Massive Dopingverstöße im Gewichtheben?

SID
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Die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) hat in einem Bericht ein düsteres Bild der Situation im Gewichtheben gezeichnet und unter anderem neue Verdachtsfälle von 18 Sportlern aus sechs Ländern identifiziert. Das teilte die WADA am Donnerstag mit.

Demnach seien bei der seit mehr als drei Jahren laufenden Ermittlung mit neuen Untersuchungsmethoden Beweise für die Manipulation von Dopingproben gefunden worden. Über mögliche Sanktionen entscheidet nun die Internationale Test-Agentur (ITA).

Die Ermittler identifizierten auch strukturelle Probleme der Sportart. Es herrsche ein verstörender Trend zu einer Kultur des Schweigens und der Angst innerhalb des Sports. Viele Athleten hätten wenig bis kein Vertrauen, dass ihre nationalen Verbände und der Weltverband ihre Interessen und die Interessen der Sportart schützen würden.

"Die WADA ist entsetzt darüber, was die Ermittlungseinheit herausgefunden hat", sagte WADA-Präsident Witold Banka: "Viel zu lange mussten sich saubere Gewichtheber mit einer tief verwurzelten Dopingkultur in ihrem Sport auseinandersetzen." Der deutsche Chef-Ermittler Günter Younger erklärte: "Die Untersuchung war komplex, schwierig und zeitaufwändig. Es standen viele Hindernisse in unserem Weg. Die Angst und das Schweigen, die diesen Sport durchdringen, waren erhebliche Probleme."

Für die Sportart Gewichtheben sind die neuen Enthüllungen ein weiterer Schlag. Erst in der vergangenen Woche hatte ein interner Machtkampf an der Spitze des Weltverbandes IWF für massive Kritik gesorgt. Das Internationale Olympische Komitee (IOC) hatte nach der Entmachtung der Interimspräsidentin Ursula Papandrea den Druck auf die IWF verstärkt und sogar den Platz der Sportart im Programm der Sommerspiele 2024 in Paris infrage gestellt.

Der umstrittene IWF-Langzeit-Präsident Tamas Ajan war im April angesichts schwerer Vorwürfe der Doping-Vertuschung und Untreue zurückgetreten. Eine unabhängige Untersuchungskommission bezeichnete in ihrem Abschlussbericht im Juni den Vorstand der IWF unter dem Ungarn in ihrem Bericht als dysfunktional und ineffektiv. Aufgedeckt hatte den Fall die ARD-Dopingredaktion in der Dokumentation "Geheimsache Doping - Der Herr der Heber" im Januar.