Mario Mandzukic: Der Krieger

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Mario Mandzukic hat etwas, das man in keinem Nachwuchsleistungszentrum dieser Welt erlernen oder trainieren kann. Etwas, das von tief drinnen kommt und so wuchtig daherkommt, dass es bei falscher Handhabe kontraproduktiv wird: Den absoluten, unbedingten Siegeswillen.

Mario Mandzukic schoss Kroatien mit seinem Tor gegen England ins WM-Finale
Mario Mandzukic schoss Kroatien mit seinem Tor gegen England ins WM-Finale

Es gibt viele Spieler im Weltfußball, die man besser in seiner eigenen Mannschaft hätte und bloß nicht beim Gegner. Mandzukic ist so etwas wie der ungekrönte König dieser Spieler. Ein Derwisch, der nicht selten am Rande der Legalität wandelt und darüber hinausgeht, unerbittlich im Zweikampf, hart gegen den Gegner und sich selbst. Ein Anführer, der kaum große Gesten oder Worte braucht – sondern einfach nur Einsatz, Einsatz und Einsatz.

Sensation! Kroatien steht im WM-Finale

Im Vergleich zu den vielen Hochglanzprodukten des modernen Fußballs fällt Mandzukic komplett aus dem Rahmen. Kein unnötiger Schnickschnack, keine Millionen Instagram- oder Twitter-Follower, kein Bling-Bling, keine drei verschiedenen Frisuren in zwei Wochen, kein Gezeter und Theater auf dem Platz. Wobei: Wenn es dem Erfolg der Mannschaft dient, kann auch Mandzukic ein im positiven Sinne richtig ekelhafter Spieler sein.

Auf Anhieb Triple-Sieger

Seinen Durchbruch hat er in der Bundesliga geschafft, was irgendwie fast auf der Hand lag. Schließlich ist Mandzukic Anfang der 90er Jahre vor dem Balkankrieg ins schwäbische Ditzingen geflohen und hat dort Fußballspielen gelernt. Der VfL Wolfsburg holte Mandzukic einst von Dinamo Zagreb, dann kam die EM 2012, Mandzukic erzielte drei Tore und der große FC Bayern wollte ihn unbedingt haben.

Die Bayern hatten gerade das Vize-Triple eingefahren, waren doppelt vom Borussia Dortmund und vom FC Chelsea beim Finale dahoam ins Mark getroffen worden. In der Fehleranalyse dieser vermaledeiten Saison erkannten die Bayern, dass ihnen ein Spieler auf dem Platz fehlte, der dem Gegner auch mal im wahrsten Sinne des Wortes weh tut und der nebenbei auch noch ganz vernünftig Fußballspielen kann.

Ein Jahr später holten die Bayern mit Mandzukic als Stoßstürmer das echte Triple, der Kroate traf dabei im Champions-League-Finale gegen Dortmund zum 1:0. Es war der Höhepunkt in der Münchener Vereinsgeschichte und natürlich auch in Mandzukic‘ Karriere. Wiederum ein Jahr später kam es dann zum Tiefschlag und letztlich auch zum Bruch mit den Bayern.

Pep vertrieb Mandzukic aus München

Der neue Trainer Pep Guardiola soll sich nach dem desaströsen 0:4 gegen Real Madrid im Halbfinale der Königsklasse mit Mandzukic überworfen haben, im letzten Saisonspiel beim Pokalfinale gegen Dortmund wird Mandzukic über Nacht aus dem Kader gestrichen. Die Bayern gaben dem Drängen ihres damaligen Trainers vielleicht eine Spur zu schnell nach und dürften den Schritt von damals mittlerweile schon einige Male schwer bereut haben.

Nach einer Saison bei Atletico ging es weiter zu Juventus, dem größten Klub Italiens. Wie zuvor in Zagreb, Wolfsburg, München und Madrid wurde der Angreifer auch in Turins Starensemble auf Anhieb Stammspieler. Mit der Alten Dame schaffte es Mandzukic wieder ins Champions-League-Finale und wieder traf der Kroate in einem wichtigen Spiel.

Er passt auch in Italien nicht so recht ins Raster der “gewöhnlichen” Angreifer. Mandzukic ist bei Juventus der erste Verteidiger, ein Monster im Pressing und auch in Italien wegen seiner Mentalität gefürchtet. Auch im Herbst seiner Karriere bleibt er die Laus im Pelz seiner Gegner – und in der Heimat ein Volksheld. Schon vor der WM in Russland galt Mandzukic als einer der besten Stürmer Kroatiens – und dieses Land hat wahrlich schon einige große Angreifer hervorgebracht.

Mandzukic musste sich ein bisschen reinquälen in das Turnier, hatte ein paar Anlaufschwierigkeiten, wurde im letzten, bedeutungslosen Gruppenspiel geschont. Nach null Toren in der Gruppenphase hätten einige Trainer wohl einen Kurswechsel vollzogen. Kroatiens Zlatko Dalic verschwendet aber nicht einen Gedanken daran. In der gut aufgestellten Offensive Kroatiens ist Mandzukic die einzige Konstante.

Mandzukic dreht in der K.o.-Phase voll auf

Gegen Dänemark brachte Mandzukic die Mannschaft nach dem frühesten (Gegen-)Tor der WM der Dänen mit seinem Ausgleich wieder zurück und letztlich bis ins Elfmeterschießen. Im Viertelfinale gegen Russland war es Mandzukic, der einen der beiden kroatischen Treffer vorbereitete. Und dann das Halbfinale gegen England: Die Engländer mit ihrer jungen, unbedarften Truppe spielten Kroatien erst eine halbe Stunde lang schwindelig, auch von Mandzukic war nichts zu sehen.

Mandzukic und Perisic sind zu viel für England

Aber die alten Hasen der Kroaten schlugen unerbittlich zurück und Mandzukic machte sich nicht nur in der Heimat am Ende unsterblich. Der Siegtreffer gegen die Engländer war ein echter Mandzukic, immer unter Strom, immer drin in der Situation, nicht abschalten, die Chance wittern und dann zuschlagen. Vermutlich war es das wichtigste Tor seiner langen Karriere, immerhin ist Mandzukic nun auch schon stolze 32 Jahre alt. Es dürfte seine letzte WM sein, vielleicht sogar sein letztes großes Turnier für Kroatien.

Mandzukic hat jetzt schon gezeigt, dass er ein Turnierspieler ist: Einer, der nicht gleich zu Beginn des Turniers groß aufspielt und sein Pulver verschießt, sondern sich im Verlauf des Wettbewerbs immer noch weiter steigern kann und zu den Höhepunkten hin voll da ist. Der Krieger ist längst heiß gelaufen und selbst wenn vor dem Finale am Sonntag alle Welt von Frankreich und Kylian Mbappe reden wird: Die Franzosen sollten gewarnt sein, vor Kroatien und vor Mario Mandzukic.

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