Manipulation durch WM-Schiedsrichter?

Ein Bericht über vermeintliche Spielmanipulationen durch Schiedsrichter hat die Handball-Szene am Rande der WM aufgeschreckt.

Wie das dänische Medium TV2 berichtet, sind bei dem Turnier Unparteiischen-Gespanne im Einsatz, die in der Vergangenheit mit möglichen Spielmanipulationen in Verbindung gebracht wurden.

Handball-WM: Vermeintliche Spielmanipulationen im Fokus

Das geht aus einem bislang geheimen Bericht des Analyse-Unternehmens Sportradar hervor, der TV2 vorliegt - und insgesamt acht Referee-Duos in Bedrängnis bringt.

Konkret soll es sich um das kroatische Gespann Matija Gubica und Boris Milosevic sowie um die Nordmazedonier Gjorgji Nachevski und Slave Nikolov handeln, die bei der WM auch bereits im Einsatz waren - das kroatische Duo pikanterweise beim Auftaktspiel von Deutschland gegen Katar (31:27).

Manipulationsverdacht: EHF reagiert

Laut Sportradar hat Nachevski auch Verbindungen zu organisierten kriminellen Gruppen und bereits bekannten Spielmanipulationen. Der Kroate Gubica bestritt gegenüber dem dänischen TV-Sender die Vorwürfe: „Es gab unzählige Unentschieden in den Spielen, die wir im Laufe der Zeit gepfiffen haben. Sag mal: Sind wir Schiedsrichter wirklich die einzigen auf dem Platz?“

Die Europäische Handballföderation (EHF) bestätigte, dass sie im Dezember 2018 wegen eines entsprechenden Verdachts die Behörden eingeschaltet habe. Die damaligen Ermittlungen hätten jedoch zu keinem Ergebnis geführt, daher seien keine Konsequenzen ergriffen worden, hieß es.

„Nach Kenntnis der EHF blieben diese Ermittlungen der Polizei bisher ergebnislos und die Spekulationen blieben nach der Sondierung unbewiesen“, teilte die EHF am Sonntag mit: „Eigene Auswertungen der EHF zu fraglichen Spielen aus damaliger sportlicher Sicht ergaben keine Anhaltspunkte, die die Einleitung eines Gerichtsverfahrens gerechtfertigt hätten.“

Auch Spiele des THW und von Flensburg im Fokus

Ungeachtet des Berichtes von Sportradar, der bereits 2018 verfasst wurde, waren zahlreiche der 16 im Verdacht stehenden Schiedsrichter seitdem bei mehreren Endspielen und großen internationalen Klubspielen im Einsatz.

Zu den betroffenen Partien gehörten laut TV2 auch Partien mit Beteiligung der deutschen Spitzenklubs THW Kiel und SG Flensburg-Handewitt sowie Länderspiele.

Der THW wird in dem Bericht mit seinem Gruppenspiel der Saison 2016/2017 gegen Telekom Veszprem genannt, weil auffällig viele Wetten auf ein Remis zur Pause abgeschlossen worden waren.

„Davon ist mir überhaupt nichts bekannt, ich höre davon zum ersten Mal“, sagte THW-Geschäftsführer Viktor Szilagyi gegenüber dem Sportbuzzer.

Auffälligkeiten bei Anzahl erzielter Tore

„Der Integritätsdienst vermutet, dass die Schiedsrichter in diesen Spielen den Ausgang in unzulässiger Weise zu ihrem eigenen Vorteil beeinflusst haben“, heißt es in dem Bericht von Sportradar laut TV2.

Demnach war Sportradar von insgesamt sieben Wettanbietern kontaktiert worden, weil „verdächtig“ hohe Beträge beispielsweise auf Unentschieden zur Halbzeit oder nach dem Schlusspfiff sowie auf vergleichsweise wenig erzielte Tore gewettet wurden.

Insgesamt 26 Spiele zwischen September 2016 und November 2017 sind im Bericht registriert, die deutliche Anzeichen von Spielmanipulationen aufwiesen.

Zusammenarbeit auch mit der UEFA

Sportradar ist ein Analyse-Unternehmen mit Sitz in St. Gallen, das als weltweit führend bei der Aufdeckung von Spielmanipulationen gilt, und arbeitet auch mit der UEFA zusammen, um ähnliche Szenarien im europäischen Spitzenfußball zu verhindern.