Mann schließt sich unbemerkt Kanzlerkonvoi an und umarmt Scholz

In Frankfurt am Main ist es zu einer Sicherheitspanne bei einem Besuch von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) gekommen. Ein unbekannter Mann schloss sich unbemerkt dem Konvoi des Kanzlers an und umarmte ihn dann beim Aussteigen auf dem Flughafen.
In Frankfurt am Main ist es zu einer Sicherheitspanne bei einem Besuch von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) gekommen. Ein unbekannter Mann schloss sich unbemerkt dem Konvoi des Kanzlers an und umarmte ihn dann beim Aussteigen auf dem Flughafen.

In Frankfurt am Main ist es zu einer schwerwiegenden Sicherheitspanne bei einem Besuch von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) gekommen. Ein Mann schloss sich am Mittwochabend unbemerkt dem Konvoi des Kanzlers an und passierte ungehindert die Sicherheitsabsperrungen am Flughafen. Als Scholz sein Auto auf dem Rollfeld verließ, schüttelte ihm der Mann die Hand und umarmte ihn, wie von Seiten der Bundesregierung bestätigt wurde.

Das Geschehen warf Fragen hinsichtlich der Sicherheitsvorkehrungen auf, Scholz selbst wertete den Vorfall jedoch gelassen. Für ihn sei es "ganz normal", dass "Leute mir guten Tag sagen und mich begrüßen", sagte der Kanzler am Rande eines Besuchs in Estland. Er habe "auch diese Situation nicht als dramatisch empfunden." Die Polizei leiste gute Arbeit und "ich fühle mich in Sicherheit".

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Zunächst hatte die "Bild"-Zeitung über den Vorfall berichtet. Demnach wurden die Personenschützer von Scholz sowie weitere anwesende Polizisten erst auf den Mann aufmerksam, als dieser auf den Kanzler zulief. Aus dem Kanzleramt war dem Bericht zufolge von einer "überraschend innigen Umarmung" die Rede.

Regierungssprecher Steffen Hebestreit bestätigte dies am Freitag als "im wesentlichen so richtig". Die hessische Landespolizei und das Bundeskriminalamt (BKA) prüften jetzt, "was schief gelaufen ist". Scholz hatte vor dem Vorfall in Frankfurt eine Rede anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Europäischen Zentralbank (EZB) gehalten.

Vizeregierungssprecher Wolfgang Büchner sagte, auch wenn sich der Kanzler "zu keiner Zeit bedroht gefühlt" habe, stellten sich natürlich Fragen, die nun aufgeklärt würden. Immerhin hätte auch "Schlimmeres passieren können". Es habe "einen Händedruck und dann eine Umarmung" gegeben, jedoch "über den physischen Kontakt hinaus" keinen Austausch zwischen dem Kanzler und dem beteiligten Mann, sagte Büchner weiter.

"Ein solcher Vorfall darf nicht passieren", sagte Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) dazu am Rande eines Termins an der deutsch-tschechischen Grenze. "Die Beteiligten werden jetzt sehr genau aufarbeiten woran es lag, wo Fehler passiert sind, um diese in Zukunft zu vermeiden."

"Wir nehmen den Vorgang sehr ernst", sagte auch ein Sprecher des Bundesinnenministeriums. Zuständig für den Schutz von Scholz sei wie üblich das Bundeskriminalamt gewesen, im Fall des Frankfurter Flughafens zudem dort die Bundespolizei und die hessische Landespolizei. Bislang könne noch nicht genau gesagt werden, "wo der Fehler gelegen hat".

Auch die Hintergründe des Vorfalls waren den Regierungsangaben zufolge zunächst unklar. Laut Bundesinnenministerium wurden gegen den Mann Ermittlungen durch die zuständige Staatsanwaltschaft eingeleitet. Dabei gehe es auch darum, ob sein Handeln strafrechtlich relevant gewesen sei.

Im "Spiegel" hieß es unter Berufung auf erste Erkenntnisse der Ermittler, es habe sich um einen 48-jährigen Griechen gehandelt, der laut einem Schnelltest unter Drogeneinfluss gestanden habe. Der Mann habe bei der Vernehmung einen verwirrten Eindruck gemacht. Zu Scholz soll er demnach gesagt haben, er wolle mit ihm "ein bisschen Musik machen".

Der Mann fuhr dem "Spiegel" zufolge direkt hinter der Kanzler-Kolonne in den Sicherheitsbereich des Flughafens ein. Nach dem Vorfall sei er zunächst unbehelligt geblieben und habe in seinem Auto eine Zigarette geraucht. Erst später hätten alarmierte Bundespolizisten ihn festgenommen. Es seien Ermittlungen wegen Hausfriedensbruch eingeleitet worden.

Möglicherweise hätten die Sicherheitsleute des Kanzlers nicht sofort realisiert, dass es sich um eine nicht autorisierte Person handelte und nicht beispielsweise um einen zufällig anwesenden Flughafenmitarbeiter, hieß es. Gefährliche Gegenstände seien bei ihm oder in seinem Fahrzeug nicht gefunden worden.

bk-ma/mid