Marvel in der Kritik: Fans fordern das Aus für den Punisher

Moritz Piehler
·Freier Autor
·Lesedauer: 4 Min.

Der Sturm auf das Kapitol hat zahlreiche Nachwirkungen. Eine davon trifft jetzt auch das Comic-Imperium Marvel. Denn ein Marvel-Charakter war bei mehreren der gewalttätigen Mob-Teilnehmer aufgetaucht.

Dieser Trump-Anhänger in Arizona verpasste dem Punisher-Logo sogar einen Trump-Haarschnitt. (Bild: Caitlin O'Hara/Getty Images)
Dieser Trump-Anhänger in Arizona verpasste dem Punisher-Logo sogar einen Trump-Haarschnitt. (Bild: Caitlin O'Hara/Getty Images)

Der Punisher ist ein wahrhafter Antiheld im Marvel-Universum. Nach den Morden an seiner Frau und seinen Kindern führt der Kriegsveteran Frank Castle seinen persönlichen Rachefeldzug gegen alle Verbrecher. Dabei ist ihm bei seiner Selbstjustiz nahezu jedes Mittel von Folter bis Mord recht. Ausgerechnet das Logo dieser Figur tauchte jetzt mehrfach bei dem Mob auf, der am vergangenen Mittwoch ebenfalls in einer Art Akt der verdrehten Selbstjustiz das Kapitol in Washington DC stürmte.

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Besonders auffällig war das Totenkopf-Logo bei einem der Angreifer zu sehen, der mit Kabelbindern ausgestattet war, vermutlich in der Absicht, Senatoren als Geiseln zu nehmen. Die Stimmen werden nun lauter, die Marvel auffordern, den Punisher in den Ruhestand zu versetzen, bevor er noch weiter von ähnlichen Gruppen missbraucht wird.

Auch Zeichner melden sich zu Wort. Mitch Gerads, der im Jahr 2014 für die Punisher-Serie zuständig war, forderte, dass Marvel die Serie einstellt, “bis sie nicht mehr länger als Symbol des Hasses verwendet wird.”

Ähnliches forderte auch der Künstler Jamal Igle, der bereits sowohl für Marvel als auch für DC-Comics zeichnete. “Das ganze Konzept ist korrupt,” schrieb Igle auf Twitter. “Es ist Zeit, für Marvel, den Punisher aus dem Spiel zu nehmen.”

Andere User verlangten wenigstens, dass die Figur des Punishers einen drastischen Charakterwandel vollzieht, um so nicht länger attraktiv für radikale Gruppen zu sein.

Totenkopf auf Polizeiuniformen

Um das Logo des Punishers hatte es bereits im Sommer eine Diskussion gegeben, als der Totenkopf mehrfach bei Polizisten gesichtet worden war, die besonders hart gegen Demonstranten der “Black Lives Matter”-Bewegung vorgegangen waren. Auch bei den sogenannten “Blue Lives Matter”-Gegendemos war das Logo immer wieder aufgetaucht.

Tatsächlich waren die Künstler, die das Logo ursprünglich für Marvel entworfen hatten von der Symbolik der SS ausgegangen. Diese hatten während der Herrschaft der Nationalsozialisten einen Totenkopf auf ihren Uniformen getragen. Vermutlich ist es auch diese Nazi-Symbolik, die das Comic-Logo für die teilweise rechtsradikalen Trump-Anhänger attraktiv macht.

Auf die Vorwürfe reagierte Marvel im Sommer mit einem Post, in dem sich das Unternehmen gegen Rassismus positionierte.

Auf Twitter meldete sich nach dem Angriff auf das Kapitol auch Jon Bernthal zu Wort, der die Figur in der Netflix-Serie verkörpert. “Diese Menschen sind fehlgeleitet, verloren und ängstlich.”

Marvel hat bisher noch nicht auf die Rufe nach einem Rücktritt oder einem Wandel des Comic-Helden reagiert.

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