

"Es ist vermutlich ziemlich ungewöhnlich, dass ich hier heute irgendetwas sage, aber dass die Jungs der Mainzer Ultras hier heute aufgeschlagen sind, zeigt schon, dass die Lage einigermaßen ernst ist in Mainz. Wenn man sich nur die Tabelle anguckt, dann muss ich sagen, muss man es nicht unbedingt so sehen. Aber warum ich generell heute etwas sagen möchte ist? Weil es mir unheimlich wichtig ist!

Wenn man mich gefragt hat 'Was war denn der größte Erfolg für Sie in den letzten Jahren?', dann haben alle damit gerechnet, dass ich sagen würde: 'Das Double mit Dortmund!' Das war außergewöhnlich, das war großartig, ganz bestimmt. 

Wenn man sich aber die Ausgangsposition mit Mainz 2001 ansieht, war es definitiv der Aufstieg 2004. 23. Mai 2004 - das war ein geiler Tag, schönes Wetter, gegen Trier, 3:0 - wir haben uns einen Traum erfüllt. Wir alle gemeinsam haben uns einen Traum erfüllt, von dem wir ab und zu gedacht haben, er wird nie wieder wahr. 

Ich werde persönlich den Tag nicht vergessen, ich habe ganz viele Bilder im Kopf, jetzt wo ich darüber rede. Und jeder der dabei war oder der noch ein Kind war, ein Jugendlicher war, weil es ein paar Jahre her ist, wie gesagt, der soll sich das nochmal vor Augen führen, was er damals gedacht hat. Was er an diesem Tag gedacht hat, an diesem Sonntag als man sich da in der Innenstadt getroffen hat.

Und jeder, der sich daran wieder erinnern kann, der muss jetzt aufstehen. Muss sich eine Karte für's Stadion kaufen und muss im Heimspiel gegen Hertha BSC dabei sein. Das ist das, was Mainz immer ausgemacht hat. Wir haben mehr Schläge abbekommen als möglicherweise die meisten anderen Vereine. Aber wir sind immer gestärkt daraus hervorgegangen. 

Die Situation aktuell ist alles andere als hoffnungslos, nur fühlt es sich in der Stadt ein bisschen so an. Die Leute sind sich ihrer Verantwortung nicht mehr bewusst. Mainz war die Stadt, wo jeder einzelne, ob im Stadion oder zuhause vor dem Fernseher, dafür gekämpft hat, dass die sportlichen Ziele erfüllt werden. Das hab' ich geliebt.

Da ich irgendwann nach Mainz zurückkehren werde, um dort zu leben, wär ich ehrlich gesagt froh, wenn da Erstliga-Fußball gespielt wird. '100 Prozent Einsatz für unser Ziel' war ein ganz wichtiges Banner vor vielen Jahren und jetzt gilt genau das Gleiche. Ich hoffe, dass alle verstanden haben, um was es geht. Fußball ist nicht das Wichtigste auf der Welt, wie wir alle wissen. Aber es ist eine wundervolle Möglichkeit gemeinsam Erfolge zu feiern und manchmal Misserfolge zu erleiden.

Das hat keine Stadt besser unter Beweis gestellt als Mainz und kein Verein besser bewiesen als Mainz 05 und dementsprechend würd' ich sagen: Aufstehen, Ticket kaufen, ins Stadion gehen und sich die Seele aus dem Leib brüllen. Und wer kein Ticket bekommt, der sitzt zu Hause vorm Fernseher und macht genau dasselbe.

Ganz Mainz für ein Ziel."

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